VDI-Adventskalender 2016 / Tag 10

Ingenieur in der Unternehmensberatung

Einen großen Automobilhersteller unterstützen, die Zukunft der Luftfahrtindustrie analysieren, ein Chemieunternehmen beraten oder jede dieser Industrien bei einem eigenen Projekt kennenlernen: Die Möglichkeiten für Ingenieurinnen und Ingenieure sind in Unternehmensberatungen vielfältig – besonders in der „Digitalen Transformation“. Im Rahmen unseres VDI-Adventskalenders schauen wir uns den Ingenieur in der Unternehmensberatung genauer an. Etwas zu gewinnen gibt es natürlich auch.

Bild: Thomas Ernsting/ LAIFIngenieur in der UnternehmensberatungDer promovierte Maschinenbauer und Projektleiter Philip Schäfer, der bei McKinsey vor allem Klienten aus dem Automobilsektor berät, erzählt uns, wie er zu McKinsey kam und was er an seiner Arbeit besonders schätzt.

Herr Schäfer, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.
Ich habe nach dem Abitur an der RWTH Aachen Maschinenbau mit Schwerpunkt Energietechnik studiert. Nach dem Vordiplom verließ ich Aachen für zwei Jahre, um in Paris ein Doppeldiplom an der École Centrale zu absolvieren. Im Anschluss kam ich nach Aachen zurück und schrieb meine Dissertation auf dem Gebiet der theoretischen Turbulenztheorie. Bei McKinsey bin ich heute Projektleiter und arbeite insbesondere mit Klienten aus dem Automobilsektor an der Optimierung ihrer Produktentwicklung und Materialkosten.

Bei Unternehmensberatern denkt man zunächst an Wirtschaftswissenschaftler. Was hat Sie als Ingenieur zu McKinsey gebracht?
Gerade in der produzierenden Industrie hängt der Erfolg des Unternehmens stark von den technischen Abläufen ab. Mich hat schon immer das Zusammenspiel aus technischen Möglichkeiten und wirtschaftlicher Effizienz gereizt Bei McKinsey kann ich genau in diesem Spannungsfeld die größten Unternehmen Deutschlands und der Welt beraten.

Was hat McKinsey davon, dass Ingenieure im Unternehmen tätig sind und was reizt Sie als Ingenieur an der Beratertätigkeit?
Ein großer Teil meiner Arbeit bei McKinsey dreht sich sehr konkret um die technische Optimierung von Produkten unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. An dieser Schnittstelle bringe ich als Ingenieur das notwendige technische Hintergrundwissen und Verständnis mit, um mit meinen Klienten „auf Augenhöhe“ auch über technische Details sprechen zu können. Zudem ist die analytisch stringente Herangehensweise, mit der wir Ingenieure uns einer Problemstellung widmen, im Berateralltag grundsätzlich sehr hilfreich.

Welche Perspektive können Sie als Ingenieur in fachübergreifende Teams einbringen?
Viele der großen Optimierungspotentiale meiner Klienten liegen an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Ressorts – z.B. zwischen Einkauf und Entwicklung. Hier nehme ich als Ingenieur oft eine „vermittelnde“ Beraterrolle ein, bei der ich sowohl die relevanten wirtschaftlichen als auch technische Gesichtspunkte in einen Lösungsvorschlag einfließen lasse.

Das Berufsbild des Ingenieurs wandelt sich. Ingenieure müssen heute eine Vielzahl von Tätigkeiten bewältigen, Fachwissen alleine reicht da nicht mehr aus. Was muss, Ihrer Meinung nach, der Ingenieur von heute und morgen an Kompetenzen mitbringen?
Unabhängig vom eigenen Fachgebiet glaube ich, dass ein breites Allgemeinwissen unabdingbar ist – sozusagen der Blick über den Tellerrand des eigenen Faches. Zudem sollte ein guter Ingenieur über ein breites technisches Wissen verfügen, welches ihm erlaubt technische Lösungen nach Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu bewerten und einzuschätzen. Ich bin jedoch auch der Meinung, dass es in der heutigen komplexen Welt unabdingbar ist, Tiefen- und Detailwissen in einem bestimmten Bereich aufzubauen. Bei der heutigen Schnelllebigkeit muss man dieses Wissen kontinuierlich ausbauen. Auch unsere Klienten verlangen immer öfter nach ausgewiesenen Experten. McKinsey bietet uns Beratern auch in dieser Hinsicht jede Menge Trainings und Möglichkeiten, unseren eigenen Werdegang von Projekt zu Projekt selbst in die Hand zu nehmen.

Stichwort Arbeit 4.0: Wie verändert sich dieser Beruf in der Digitalisierung?
Die Digitalisierung betrifft unsere Klienten auf vielschichtige Weise, teilweise verändert sie ganze Geschäftsmodelle. Für meine Klienten im Automobilsektor bedeutet das zum Beispiel, dass die Differenzierung des Fahrzeugs im Wettbewerb nun immer stärker auf zwei Ebenen stattfindet – über die klassischen, mechanischen Komponenten (bester Motor, bestes Fahrwerk etc.) und zusätzlich auch über Software-Funktionen (z.B. Stichwort vernetzte Fahrzeuge). Die sich hieraus ergebenden strategischen Fragen liegen auf der Hand: Wie wollen sich die Hersteller in diesen neuen Feldern positionieren? Wer hat die besten Talente auf diesen neuen Gebieten? Wer hat die Hoheit über die Daten? Und dies sind nur einige der sehr spannenden Fragen, auf die wir als Berater eine Antwort geben müssen. Der klassische Automobilberater muss also genauso wie seine Klienten in diesen neuen Feldern nicht nur sprachfähig, sondern auch beratungsfähig sein.

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Zur heutigen Frage aus unserem VDI-Adventskalender verlosen wir zwei flexible LED-Leuchten mit USB-Stecker. Beantwortet uns bis heute Abend um 23:59 Uhr als Kommentar zu diesem Beitrag hier im Blog oder auf unserer Facebook-, Twitter-, Google Plus– oder LinkedIn-Seite folgende Frage: Wo hat McKinsey in Deutschland seinen Hauptsitz? Hashtag #vdiww nicht vergessen! Viel Glück! Teilnahmebedingungen findet Ihr unter www.vdi.de/teilnahmebedingungen.

VDI-Jahresthema 2017: „SMART GERMANY. Arbeit in der Digitalen Transformation“
Unser Schwerpunktjahr der „Digitalen Transformation“ neigt sich dem Ende. Mit dem diesjährigen VDI-Adventskalender „24 Ingenieurberufe in der Digitalen Transformation“ wollen wir bereits frühzeitig unser VDI-Jahresthema 2017 einläuten: Unter dem Motto „SMART GERMANY. Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im kommenden Jahr der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur das Berufsbild „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Euch außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge in unserem VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl natürlich auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0.

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Cathrin Becker_2Das Interview führte: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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23 Gedanken zu “Ingenieur in der Unternehmensberatung

  1. Ich finde es sehr interessant, inwiefern sich die Unternehmensberatung der Diversität aller Branchen und Berufe bedienen kann. Trotz der erwähnten Beratertätigkeit finde ich es spannend, dass die technischen Abläufe auch so im Detail betrachtet werden können. Ich glaube als Ingenieur ist er damit mitnichten nur ein Quereinsteiger, sondern ein wertvolles Mitglied seines Teams mit hochspezialisierten Fähigkeiten.

  2. Ich beende bald mein Wirtschaftsingenieur Studium und sehe mich nach Berufen in der Unternehmensberatung um. Vor allem der von Ihnen erwähnte Aspekt, dass man hierbei breit gefächert tätig werden kann, sei es ein Chemieunternehmen oder ein Automobilhersteller überzeugt mich davon. Vielen Dank für die Informationen und das Interview mit Herrn Schäfer.

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