Von Robotern über ICEs bis zum Trinkwasser

Das waren unsere Ingenieurgeschichten 2016

Sie stecken im Smartphone und in der Kaffeemaschine. Sie sorgen dafür, dass Roboter funktionieren und Maschinen instand gehalten werden. Einfach gesagt, sie machen, dass unser Alltag reibungslos abläuft. Gemeint sind Ingenieurleistungen. Ingenieurinnen und Ingenieure sind mit ihrem Know-how die Grundpfeiler des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Trotzdem werden ihre Leistungen viel zu oft verkannt. Dem haben wir auch in diesem Jahr mit unseren Ingenieurgeschichten wieder gegengesteuert. Unsere Kampagne für den Ingenieurberuf bewegte Euch und hat viel positives Feedback hervorgerufen. Hier haben wir alle zehn spannenden Ingenieurgeschichten aus 2016 zusammengefasst.

Bild: VDI / Fabian Stürtzimage1

Neue Energie aus Altholz
Sonne, Wind oder Wasser – diese Energieträger verbinden die Meisten mit erneuerbaren Energien. Doch es gibt noch einen weiteren nachhaltigen Energieträger: Altholz. Also Holz, das bereits für andere Zwecke, wie beispielsweise den Haus- oder Möbelbau, verwendet worden ist. Bernhard Böcker-Riese hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Maximum aus diesem Rohstoff herauszuholen. Das Schweizer Heizkraftwerk Nidwalden, das er betreut, bringt es auf eine Nennleistung von 1,2 MW und eine Auslastung von 8.000 Betriebsstunden pro Jahr. Damit können über 2.000 Haushalte mit Energie versorgt werden.

So menschlich können Roboter sein
Robotik, kombiniert mit künstlicher Intelligenz, wird unser Leben und Arbeiten in den nächsten Jahrzehnten vermutlich massiv verändern. Neben leistungsfähigen Industrierobotern, sollen vor allem humanoide Roboter eine größere Rolle im Alltag spielen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels werden sie als intelligente „soziale Partner” in der Medizin und Pflege einfache bis komplexe Aufgaben übernehmen. Um sich perfekt an die Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft anzupassen, müssen diese Roboter lernen, ihr menschliches Gegenüber zu verstehen. Ivo Boblan forscht an dieser Entwicklung. Angetrieben wird er dabei von einer Frage: Wie viel Mensch darf im Roboter stecken?

vdi-ingenieurgeschichten_boblan_702x363_mitlogo

Windenergie digital
Waren es früher noch Ölplattformen, sind es heute immer neue, größere und leistungsstärkere Offshore-Windparks, die das Bild der Energielandschaft auf hoher See prägen. Bestes Beispiel: der 40 Kilometer vor Helgoland gelegene Windpark Amrumbank West. Mit seinen 80 Turbinen produziert er jährlich genug Strom für rund 300.000 Haushalte. Für einen reibungslosen Betrieb sind effiziente Wartungsprozesse unabdingbar. Frank Scholtka hat dafür eine mobile Lösung entwickelt, welche mit Apps und Barcodescannern die Instandhaltung der Turbinen digitalisiert.

Algen für den Leichtbau der Zukunft
Sie sind zwar mikroskopisch klein, aber könnten schon bald einen umso größeren Einfluss auf die Leichtbauweise der Zukunft haben. Die Rede ist von Kieselalgen. Um Photosynthese nahe der Meeresoberfläche betreiben und sich gleichzeitig vor Fressfeinden schützen zu können, haben diese Kleinstorganismen über Jahrmillionen ebenso leichte wie robuste Schalenstrukturen ausgebildet. Was die Evolution perfektioniert hat, dient dem Sebastian Möller und einem Team von Biologen und Ingenieuren als Inspiration. Vom effizienteren Automobil bis zum leichteren Staubsauger, die Einsatzgebiete der Bionik im Leichtbau sind so vielfältig wie die Vorbilder aus der Natur.

VDI-Ingenieurgeschichten_Moeller_702x363

Endstation für alte Gleise
Ob schwere Güterzüge oder schnelle ICEs, ob wechselnde Witterungsbedingungen oder Abnutzung und Korrosion – Bahngleise sind jeden Tag höchsten Belastungen ausgesetzt. Damit die Deutsche Bahn trotzdem pünktlich und sicher ihre Ziele erreicht, arbeiten Gleisbauexperten wie Juliane Thiel jeden Tag aufs Neue an der Instandhaltung und Modernisierung der Trassen. „Jede Baustelle ist anders und hat ihre eigenen Herausforderungen“, so Thiel. Das gilt insbesondere für ihr aktuelles Projekt: die Sanierung der Strecke Sömmerda-Erfurt.

VDI-Ingenieurgeschichten_Thiel_702x363

Ein Roboter als glänzender Arbeitskollege
Der Einsatz von moderner Robotertechnik hat den Arbeitsalltag zahlreicher Industrien nachhaltig verändert. Schon heute übernehmen Roboter in der Automobilindustrie beispielsweise das Schweißen, Lackieren, Lasern und Palettieren ganzer Fahrzeugteile und folgen dabei klar definierten Abläufen, die maximale Fertigungspräzision und -effizienz ermöglichen. Björn Matthias denkt noch einen Schritt weiter: Zusammen mit einem internationalen Team hat er an einer neuen Generation kollaborativer Roboter gearbeitet, die gerade im Markt eingeführt werden. Äußerst beweglich und mit hoher Präzision assistieren sie Menschen bei komplexen feinmechanischen Aufgaben. Vorhang auf für YuMi.

Instandhaltung ohne Stillstand
Auf ihrem Weg über das rund 5.200 Kilometer umfassende Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn sind ICEs enormen Belastungen ausgesetzt. Abnutzung und Materialverschleiß gehören bei Geschwindigkeiten zwischen 200 und 300 km/h zum Alltag. Bedenkt man, dass die ICE-Flotte auf inzwischen über 260 Züge angewachsen ist, sind logistische Herausforderungen vorprogrammiert. Um regelmäßige Reparaturen und Wartungen zu planen und zu koordinieren, kommt es auf erfahrene Ingenieure wie Levent Süre an. In der Fahrzeugtechnik des ICE-Werks Hamburg-Eidelstedt kümmert sich Süre darum, dass auch die Instandhaltung nach einem genauen Fahrplan abläuft. Das Team vor Ort bringt so pro Tag über 20 ICEs wieder in Fahrt.

VDI-Ingenieurgeschichten_Suere_702x363-B

Wie baut man die vernetzte Fabrik der Zukunft?
Noch vor 15 Jahren war es für uns unvorstellbar, durch soziale Netzwerke mit den verschiedensten Menschen auf der ganzen Welt so eng vernetzt zu sein. Für Myriam Suarez steht der Industrie jetzt ein ähnlicher Zeitenwechsel bevor: „In den Industrieanlagen der Zukunft werden alle Komponenten in Echtzeit miteinander kommunizieren.“ Das Stichwort lautet Industrie 4.0: die Digitale Transformation und Vernetzung der gesamten Industrie. Als Innovation Manager initiiert und koordiniert Suarez spannende Projekte in diesem Bereich. Doch bevor Innovationen entstehen können, muss sie zunächst die richtigen Leute finden und zusammenbringen.

Klimaschutz vom Keller bis zum Dach
Man könnte es fast übersehen: Das neue Gebäude der Deutsche Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück gibt sich auf den ersten Blick zurückhaltend. Die Form und Konturen folgen einem klaren Konzept. Ziel, Sinn und Zweck sind ein sparsamerer Umgang mit Ressourcen und Energie. Hinter dem Energiekonzept des Projekts steckt Markus Pfeil. Mit seinem Ingenieurbüro entwickelt er ganzheitliche Energielösungen für Bauten jeder Art. Das Ergebnis seiner Arbeit in Osnabrück: Mit 15 KWh/m2 (das entspricht 1,5 Liter Heizöl) wird nur noch ein Bruchteil der Heizenergie vergleichbarer Gebäude benötigt. Dank einer Reihe weiterer Maßnahmen wird sogar mehr Energie erzeugt als selbst verbraucht. Das Prinzip nennt sich Plusenergiehaus.

Bild: VDI / Fabian Stürtzvdi-ingenieurgeschichten_stuerz_702x363

Mit Sonnenlicht zu sauberem Wasser
Für uns in den Industrieländern ist hygienisiertes Wasser eine Selbstverständlichkeit, doch noch immer besitzen weltweit fast 800 Millionen Menschen keinen Zugang dazu. Besonders in ärmeren Ländern führt verunreinigtes Wasser noch heute zu Krankheiten oder gar zum Tod. So zum Beispiel auch in dem afrikanischen Staat Tansania. Um diesem Missstand ein Ende zu setzen, braucht es innovative Ideen. Claudia Süssemilch hat mit solch einer Idee bereits viel erreicht. Als Mitglied der Organisation Ingenieure ohne Grenzen, hat sie in Tansania eine Desinfektionsanlage errichtet, die Regenwasser und Wasser aus der kommunalen Versorgung speichert. Der Clou: zur Wasseraufbereitung wird einzig die Kraft der Sonne benötigt.

VDI-Ingenieurgeschichten_Suessemilch_702x363

philipp-busse-foto.256x256Autor: Philipp Busse
Position im VDI: Junior Pressereferent
Aufgaben im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation, Social Media

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*