Wir sind VDI / Dezember 2016

„Der VDI ist für mich eine Inspirationsquelle“

Barbara Gronauer ist erfolgreiche Geschäftsführerin eines Beratungsunternehmens und leitet seit 2015 die VDI Bezirksgruppe Fulda. Darüber hinaus ist sie als Vorsitzende des VDI-Fachausschusses „Digitaler Transformationsprozess in Unternehmen“ ganz nah dran am Megathema Digitalisierung. Warum sie sich so stark ehrenamtlich im VDI engagiert, hat sie uns im Interview verraten.

Frau Gronauer, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Ich bin Barbara Gronauer, Geschäftsführerin von StrategieInnovation – eine Strategieberatung für Produkt- und Organisationsentwicklung.

Bild: Horst Nählerbg-siSeit wann sind Sie im VDI und warum sind Sie damals eingetreten?
2011 hielt ich für den VDI in Hannover den Vortrag „Gelassen kreativ sein“ und war über das rege Interesse überrascht. 2013 wurde ich dann Mitglied im VDI, weil ich mir mehr Austausch mit in der Produktentwicklung tätigen Menschen wünschte. Zudem war ich gerade von Hannover nach Hünfeld bei Fulda umgezogen und wollte auf diese Weise in der neuen Umgebung Kontakte knüpfen.

Bild: Horst Nähler2016-07_vdi_gsi___tu_darmstadt-48_1_

Teilnehmer-Runde der Besichtigung des GSI Helmholtzzentrums

Seit 2015 organisiere ich nun als VDI Obfrau der Regionalgruppe Fulda regelmäßig Veranstaltungen mit Besichtigungen und Diskussionsrunden. Im nächsten Jahr wollen wir auch einen ersten Versuch in der Jugendarbeit starten.

Der Austausch mit den Teilnehmer/innen macht mir echt viel Spaß und ist immer wieder interessant und anregend. So haben wir kürzlich die Fa. DSSmith (Verpackungshersteller) besucht und kontrovers über Verpackungsmaterialien und Nachhaltigkeitskonzepte diskutiert. Davor waren wir auch schon gemeinsam in der effizienten Fabrik der TU Darmstadt und im GSI Helmholtzzentrum Darmstadt.

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Besuch der Effizienten Fabrik der TU Darmstadt

Auch einen Gas-Kavernenspeicher aus der Nähe kennenzulernen ist spannend und zuweilen probiere ich auch ein nicht-technisches Programm aus, wie z.B. den Besuch des Bio-Hotels in Dietershan und die Vorstellung eines TRIZ-Spiels (TRIZ ist das Ankronym für die Theorie des erfinderischen Problemlösens).

Welche Rolle spielt für Sie der VDI?
Der VDI ist für mich eine Informations- und Inspirationsquelle und eine tolle Plattform für gegenseitigen Austausch mit gleichgesinnten technikbegeisterten Menschen. Durch meine Berufung als TRIZ-Expertin in den Fachausschuss VDI-GPP FA320 Innovationsmethodiken habe ich die Richtlinienarbeit des VDI kennengelernt. Wir erarbeiten eine weltweit abgestimmte Richtlinie, die Interessierten die Anwendung der Methode erleichtert.
Es ist schon wirklich spannend zu sehen, mit welchen Themen sich der VDI beschäftigt. Zum Beispiel war ich verwundert über die Richtlinie zur Anleitung der Beteiligungsorientierung von technischen Vorhaben im öffentlichen Raum. Für mich als systemische Organisationsentwicklerin ist eine beteiligungsorientierte Arbeitsweise Alltag. Dass dafür eine Richtlinie notwendig sein könnte, hätte ich nicht erwartet.

Des Weiteren wurde mir durch die Mitarbeit im VDI bewusst, wie verschieden die Ingenieurbereiche und die damit verbundenen Unternehmenskulturen ausgeprägt sind.

Aktuell arbeite ich auch im Fachausschuss „Digitaler Transformationsprozess für Unternehmen“ an einer neuen Richtlinie mit. Wir wollen eine Handlungsempfehlung zur Neuausrichtung herausgeben, die insbesondere auf die Bedürfnislage der Zulieferbetriebe entlang der Wertschöpfungskette abzielt. Auch diese Diskussionen erlebe ich als sehr ergiebig und anregend. Ein toller Austausch mit anderen Expertinnen und Experten, der mir wirkliches Dazulernen ermöglicht.

Bild: Horst Nählerbg-si-2

Was wünschen Sie sich in Zukunft vom VDI?
Ich wünsche mir vom VDI mehr Impulse für Wandel und Aufbruchstimmung für die deutsche Wirtschaft. Die vergangenen Jahrzehnte haben uns gezeigt wie überaus erfolgreich die deutsche Wirtschaft sein kann. Doch aktuell passieren auf vielen Ebenen weitreichende Veränderungen.

Der digitale Transformationsprozess ist nur ein Aspekt dabei. Die asiatischen und chinesischen Unternehmen lernen dazu und übernehmen zunehmend selbst Entwicklungs- und Produktionsaufgaben. Diese Entwicklung wird ebenso Umwälzungen nach sich ziehen, wie die langsam kommende Nutzung neuer Antriebssysteme.

Neue Produktentwicklungen zeigen: die Berufsfelder wachsen zusammen und nur eine interdisziplinäre Produktentwicklung führt heute zum Erfolg. Daher wäre es toll, wenn sich auch im VDI die technokratische Kultur hin zu einer noch stärker kooperativen und agilen Zusammenarbeit veränderte. Auch könnten Themen wie die UN Nachhaltigkeitsziele und cradle to cradle Ansätze stärkere Beachtung finden.

Da der Fachkräftenachwuchs gesucht wird, könnte der VDI den weiblichen Nachwuchs aktiv ansprechen und vermehrt in seine Aktivitäten einbinden. Rein sprachlich hat sich das Leitbild verändert, in dem nun auch Ingenieurinnen explizit benannt sind. Doch so ein großer Verein wie der VDI könnte bei seinen Mitgliedern noch viel mehr positive Effekte erzielen, indem er seine Mitglieder – die in den Unternehmen tätigen Ingenieure – für eine aktive Integration der Frauen sensibilisiert. Auch auf diese Weise würde er wertvoll zum Kulturwandel in den Unternehmen beitragen. Der fehlende Nachwuchs müsste dabei nicht allein ausschlaggebend sein. Eine genderorientierte Produktentwicklung bietet neue Vermarktungschancen, die bei uns bisher noch wenig genutzt werden.

Um den eigenen Transformationsprozess erfolgreich fortzuführen, wünsche ich mir für den VDI eine weitergehende Öffnung für moderne partizipative Methoden und eine aktivere Nutzung des vielfach im Verein vorhandenen Know-hows für Kultur- und Organisationswandel. Denn mit den nachrückenden Generationen verändern sich auch die Bedürfnisse der Mitglieder, die auf neue Arten und Weisen berücksichtigt werden sollten.

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Wegener_DominikAutor: Dominik Wegener
Aufgabe im VDI: Kümmert sich um Maßnahmen der Mitgliederwerbung

 

 

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