VDI Wissensforum veröffentlicht neue Studie

Digitales Lernen ist noch nicht der Maßstab

E-Learning und andere Formen digitalen Lernens sind bei der Mehrheit deutscher Ingenieure inzwischen Standard geworden. Eine neue Studie des VDI Wissensforums unter Ingenieuren zeigt jedoch, dass sie noch nicht das Maß aller Dinge sind.

Bild: VDI Wissensforumdigitales-lernen

Auswirkungen der digitalen Transformation
Die digitale Transformation verändert unsere Kommunikation, unser Konsumverhalten, unser Privatleben aber auch Geschäftsmodelle, Produktionsweisen, Märkte und ganze Branchen. In immer kürzeren Abständen verändern technische Innovationen unser Arbeitsleben. Das beinhaltet zahlreiche Chancen aber auch Herausforderungen. Niemand will z.B. durch mangelnde Kenntnis des Neuen im beruflichen Wettbewerb zurückzufallen.

Der permanent lernende Mensch und Lernzwang
Um mit den technischen und wirtschaftlichen Veränderungen schritthalten zu können, wird stetiges Lernen immer notwendiger. Seit mehr als zehn Jahren scheint daher digitales Lernen eine attraktive und kostengünstige Möglichkeit zu sein, um sich Wissen in kurzer Zeit anzueignen. Das gilt auch für Ingenieure sowie technische Fach- und Führungskräfte. Immer schneller müssen sie technische Innovationen und Projekte realisieren. Die Themen werden nicht nur komplexer, sondern müssen wegen der fortschreitenden Digitalisierung häufiger aktualisiert werden. Digitale Lernangebote scheinen eine gute Lösung zu sein, schnell und flexibel Wissen zu erwerben. Aber eignen sie sich wirklich für alle Themen?

Digitales Lernen – Wie wird es genutzt?
Ingenieure und technische Fach- und Führungskräfte haben E-Learning für sich entdeckt. Sogar über die Hälfte (56%) aller Befragten der Studie gaben an, digitale Weiterbildungsformen zu nutzen. Trotzdem gilt E-Learning nicht als entscheidender Karrierebaustein oder gar Heilsbringer.

DIe Befragten, die E-Learning nutzen, haben folgende Formate genannt, mit denen sie sich weiterbilden: Drei Viertel haben als meistgenutzte Lernform sogenannte Webinare genannt. Hinzu kommen videobasierte Lernformen (42,2%). Fast jeder fünfte nutzt Lern-CDs. 12 Prozent halten sich in virtuellen Klassenräume auf und 8 Prozent in digitalen Vorlesungen, sogenannte Massive Open Online Courses (MOOC).

Bild: VDI Wissensforumnutzung-modelle-digitalen-lernens

Vorteile des E-Learnings
Die Vorteile des Digitalen liegen für eine große Mehrheit (84,1%) vor allem in der Flexibilität. E-Learning ist nicht an fixe Zeiten und Orte gebunden. Die Mehrheit empfindet es als positiv, dass weder Reise- noch Übernachtungsaufwand entstehen (56,3%).

Grenzen digitalen Lernens
Eine detaillierte Untersuchung hat gezeigt, dass Unternehmen folgende Themenbereiche mit E-Learning abdecken: Software (43,3%), Rechtsthemen (31,8%), Soft Skills und Führungsthemen (27,5%), konventionelle technische Themen (23,1%).

Das „Kerngeschäft“ der Ingenieure spielt also beim digitalen Lernen nur eine eher geringe Rolle. Der Grund: Besonders häufig kritisierten Ingenieure, dass sie dabei keine Möglichkeit haben, Fragen zu stellen (82,2%). Besonders wichtig wäre ihnen dabei eben auch der zwischenmenschliche Austausch, der digital nicht möglich ist, dieser Ansicht sind 78,3 Prozent. Es fehlt schlicht an Feedback von Referenten und anderen Teilnehmern.

Dabei spielt die Materie an sich eine entscheidende Rolle. Während sich faktisches Wissen sehr gut über digitale Lernformen vermitteln lässt, finden diese ihre Grenzen, wenn es um die Vermittlung methodischen Wissens geht. Hier bevorzugen die Befragten Präsenzveranstaltungen.

Darüber hinaus schwankt die Qualität der digitalen Angebote stark. Mitunter sind laut den Befragten nicht alle Inhalte fachlich korrekt, aktuell, vollständig und umfassend dargestellt. Zudem erwarten die Ingenieure in den Referenten ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet mit langjährigen Erfahrungen und entsprechendem didaktischen Wissen. Auch mangelt es im digitalen Bereich oft an Neutralität in der Lehre, da z.B. Unternehmen eigene Webinare anbieten und dabei einzig ihre Produkte und Leistungen anpreisen.

Zusammenfassung

  • Lernen am Bildschirm und digitale Lernformen sind bei mehr als der Hälfte aller befragten Ingenieure bereits Standard und nehmen stetig zu.
  • Dabei sind Webinare die meist genutzte Lernform.
  • Dennoch schwankt die Qualität der Angebote stark und die Neutralität der Inhalte ist nicht immer gewährleistet.
  • Trotz der hohen zeitlichen und örtlichen Flexibilität, die E-Learning ermöglicht, fehlt es Ingenieuren insbesondere an Interaktionsmöglichkeiten. Aber gerade die sind ein ganz entscheidender Faktor bei dem Erwerb, komplexen methodischen Fachwissens der Technik.
  • E-Learning könnte in Zukunft auch hier wichtiger werden, aber zuvor muss das grundlegende Interaktionsproblem gelöst werden.

Über die Studie
Das VDI Wissensforum ließ untersuchen, wie sich das Nutzungsverhaltens von digitalen Lernformen für Ingenieure sowie für technische Fach- und Führungskräfte entwickelt.

Zur Erhebung der Daten wurden zunächst 60 qualitative Telefoninterviews mit Ingenieuren aus verschiedenen Branchen geführt, darunter die Automobilindustrie und der Maschinen- und Anlagenbau. Im Anschluss wurden rund 400 Ingenieure mit Hilfe eines Fragebogens online befragt.

VDI-Jahresthema 2017: „SMART GERMANY. Arbeit in der Digitalen Transformation“
Unser Schwerpunktjahr der „Digitalen Transformation“ neigt sich dem Ende. Mit dem diesjährigen VDI-Adventskalender „24 Ingenieurberufe in der Digitalen Transformation“ wollen wir bereits frühzeitig unser VDI-Jahresthema 2017 einläuten: Unter dem Motto „SMART GERMANY. Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im kommenden Jahr der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur das Berufsbild „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Euch außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge in unserem VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl natürlich auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0

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Bild: privattomas-frohnAutor: Thomas Frohn
Position im VDI Wissensforum:Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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