VDI-Adventskalender 2016 / Tag 24

Ingenieur für Brauwesen und der Getränketechnologie

Ingenieurwesen und Bier – klingt erst einmal weit voneinander entfernt. Ist es aber nicht. Warum? Weil es beim Brauen von Bier nicht nur auf die Einhaltung der seit dem Jahr 1516 für Deutschland gültige Verordnung zum Reinheitsgebot ankommt, sondern auch auf die maschinelle und industrielle Getränkeproduktion dahinter. Im Rahmen unseres VDI-Adventskalenders schauen wir uns den Beruf genauer an und zeigen, welche Aufgaben ein Ingenieur im Brauwesen übernimmt. Irgendwer muss ja schließlich dafür sorgen, dass Deutschland auch weiterhin einen Bierausstoß von rund 96 Millionen Hektoliter hat und damit die Biernation in Europa, vielleicht auch in der Welt ist. Zu gewinnen gibt es natürlich auch etwas.

Bild: DBB/istock: g-stockstudio161116_vdi_ww_adventskalender_702x363_brau

Was macht ein Ingenieur in der Brau- und Getränketechnologie?
In allen Bereichen einer Brauerei oder einer Getränkefabrik können Ingenieure dieser Fachrichtung eingesetzt werden. Dabei kommen natürlich auch Aufgaben aus den unterschiedlichsten Feldern auf die Ingenieure zu. Rohstoffeinkauf, Überwachung, Rezepturen kontrollieren oder verbessern oder der Vertrieb. Allein in Deutschland gibt es mehr als 1.300 Brauereien. Hinzu kommen Mälzereien, Abfüller von Wässern sowie Hersteller von Säften und alkoholfreien Erfrischungsgetränken.
„Der meisten Brauingenieure kommen heute eher in der Maschinenbauindustrie und nicht unbedingt in Brauereien unter. Die Firmen sind Hersteller für Sudhäuser, Abfüllmaschinen, Malzmühlen, Filter etc. Darüber hinaus sind Brauingenieure in Mälzereien und Hopfenverarbeitungsbetrieben und –Handelshäusern gefragt. Viele Brauingenieure arbeiten aber auch abseits der eigentlichen Branche in der Pharmabranche oder gar im Patentamt“, erklärt Marc-Oliver Huhnholz, Pressesprecher des Deutschen Brauer-Bund in Berlin.

Wie wird man Ingenieur in der Brau- und Getränketechnologie?
Das Studium sieht unterschiedliche Themenbereiche vor. Biochemie und Mikrobiologie, aber auch verfahrenstechnische und klassische ingenieurwissenschaftliche Inhalte. Dabei können Seminare und Vorlesungen zur organischen und anorganischen Chemie aber auch Energie-, Impuls- und Stofftransport an der Tagesordnung sein. Im Hauptstudium stehen Mälzerei- und Brauereitechnologie, Bio- und Brauprozesstechnik, Molekularanalytik und Genetik für Brauwesen, Betriebskontrolle, Apparate- und Rechnungswesen sowie Energie- und Kältetechnik auf dem Plan. Während mehrmonatiger Industriepraktika erhält man Einblicke in die Arbeit in Brauereien oder bei großen Getränkeherstellern. Sollte vor dem Studium eine Lehre als Brauer –und Mälzer abgeschlossen worden sein, dann ist im Studium kein Praktikum notwendig. Übrigens: Seit Einführung des Bologna-Prozesses gibt es den klassischen Brauingenieur in der Form nicht mehr. Im Studium der Brau- und Getränketechnologie wird der Abschluss als Bachelor oder weiterführend als Master angestrebt. Lediglich am weltbekannten Studienstandort Weihenstephan der Technischen Universität München kann anstatt des Masters der Ingenieurstitel verliehen werden.

Was macht ein Ingenieur der Brau- und Getränketechnologie bei Schneider Weisse?
Fragen wir jemanden, der sich damit auskennt: Hans-Peter Drexler stieg nach seinem Studium 1982 beim Familienunternehmen aus Bayern ein. Seit 1990 ist er Braumeister und seit 2011 Geschäftsführer Technik/Logistik bei Schneider Weisse. „ Als ich vor über dreißig Jahren angefangen habe, da hatten wir zwei Sorten im Angebot. Eine macht 95 Prozent der Produktion aus, die andere 5 Prozent und beide waren in 0,5-Liter-Flaschen abgefüllt und eingelagert. Heute haben wir elf Sorten, 200 Artikel und zig verschiedene Verpackungen. 25 Prozent unserer Biere exportieren wir weltweit, wobei wir Vorschriften für jedes Land berücksichtigen müssen“, beschreibt Hans-Peter Drexler die Veränderungen der letzten Jahrzehnte.

Die Berücksichtigung der Kundenwünsche würde heutzutage immer wichtiger – nicht nur bei Produktion und Logistik, sondern auch bei neuen Ideen fürs Bier. „Wenn wir ein neues Bier kreieren wollen, fragen wir vorher unsere Kunden nach Wünschen, lassen aber auch immer unsere Ideen einfließen. Unser Weizenbier ist ein traditionelles Bier, das man aber trotzdem immer wieder neu interpretieren kann. Ich denke da, wie jeder technisch begeisterte Mensch: Alles einmal auseinandernehmen und wieder neu zusammensetzen. Bei einer neuen Bieridee gebe ich die Rezeptur vor und es wird eine Art Pilotbier entwickelt. Von Beginn an sind auch Kollegen aus der Produktion und des Vertriebs bis hin zum Marketings dabei, denn schließlich will das neue Bier auch einen eigenen Namen und eine individuelle Verpackung haben.“

Auf das sehr deutsche Thema Reinheitsgebot angesprochen, betont Hans-Peter Drexler das Kunden sich darauf verlassen wollen, es sei eine Art Versprechen an den Konsumenten und das seit Jahrhunderten. Der hohe Standard soll auch in Zukunft gelten. Die Brauexperten bei Schneider Weisse werden sich auch weiterhin der Herausforderung stellen und keine weiteren Zusätze zu Hopfen, Malz und Wasser zugeben. Wir beobachten aber natürlich die aktuellen Trends in der Brauszene, international und in Deutschland.“

Wie verändert sich der Beruf in der Digitalisierung?
„Das Berufsbild des Brauers und Mälzers unterlag im Laufe der Jahrhunderte schon immer einem Wandel. Wenngleich das Handwerk im wahrsten Sinne wichtige Grundlage für die Tätigkeit in der Brauerei und somit für die Verbindung von Tradition, Qualität und für Vielfalt steht, trägt die Digitalisierung im Alltag einen wesentlichen Teil zum Berufsbild bei“, weiß Marc-Oliver Huhnholz. „So werden heute und in Zukunft zunehmend tiefere Kenntnisse und Fertigkeiten in Steuerung- und Automatisationsprozessen gefragt sein. Zudem löst die automatische Überwachung der Produktionsprozesse die manuelle Kontrolle in den derzeit 1.388 Brauereien in Deutschland ab. Da mit der Erweiterung der Vielfalt auf rund 6.000 verschiedene deutsche Biermarken, rund 40 Biersorten, vielen unterschiedlichen Verpackungsformen und Vertriebskanälen entsprechend tiefergehende Warenwirtschaftssysteme das Maß aller Dinge geworden sind, verändern sich zunehmend die Verfahrens- und Fertigungsabläufe von der Warenbeschaffung bis zum Abtransport. Sie alle werden mehr und mehr digitalisiert – mit Auswirkungen auf alle Arbeitsplätze in den Brauereien.“

Auch Hans-Peter Drexler beschäftigt sich mit der zunehmenden Digitalisierung. „Einerseits bin ich physisch immer weiter weg vom Bier, aber die Verfahrenstechnik wird anderseits auch immer besser. Aus technischer Sicht und als Ingenieur macht es mir großen Spaß das zu sehen und mit zu verfolgen. Die verschiedenen Welten schmelzen bei uns zusammen. Es gibt nicht mehr nur diesen und jenen Bereich, sondern Produktion, Vertrieb, die betriebswirtschaftliche Seite und das Marketing vernetzen sich, so können wir den Kundenwünschen viel schneller und expliziter gerecht werden.“

+++Geschenke, Geschenke, Geschenke+++
Bild: Deutscher Brauer-Bund e.V.beispiel_t-shirtZur heutigen Frage aus unserem VDI-Adventskalender verlosen wir zwei T-Shirts vom Deutschen Brauer-Bund und eine Überraschung von der Familienbrauerei Schneider Weisse. Beantwortet uns bis heute Abend um 23:59 Uhr als Kommentar zu diesem Beitrag hier im Blog oder auf unserer Facebook-, Twitter-, Google Plus– oder LinkedIn-Seite folgende Frage: Welche drei Gaben brachte die Weisen aus dem Morgenland mit? Hashtag #vdiww nicht vergessen! Unter allen, die mitmachen, verlosen wir das Business-Set. Achtung: Aufgrund der Feiertage geben wir die Gewinner erst Anfang Januar 2017 bekannt. Viel Glück! Teilnahmebedingungen findet Ihr unter www.vdi.de/teilnahmebedingungen.

VDI-Jahresthema 2017: „SMART GERMANY. Arbeit in der Digitalen Transformation“
Unser Schwerpunktjahr der „Digitalen Transformation“ neigt sich dem Ende. Mit dem diesjährigen VDI-Adventskalender „24 Ingenieurberufe in der Digitalen Transformation“ wollen wir bereits frühzeitig unser VDI-Jahresthema 2017 einläuten: Unter dem Motto „SMART GERMANY. Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im kommenden Jahr der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur das Berufsbild „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Euch außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge in unserem VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl natürlich auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0

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becker_cathrin_blogAutorin: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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