Arbeit in der Digitalen Transformation

Statusreport „Arbeitswelt Industrie 4.0″

Gemeinsam mit dem VDE haben wir im VDI im Fachausschuss „Arbeitswelt Industrie 4.0“ einen Statusreport erarbeitet, der den aktuellen Diskussionsstand zur Arbeit in der Digitalen Transformation aus Sicht von Arbeitswissenschaftlern und Ingenieuren widergibt.

Im Statusreport steht Folgendes:
Zunächst einmal wird definiert, was grundsätzlich unter dem Begriff „Arbeit“ zu verstehen ist. Zur genauen Definition und Abgrenzung des Arbeitsbegriffs haben die Kollegen das „Beschreibungsmodell Arbeit“ des Fraunhofer IAO herangezogen. Arbeit, deren Veränderung wir unter dem Einfluss der Digitalisierung untersuchen, umfasst demnach folgende Dimensionen:

  • Arbeitsziel
  • Arbeitstätigkeit
  • Arbeitsort
  • Arbeitsmittel
  • Organisation
  • Qualifizierung
  • Beschäftigung
  • Führung
  • Mensch

Diese Aspekte von Arbeit werden im Statusreport zunächst definiert und dann hinsichtlich ihrer Veränderung in der digitalen Ökonomie aufgeschlüsselt. Vorab: Um genau prognostizieren zu können, wie Menschen in 10, 20 oder gar 50 Jahren arbeiten werden, bedürfte es eines Blicks in die Glaskugel. Niemand vermag aktuell vorherzusagen, wie die Arbeitswelt der Zukunft aussieht. Daher basieren jegliche Aussagen auch in unserem Statusreport auf Trends, die sich bereits jetzt abzeichnen oder technologisch mach- und daher denkbar sind.

Bild: Thomas Ernsting / LAIFProduktion_Roboterar_Mann

Wie entwickelt sich unsere Arbeitstätigkeit?
Ein wichtiger Aspekt für jeden von uns ist die Arbeitstätigkeit: Schon jetzt beobachten wir die zunehmende Automatisierung manueller Routinetätigkeiten und die Digitalisierung kognitiver Routinetätigkeiten. Alles, was Menschen routinemäßig erledigen können, kann theoretisch – so es kostengünstiger ist – automatisiert oder digitalisiert werden. Sofern im Bereich der künstlichen Intelligenz und bei autonomen Systemen (v.a. im Bereich Mobilität) weitere technologische Fortschritte erzielt werden, ist auch denkbar, dass sogar Nicht-Routinetätigkeiten automatisiert oder digitalisiert werden. Lange war man überzeugt, diese blieben auch in Zukunft rein menschliche Domäne und seien folglich nicht substituierbar.

statusreport_i40

Wo werden wir künftig arbeiten?
Interessant auch die Frage nach dem Arbeitsort. Werden wir künftig noch allmorgendlich den Weg ins Büro antreten oder ist die Präsenzkultur ein Auslaufmodell? Sicher ist, dass die Gestaltung ortsflexibler Arbeit an Bedeutung gewinnt. Eines der wesentlichen Merkmale digitaler Vernetzung, ist dass die räumliche Bindung von Arbeitstätigkeit und Arbeitsplatz zunehmend aufgehoben wird. Der Anteil mobiler Arbeit wird kontinuierlich weiter ansteigen, der Arbeitsort „Büro“ vermutlich irgendwann ein Relikt längst vergangener Zeiten sein. Diese Entwicklung gilt jedoch nicht für manuell oder assistiert ausgeführte Tätigkeiten, die entsprechende Werkstücke, Komponenten und Betriebsmittel erfordern, wie z.B. in der Montage. Für die klassische Bürotätigkeit aber gibt es E-Mail, Telefon- und Videokonferenzen, Webseminare, die Arbeit in der Cloud usw. (wahrscheinlich ist diese Aufzählung in ein paar Jahrzehnten schon wieder überholt).

Müssen wir uns für die Digitalisierung immer höher und besser qualifizieren?
Schlussendlich – ein weiterer wichtiger Faktor ist die Qualifizierung. Sie nimmt im Kontext der Veränderungen durch Automatisierung und Digitalisierung eine Schlüsselstellung ein. Hier sind zwei mögliche Szenarien denkbar: Entweder kommt es im sogenannten „Polarisierungsszenario“ zu einer Erosion mittlerer Qualifizierungen, weil manuelle, aber auch kognitive Routinetätigkeiten zwecks Produktivitätsgewinne zunehmend automatisiert und digitalisiert werden. Die mittlere Qualifikationsebene würde demnach schrittweise nahezu in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Oder aber wir erleben ein durchgängiges „Upgrading“ des Qualifikationsniveaus über alle Stufen hinweg. Letzteres Szenario erscheint den Kollegen laut Statusreport das für den Hochlohnstandort Deutschland am wahrscheinlichsten. Es würde bedeuten, dass die Qualifikationsanforderungen für praktisch alle Beschäftigten (auch die bislang sogenannten Geringqualifizierten) steigen werden.
Nachdem alle Dimensionen von Arbeit im Hinblick auf ihre vermutlichen Veränderungen durchdekliniert wurden, empfiehlt der Statusreport 12 Maßnahmen zur erfolgreichen Nutzung digitaler Chancen. Dazu zählen u.a. leistungsfähige Infrastrukturen, Erwerb digitaler Qualifikationen auf allen Ebenen, prospektive Folgenabschätzung der Digitalisierung für Beschäftigte, neue Rahmenbedingungen für innoative Arbeitszeitmodelle, Innovationsförderung für KMU und Stärkung der Gründerkultur.

Der Statusreport schließt ab mit konkreten Anwendungsbeispielen aus der Industrie 4-0-induzierten Praxis („Use Cases“), so etwa den Einsatz von Wearables in der Logistik oder die Gestaltung von Mensch-Maschine-Systemen für die flexible Produktion.
Sie können unseren Statusreport hier runterladen.

SMART GERMANY. Arbeit in der Digitalen Transformation
Unter dem Motto „SMART GERMANY. Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im kommenden Jahr der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur das Berufsbild „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Euch außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge in unserem VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl natürlich auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0.

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI: Referentin politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

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