VDI-Adventskalender 2016 / Tag 17

Textil- und Bekleidungsingenieur

Jeder kennt den roten Mantel vom Weihnachtsmann. Der flauschige Mantel passt sich seinem Plätzchenbauch an, gleitet ihn sanft durch den Kamin und wärmt ihn bei Frost und Schnee. Doch wer hätte gedacht, dass selbst hier eine gewisse Technik dahintersteckt? Solche hochwertige Spezialkleidung und High-Tech-Stoffe entstehen in der Textil- und Bekleidungstechnik. In unserem VDI-Adventskalender schauen wir uns den Beruf des Textil- und Bekleidungsingenieurs genauer an und zeigen, welche Aufgaben er z.B. bei einem Prüfdienstleister übernimmt. Etwas zu gewinnen gibt es natürlich auch.

Bild: Thomas Ernsting/ LAIFtextilingenieur_702x363

Textilingenieure und-Ingenieurinnen bereiten Naturfasern auf und erzeugen Chemiefasern. Sie kümmern sich um die Produktion von Garnen und Stoffen. Textilien herstellen, veredeln, beschichten und färben, gehört zu ihrem Arbeitsalltag. Sie arbeiten in der Textilchemie oder auch bei Maschinenherstellern für die Textilindustrie. Sie optimieren Arbeitsmethoden, Fertigungsverfahren sowie Maschinentechnologien und lösen technische Probleme bei der industriellen Fertigung.

Bekleidungsingenieure und-Ingenieurinnen befassen sich mit der Weiterverarbeitung der Textilflächen zu Damen-, Herren-, Kinderbekleidung und Wäsche. Sie sind besonders stark in den kreativen Prozess involviert, beispielsweise beim Konstruieren und Designen von Oberflächen und Materialien. Sie entwerfen Modelle und erstellen Schnittkonstruktionen. Sie arbeiten z.B. in der Bekleidungsindustrie oder in Ateliers für Textildesign.

Entwerfen, fertigen, vermarkten. Textil- und Bekleidungsingenieure gestalten und steuern den gesamten Prozess. Doch sie beteiligen sich nicht nur an der Konstruktion von Garnen oder Pullovern. Buntgemischte Arbeitsfelder warten auf kreative Köpfe.

Wie werde ich Textil- und Bekleidungsingenieur/in?
In Deutschland gibt es 13 spezielle Studiengänge, die sich mit Bekleidung, Technik und Management befassen. Die Studierenden bekommen neben den technischen Grundlagen der Textil- und Kleidungsproduktion auch chemisch-physikalische Wissensbausteine vermittelt. Diese brauchen sie, um die Materialienvielfalt analysieren und bewerten zu können. Auch betriebswirtschaftliche Kompetenzen werden vermittelt. Das Studium überschneidet sich auch mit dem Werkstoff- oder Kunststoff-Ingenieurwesen und den Bereichen Gestaltung/Design und Textilchemie.

Außerdem können auch Wirtschaftsingenieure oder Maschinenbauingenieure an einigen Universitäten den Schwerpunkt Textiltechnik bzw. Bekleidungstechnik wählen.

Auf dem Arbeitsmarkt haben Ingenieure in der Textil- und Bekleidungsbranche gute Chancen. Es gibt verhältnismäßig wenig Absolventen, aber eine große Nachfrage. Viele Unternehmen produzieren zwar im Ausland, aber das Headquarter ist weiterhin in der Industrienation Deutschland. Offene Stellen gibt es besonders in der Forschung und Entwicklung. Aber Absolventen können sich aufgrund der Branchenvielfalt häufig ein bestimmtes Arbeitsfeld aussuchen.

Was macht ein Textilingenieur beim TÜV Rheinland?
Beim TÜV Rheinland prüfen Textilingenieure Produkte für die persönliche Schutzausrüstung wie Sicherheitsschuhe und Helme. Insbesondere im beruflichen Umfeld von Sicherheitskleidung also Feuerwehr und Polizei müssen die Textilien bestimmte Anforderungen erfüllen. Aber auch die Bekleidung von Sportlern muss einiges aushalten können: Reißen, Schwitzen und manchmal beißen, wie ein Fußballtrikot erfahren muss. Der TÜV Rheinland führt in einem Labor in Leipzig Qualitätstests durch. Ein Trikot muss in solchen Test eine Reisprobe durchstehen, darf weder abfärben oder beim Waschen einlaufen, noch schädliche Substanzen enthalten.

Wie verändert sich der Beruf in der Digitalisierung?
Nach wie vor ist die manuelle Zerkleinerung mit Scheren die beste Methode, ein Trikot in so kleine Teile zu zerlegen, dass man evtl. enthaltene Schadstoffe zuverlässig extrahieren und analysieren kann. Aber vernetzte Maschinen und Produkte leisten zunehmend ihren Beitrag für den Textilingenieur.

„Beim TÜV Rheinland arbeiten wir schon seit einiger Zeit mit vernetzten Maschinen. Nachdem die Trikots in kleinste Teile zerschnitten wurden, müssen sie eingewogen werden. Früher wurde das Gewicht mit der Hand in unser Labor-Informations und -managementsystem (LIMS) eingetragen. Heute übertragen das die Waagen online an LIMS. Fehler werden so minimiert“, erklärt TÜV Rheinland-Textilexperte Andreas Metzger. Das ist aber noch lange nicht alles. Nachdem die Laborexperten das Ergebnis auf Plausibilität überprüft haben, übertragen die Analysengeräte, z.B. Gaschromatographen, die Messwerte ebenfalls online an LIMS. Anschließend entnehmen die Sachverständigen alle Ergebnisse online aus dem System und stellen sie zu einem Prüfbericht zusammen. Er wird mit Hilfe von LIMS auch generiert.

Bild: TÜV Rheinlandtextilingenieur „Natürlich ändert sich das Profil des Textilingenieurs auch wegen der Digitalisierung der Produkte. Man denke nur an Smart-Textiles“, so Andreas Metzger. Das sind Textilien bzw. Bekleidungsteile mit integrierten Funktionen, wie leuchtenden Applikationen. Oder mit elektrisch betriebenen Heizelementen, deren Akkus über Solarzellen aufgeladen werden können. Smart Textilien können auch Sensoren beinhalten, die bestimmte Körperfunktionen erfassen und bei Bedarf an Notfallzentralen melden. Die erforderlichen Leitungsbahnen kann man heutzutage aufsticken oder mit Hilfe des Digitaldruckes mit leitfähigen Druckfarben bzw. -substanzen aufdrucken.

Zudem treiben auch neue Faserstoffe, Materialien und Herstellungstechnologien die Digitalisierung voran. „Stents für Herzpatienten werden aus körperverträglichen High-Tech-Materialien als 3D-Maschenware produziert und es wird nicht mehr lange dauern und man wird sie serienmäßig 3D drucken“, meint der Textilexperte. In vielen Bereichen, wie z.B. der Luftfahrt, geht es um Gewichtseinsparungen. Daher gewinnt faserverstärkter Kunststoff an Bedeutung.  So besteht ein neues Flugzeug zu mehr als 50 Prozent aus textilen Materialien. Doch nicht nur in Sitzbezügen und Bodenbelägen verbirgt sich das Material, sondern auch in Teilen der Tragefläche und der Turbinen.
Der Textilingenieur von heute und erst recht der von morgen muss also nicht nur fit in den klassischen Textildisziplinen ein, sondern auch auf vielen anderen Gebieten wie Werkstofftechnik, Elektrotechnik und Elektronik, Elektromagnetische Verträglichkeit, Datenübertragung und -sicherheit und vielem mehr.

+++Geschenke, Geschenke, Geschenke+++
Bild: VDItextilingenieur_verlosungZur heutigen Frage aus unserem VDI-Adventskalender verlosen wir fünf Mess-Sets, bestehend aus einem Mini-Zollstock und einer Mini-Wasserwage – nicht nur für die Vermessung in der Bekleidungstechnik anwendbar. Der Zollstock und die Wasserwage können als Schlüßelanhänger verwendet werden und sind somit immer griffbereit. Beantwortet uns bis heute Abend um 23:59 Uhr als Kommentar zu diesem Beitrag hier im Blog oder auf unserer Facebook-, Twitter-, Google Plus– oder LinkedIn-Seite folgende Frage: In welchen Produkten stecken High-Tech-Textilien? Nenne 3 Beispiele. Hashtag #vdiww nicht vergessen! Unter allen, die mitmachen, verlosen wir ein Mess-Set! Teilnahmebedingungen findet Ihr unter www.vdi.de/teilnahmebedingungen.

Unser Schwerpunktjahr der „Digitalen Transformation“ neigt sich dem Ende. Mit dem diesjährigen VDI-Adventskalender „24 Ingenieurberufe in der Digitalen Transformation“ wollen wir bereits frühzeitig unser VDI-Jahresthema 2017 einläuten: Unter dem Motto „SMART GERMANY. Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im kommenden Jahr der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur das Berufsbild „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Euch außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge in unserem VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl natürlich auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0

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Autorin: Andrea Kreitsch
Position beim VDI: Presse-Volontärin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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11 Gedanken zu “Textil- und Bekleidungsingenieur

  1. #vdiww
    – Bekleidungsteile mit integrierten Funktionen (leuchtende Applikationen, elektrisch betriebene Heizelementen)
    – Smart Textilien mit Sensoren zur Erfassung von Körperfunktionen
    – Stents für Herzpatienten
    – Flugzeugkomponenten (Sitzbezüge, Bodenbeläge, in Teilen der Tragefläche und der Turbinen)

  2. #vdiww

    Intelligente-Kleidung (Skijacken mit eingebautem Navigationsgerät, Reiterwesten mit Airbags oder Jogging-Anzüge, die Atmung und den Blutdruck überwachen),
    Flugzeuge (Sitzbezügen, Bodenbelägen, in Teilen der Tragefläche und der Turbinen),
    Markennamen für Funktionstextilien (Gore-Tex und Sympatex)

  3. Fahrrad- Bekleidung (mit Beleuchtung Elementen-Visibilität); Fahrrad-Helm (mit Airbag-Sicherheit) Motorsägen-Hose (mit Fasern-Sicherheit); Wanderschuhe (mit GoroTex-Wasserdicht). Skijacke (mit Tracker-System-GPS) Handschuhe (mit Touchscreens-Tex-Hi-tech) #vdiww

    • „Stents für Herzpatienten“ auch und

      „…Flugzeug …nicht nur in Sitzbezügen und Bodenbelägen verbirgt sich das Material, sondern auch in Teilen der Tragefläche und der Turbinen.“

      „Smart Textilien können auch Sensoren beinhalten, …Körperfunktionen erfassen und bei Bedarf an Notfallzentralen melden“

      (siehe Artikel)

      #vdiww

  4. Drei Beispiele für Produkte mit High-Tech-Textilien:
    – Flugzeugkomponenten, wie z.B. in Teilen der Tragefläche und der Turbinen
    – Smart Textilien mit integrierten Funktionen (leuchtende Applikationen, elektrisch betriebene Heizelementen) und mit Sensoren zur Erfassung von „Körperfunktionen“
    – Stents für Herzpatienten

    #vdiww

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