Schau genau beim Häuslebau

Die gängigsten Heizsysteme fürs Eigenheim

Die Anforderungen an moderne Heizsysteme sind so unterschiedlich wie die Angebote selbst. Neben den Wünschen des Hauseigentümers sind vor allem die Kosten, der Energiebedarf und das Heizverhalten der Nutzer ausschlaggebend bei der Auswahl. Wir stellen die beliebtesten Heizsysteme vor.Bild: wang song_gualtiero boffi / VDIrichtlinie-vdi-heizsysteme_fuer_haeuslebauer-t2_702x363

Wer heute ein Haus baut, hat viele Möglichkeiten, die späteren Energiekosten für Heizung und Warmwasseraufbereitung gering zu halten. Von gut isolierten Fenstern über eine optimal gedämmte Fassade bis hin zum Heizsystem selbst. Welches davon am energieeffizientesten und am wirtschaftlichen ist, lässt sich pauschal nicht sagen, denn sowohl Immobilie als auch Heizgewohnheiten sind individuell. Auch wenn von vornherein klar ist, dass das Heizen umweltfreundlich geschehen soll, so muss zuerst der zu erwartende Energiebedarf dafür ermittelt werden, um anschließend die heiztechnischen Systeme hinsichtlich Wirkungsgrad, Investitions- und Betriebskosten miteinander vergleichen zu können. Für die Ermittlung des Energiebedarfs stehen die Richtlinienreihen VDI 2067 und VDI 6012 zur Verfügung.

Abhängig von den verwendeten Baumaterialien, der Grundstücksfläche und -lage, dem verfügbaren Platz für eine eventuelle Lagerung des Brennstoffs und natürlich dem Lebensstil der Bewohner, kommen hier sowohl Öl-, Gas- und Pelletheizungen oder Wärmepumpen infrage. Auch Mikro-Blockheizkraftwerke sind eine Option.

Heizen mit Öl, Gas und Holzpellets
Mit Wirkungsgraden von fast 100 Prozent sind moderne Öl- und Gas-Brennwertkessel besonders energieeffizient, denn sie nutzen die bei der Verbrennung entstehende und bei der Kondensation des Wasserdampfs freigesetzte Wärme. Im Gegensatz zu Standardkessel stoßen Brennwertkessel weniger CO2, Schadstoffe und Feinstaub aus. Zudem sind sie leicht zu bedienen und relativ wartungsarm.

Nahezu CO2-neutral verbrennen Holzpellets. Die 1 bis 3 cm langen, zylinderförmigen Presslinge bestehen aus Restholz wie Sägemehl, Hobelspänen oder Waldrestholz und besitzen aufgrund der Pressung eine große Energiedichte. Je nach Bedarf befüllt ein Tankwagen den separat gelegenen Lagerbehälter, von dem aus die Holzpellets per Förderschnecke oder Saugsystem in den Kessel transportiert und schließlich verbrannt werden. Erhältlich sind Pelletkessel, die als Zentralheizungsanlage für die komplette Immobilie dienen können, oder Pelletkaminöfen, die in der Regel nur einen einzelnen Raum beheizen. Aber egal ob Kessel oder Kamin – die Pellets müssen richtig gelagert werden! Nicht nur, damit es während der Lagerung nicht zu Qualitätsverlusten kommt. Vor allem, damit durch das von ihnen freigesetzte CO keine Gefahr für die Bewohner ausgeht. Welche Möglichkeiten der Lagerung es nach der VDI 3464 gibt und mit welchen Maßnahmen sich Emissionen vermindern lassen, haben wir hier schon einmal ausführlich erklärt. Weitere Informationen zum Heizen mit Holzpellets hält auch dieser VDI-Verbrauchertipp bereit.

Von Luft und Wasser lebt die Wärmepumpe
Eine andere Möglichkeit, mit natürlichen Ressourcen zu heizen, bietet die Wärmepumpe. Sie nutzt die im Erdreich, im Grundwasser oder in der Luft gespeicherte Umweltwärme und wandelt sie sehr effizient in Heizwärme um. Je nach Wärmequelle gewinnen Wärmepumpen mit gerade mal 1 kWh elektrischer Energie ein Mehrfaches an kostenloser Wärme und decken damit in einem gut wärmegedämmten Neubau bis zu 80 Prozent des Heizwärmebedarfs. Man unterscheidet zwischen Luft-Wasser-Wärmepumpen, Sole-Wasser-Wärmepumpen und Wasser-Wasser-Wärmepumpen. Das Heizen mit Wärmepumpe funktioniert wie bei jedem zentralen Heizsystem über Heizkörper oder eine Flächenheizung. Je geringer allerdings der Unterschied zwischen der Umwelttemperatur und der für die Raumheizung erforderlichen Vorlauftemperatur ist, desto weniger muss die Wärmepumpe arbeiten. Es ist sinnvoll, die Wärmepumpe in Kombination mit einer Fußbodenheizung zu nutzen, da sie durch die große Fläche mehr Wärme übertragen kann und geringere Vorlauftemperaturen benötigt.

Damit die Heizleistung der Wärmepumpe, die sich obendrein durch geringen Wartungsaufwand und geringe Betriebskosten auszeichnet, bestmöglich genutzt werden kann, muss das gesamte Heizsystem optimal geplant und vor allem dimensioniert werden. Eine wertvolle Hilfe bietet hier die VDI 4645. Sie enthält nicht nur eine tabellarische Übersicht über die wichtigsten, an der Planung, diversen Genehmigungen und der Errichtung einer Wärmepumpenanlage beteiligten Institutionen und Fachfirmen/Gewerke. Ausführlich widmet sie sich auch der Grundlagenermittlung – von der Bestandsaufnahme bis zur Angebotserstellung – sowie der Detailplanung der Komponenten und der Gesamtanlage. In den zahlreichen Anhängen sind sowohl Auslegungsbeispiele für Flächenheizsystem und Heizkörpersystem als auch zu hydraulischen Schaltungen zu finden. Denn auch hier ist ein hydraulischer Abgleich ein Muss. Auf was bei der Auswahl einer Wärmepumpe bezüglich örtlicher Gegebenheiten oder Kennzahlen generell zu achten ist, kann auch in diesem VDI-Verbrauchertipp nachgelesen werden.

Blockheizkraftwerke liefern Wärme und Strom
Nicht nur Wärme, sondern auch Strom erzeugen Blockheizkraftwerke (BHKW). Bei dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, KWK, treibt ein Verbrennungsmotor einen Generator an und produziert Strom. Die dabei entstehende Abwärme heizt das Haus über einen Pufferspeicher. Blockheizkraftwerke nutzen so bis zu 90 Prozent der eingesetzten Energie – unabhängig davon, ob diese mit Erdgas, Öl oder Pellets erzeugt wird. Bei Anlagen für Ein- und Zweifamilienhäuser spricht man von Mikro-KWK-Anlagen. Sie reichen normalerweise aus, um ein Haus komplett mit Heizenergie zu versorgen und aufs Jahr gerechnet bis zu 80 Prozent des Strombedarfs zu decken. Natürlich wieder unter der Voraussetzung, dass sie richtig geplant und dimensioniert sind, wie in der VDI 4656 erläutert. Diese Richtlinie hält für den Anwender eine Besonderheit parat, denn ihr ist ein Berechnungsprogramm beigefügt. Mit diesem lassen sich zum Beispiel die Jahreslastgangkurven generieren, Anlagencharakteristika integrieren, eine detaillierte Jahressimulation für eine Mikro-KWK-Anlage erzeugen und die Berechnungsergebnisse interpretieren.

Warmes Wasser dank Solarthermie
Zu guter Letzt liefert noch die Sonne täglich kostenlose Energie. Zwar reicht eine Solaranlage als Heizung allein nicht aus, mit gut dimensionierten Solarthermieanlagen lassen sich aber immerhin zwischen 50 und 65 Prozent des Warmwasserbedarfs abdecken. Und das ist auch bei bestehenden Heizungsanlagen möglich. Wer mit dem Gedanken einer zusätzlichen Solaranlage spielt, sollte generell eine Bestandsermittlung seines Heizsystems durchführen, denn neben einem erhöhten Energieverbrauch und hohen Instandhaltungskosten können auch Beschädigung beziehungsweise Ausfall von Komponenten der Heizungsanlage oder gesetzliche Verpflichtungen ein Grund für die Modernisierung heiztechnischer Anlagen sein. Die VDI 3811 nennt mehrere Gründe für eine Modernisierung und zeigt neben den Möglichkeiten auch die Vorgehensweise auf.

Übrigens: Wer weder bauen noch modernisieren, aber trotzdem Heizkosten sparen will, für den haben wir ein paar Tipps parat.

Button 3

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Die gängigsten Heizsysteme fürs Eigenheim

  1. Na ja, eine Solaranlage klingt wirklich interessant, gesehen habe ich die auch bei unserem Verwandten. Kostet die weniger als eine Erdwärmepumpe? DIe beiden konkurrieren heute auf dem Markt und brauchen grünliche Überlegungen. Danke für die Anregungen und Ideen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*