VDI-Tagung Industrie 4.0

Digitalisierung aus unterschiedlichen Blickwinkeln

Auf unserer VDI-Tagung Industrie 4.0 betrachten wir die Digitalisierung aus verschiedenen Blickwinkeln. Hier fassen wir für Euch zusammen, mit welchen spannenden Themen sich die Referenten von Kuka, Siemens und Schenker befasst haben.

Dr. Bernd Liepert, Chief Innovation Officer Kuka AG mit:
„Zukunft der Robotik – Robotik und Automatisierung im Zeitalter der Digitalisierung“

Bild: VDIDr. Bernd Liepert

Dr. Bernd Liepert

Demographischer Wandel, Urbanisation, Individualisierung, Mobilität und Overaging Society – das sind die Megatrends, die sich aus der Kombination von 21 Trendstudien herauskristallisiert haben.

Was bedeutet das für die Arbeit in den Unternehmen und was für die Robotik? Ein Ford Model T wurde einmal in 90 Minuten zusammengebaut. Heute liegt die Taktrate eines Jeep Wranglers beispielsweise bei 78 Sekunden. Also alle 78 Sekunden läuft ein neues Fahrzeug mit allen heute üblichen, technischen Ausstattungen vom Band. Daraus ergeben sich ganz andere Anforderungen an Roboter, aber vor allem auch an die Menschen, die hier arbeiten.

Und wenn kollaborative oder mobile, selbstfahrende Roboter Einzug in die Industrie halten, ergeben sich weitere Anforderungen. Die vierte Revolution sehen wir darüber hinaus (also neben kollaborativ und mobil) in der Verbindung der Roboter mit dem Internet. Parallel halten Wearables Einzug in die Produktion, um einfacher mit den Maschinen und den Robotern kommunizieren zu können.

Wie sieht die Zukunft aus? Kognitive, sensitive und sichere Roboter stellen die Zukunft dar. Software und künstliche Intelligenz sind die Schlüssel dazu. Unsere Kinder wachsen im täglichen Umgang mit Robotern auf – Staubsaugroboter, Rasenmäher-Roboter … Es wird eine Generation heranwachsen, die keine Berührungsängste haben wird. Doch müssen wir ihnen die passenden Werkzeuge an die Hand geben, die sie davon abhalten, leichtsinnig mit den neuen Technologien umzugehen.

Wir müssen mit allen Stakeholdern im Konsens ein Wertesystem etablieren und ganzheitlich die Automation, die Robotik, das Datenmanagement und die Künstliche Intelligenz betrachten. Dann wird der folgenden Satz „Robotik, Artificial Intelligence, Automation werden die Herrschaft über die Menschheit übernehmen“ (frei nach Elon Musk, Hawkings und anderen heutigen „Wise Men“) nicht Wirklichkeit werden.

Dr. Norbert Gaus, Head of Research in Digitalization and Automation and Platform Development, Executive Vice President, Corporate Technology, Siemens AG mit:
“Shaping the digitale call – Industrie 4.0”
Alle Produkte werden intelligent – damit müssen Unternehmen sich verändern. Selbst einfache Produkte wie Pumpenmotoren werden heute mit Kommunikationsfähigkeit ausgestattet und liefern damit Daten. Bei Werkzeugmaschinen und Anlagen ist das in erhöhtem Maß gültig. Jetzt müssen aus diesen Daten Geschäfte generiert werden.

Ein Beispiel: Ein Betreiber einer Highspeed-Zug-Verbindung in Spanien verlor seine Kunden an Billig-Airlines. Er änderte gemeinsam mit Siemens sein Geschäftsmodell, indem er den Kunden anbot, bei einer Verspätung von 15 Minuten, den Ticketpreis komplett zu erstatten. Nicht andere Services oder noch schnellere Züge wurden verkauft, sondern Uptime-Garantie. Dazu mussten alle kritischen Systeme mit Condition Monitoring ausgestattet und durchgängiges Predictive Maintenance etabliert werden. Und das war letztendlich höchst erfolgreich.

Damit verändern sich Jobs: Die Teams in Unternehmen müssen sich ändern, beispielsweise die Service-Gruppe, die mit solchen Predictive Maintenance-Systemen umgeht. Die ist heute nicht mehr mit den Service-Gruppen von vor 20 Jahren zu vergleichen. Hier sitzen heute Datenanalysten. Die Digitalisierung verändert die Arbeit in den Unternehmen.

Unternehmen müssen sich dazu nicht nur fragen: Wie kann ich im Betrieb besser werden oder wie kann ich im Predictive Maintenance effektiver werden, sondern es geht darum, die ganzen Wertschöpfungsketten im Blick zu haben. Dabei muss nicht jedes Unternehmen jeden Baustein der digitalisierten Kette selbst bereitstellen, aber es muss ihn im Blick haben – und auch verstehen.

Unternehmen brauchen neue Strategien: Wenn alle Produkte intelligent werden, muss es auch einen Zugang zu Cloud-Systemen geben. Unternehmen brauchen eine Softwarekette, die Konsistenz bietet. Für die Anwendungen im Betrieb und im Service benötigen die Unternehmen eine Tool-Suite für sich und für ihre Kunden. Unternehmen müssen die Kunden dabei mitnehmen und diesen die Möglichkeit bieten die eigene Intellectual Property zu schützen. Das Gleiche gilt für die Zulieferer. Und dann benötigen die Unternehmen eine Strategie, wie Sie mit den Daten umgehen werden. Hier werden auch neue Geschäftsmodelle notwendig.

Dr. Thomas Böger, Vorstand Kontraktlogistik/SCM, Schenker Deutschland AG mit:
„Digitalisierung – Chancen für Logistik-Dienstleister“

Bild: VDIDr. Thomas Böger

Dr. Thomas Böger,

Assistenzsysteme verändern unsere Welt der Logistik: Selbststeuernde, mit Schwarmintelligenz ausgestattete Flurförderzeuge sind gerade im Test. Und wenn Rechner, wie im 20. Jahrhundert, nicht mehr per Sonderluftfracht, sondern mit gleicher Leistungsfähigkeit als Chip schnell und einfach versendet werden können, ist das gut für die Büros, aber für Logistikanbieter gefährdet das die Geschäftsmodelle. Wir brauchen also neue Ansätze, um auch in Zukunft Teil der Wertschöpfungskette zu sein.

Assistenzssteme unterstützen und verändern die Arbeit: Denken wir nur an Assistenzsysteme im Automobil. Heute übernehmen die Assistenzsysteme einzelne Funktionen. Im Platooning, das wir voraussichtlich 2020 haben werden, können vernetzte LKW-Kolonnen zusammenarbeiten und den Fahrer weiter entlasten. Als nächster Schritt sind autonom fahrende LKW auf dem Firmengelände vorgesehen. Prototypisch wird das bereits erprobt. Autonomes Fahren rückt damit in greifbare Nähe. Nicht nur für Logistiker (Anmerkung der Autorin: oder die LKW-Fahrer), sondern für alle wird sich damit die Mobilität verändern.

Gamification bietet Chancen: In Lagersystemen werden ebenfalls vermehrt Assistenzsysteme eingesetzt, um Decision Support zu bieten und die Lagerorganisation zu verbessern. So kann der Schichtleiter die nächsten Stunden wesentlich besser planen. Im nächsten Schritt können mithilfe dieser Systeme Mitarbeiter virtuell geschult werden und mittels Gamification spielerisch an neue Systeme herangeführt werden und daran trainiert werden. Das führt in der Regel zu einem Motivationsschub der Mitarbeiter – über alle Altersgruppen hinweg.

Neue Bedarfe und neue Anforderungen der Kunden verändern die Logistik. Es werden zukünftig speditionelle Dienstleistungen wegfallen oder vollständig digitalisiert werden. Daher müssen neue digitale Möglichkeiten der Dienstleistungserbringung geprüft und umgesetzt werden. Es ergeben sich neue Partner- und Kooperationsformen. Und letztendlich verändern sich die Mitarbeiter. Private und berufliche Systeme verschmelzen. Neue Arbeitswelten können Mitarbeiter motivieren.

Alles rund um die Tagung Industrie 4.0 erfahrt Ihr auf unserer Facebook-Seite und auf unserem Twitter-Kanal.

VDI-Jahresthema 2017: „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“
Mit der digitalen Transformation steht ein Strukturwandel bevor, der die Art und Weise, wie Menschen leben, arbeiten und wirtschaften fundamental verändern wird. Unter dem Motto „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im Jahr 2017 mit unserem Jahresthema der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden können. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur eine Analyse des Berufsbilds „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Sie außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge im VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.vdi.de/arbeit40.

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