Ingenieur-Qualifikationen

Der Ingenieur in der Digitalen Transformation, das unbekannte Wesen?

Bei der gestrigen Politikveranstaltung in Berlin diskutierte der VDI über digitale Geschäftsmodelle für die Industrie. Sind deutsche Unternehmen und ihre Ingenieure ausreichend auf den digitalen Wandel vorbereitet?
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Bei der Digitalen Transformation handelt es sich um einen Wandel epochalen Ausmaßes. Die Auswirkungen der bevorstehenden Veränderungen, die durch den Einsatz digitaler Technologien ausgelöst werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand vorhersagen. Eines aber steht fest: Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Und diese Gewissheit wirft natürlich die Frage nach der Zukunft menschlicher Arbeit auf. Für uns im VDI heißt das vor allem: Wie sieht der Ingenieur in der Digitalisierung aus? Was muss er können?

Smart Services werden zum zentralen Wirtschaftsfaktor

In der digitalen Ökonomie erleben wir eine Verschiebung weg von der ausschließlich auf das Produkt zentrierten hin auf die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle gerichteten Innovation. Neben physischen Produkten werden zugeordnete Smart Services zum zentralen Wirtschaftsfaktor. Dies stellt bestehende Geschäftsmodelle unserer Industrie grundlegend in Frage.

Autobauer werden zu Mobilitätsdienstleistern

Nehmen wir die Automobilindustrie, Deutschlands wichtigste Industriebranche, einmal als Beispiel. Deren Unternehmen werden sich im Zuge der Digitalen Transformation von reinen Fahrzeugherstellern zu Mobilitätsdienstleistern entwickeln. Ihr Produktangebot endet nicht mit der Auslieferung des Neuwagens. Kunden und Unternehmen treffen künftig nicht mehr nur am Point of Sale aufeinander, sondern interagieren kontinuierlich, solange der Kunde das Fahrzeug nutzt. Das digitalisierte Auto wird Millionen von Daten generieren, deren Auswertung wiederum völlig neue Dienstleistungen und damit potenziell neue Geschäftsmodelle entstehen lässt. Denken Sie etwa an Servicetermine, auf die Sie das Fahrzeug rechtzeitig aufmerksam macht, oder die Berechnung der Höhe von Versicherungen oder der Besteuerung je nach individuellem Fahrstil und Nutzungsprofil. Ebenfalls denkbar ist die Berechnung von Parkplatzgebühren je nach Verkehrslage sowie maßgeschneiderte Restaurants- oder Shoppingtipps.

Wer hat die Hoheit über die Daten?

Die Ausgaben der Kunden werden sich so sukzessive vom Neuwagenverkauf zur intelligenten Autonutzung über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge hin verschieben. Die Wertschöpfung wird in Zukunft deshalb dort generiert, wo die Innovation mit diesen Smart Services am größten ist. Entscheidend wird nicht nur die Hoheit über die Daten im Auto sein, sondern auch deren richtige Auswertung. Und all das müssen unsere Ingenieure künftig mitdenken.

Denken in digitalen Geschäftsmodellen

Ingenieure müssen künftig also stärker in digitalen Geschäftsmodellen denken. Was heißt das konkret? Was müssen Ingenieure können? Der klassische deutsche Ingenieurtypus setzt auf die Perfektion des Produkts. Und das ist auch gut so. Ohne den Kern der typischen Ingenieursfähigkeiten – die technische Expertise – aufzugeben, muss der Ingenieur von heute sein Profil als rein technischer Experte in der Digitalen Transformation künftig um Querschnittsqualifikationen erweitern. Empfehlenswert sind Kenntnisse aus den überfachlichen Disziplinen wie Kommunikation, Betriebswirtschaft, Methoden-Know-how und Innovationsmanagement, die ihn dazu befähigen, den Innovationsprozess auf die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle auszudehnen.

Klassische Ingenieurfähigkeiten weiterentwickeln

Ingenieure werden sich insgesamt breiter und interdisziplinärer aufstellen müssen, um erfolgreich funktionsübergreifend agieren zu können. Dies nicht zuletzt, weil auch in der Smart Factory die Grenzen zwischen den Disziplinen Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik zunehmend verschwinden. Ingenieure arbeiten hier an der Schnittstelle zwischen Hardware und IT. Das bedeutet, dass das Grundverständnis, wie IT funktioniert, unverzichtbar wird.

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI: Referentin politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

 

 

VDI-Jahresthema 2017: „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“
Mit der digitalen Transformation steht ein Strukturwandel bevor, der die Art und Weise, wie Menschen leben, arbeiten und wirtschaften fundamental verändern wird. Unter dem Motto „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im Jahr 2017 mit unserem Jahresthema der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden können. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur eine Analyse des Berufsbilds „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Sie außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge im VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0. Weitere Informationen unter http://www.vdi.de/arbeit40.

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