Interview mit Dr.-Ing. Dirk Barenbrock

„IT-Kompetenzen mit klassischen Ingenieurstugenden verbinden“

In der vergangenen Woche haben wir im Rahmen unseres Schwerpunktthemas „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ bereits mit Siemens über die Digitalisierung der Arbeitswelt gesprochen. Für unser heutiges Interview im Vorfeld zur 5. Fachtagung Industrie 4.0 haben wir Dr.-Ing. Dirk Barenbrock von der Daimler AG einige Fragen gestellt. Auch er hat Tipps für Ingenieure für die Arbeit der Zukunft.

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Wie verändert die Digitalisierung mit der fortschreitenden Automatisierung die Arbeitswelt? Welche Auswirkungen hat dieses für Ingenieure?
Bild: privatbarenbrockDie Automatisierung wird weiter voranschreiten und auch in höher qualifizierte Tätigkeiten vordringen. Dies bedroht jedoch nicht die Arbeit der Ingenieure an sich, sondern wird sie verändern und weiterentwickeln. Wie schon beim massiven Einzug von Robotern in die Produktionsbereiche wird auch die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine nun auch bei „geistigen Tätigkeiten“ immer wichtiger.

Wie können sich Ingenieure bestmöglich auf die Digitale Transformation vorbereiten?
Meines Erachtens wird sich in einer digitalen Welt nicht notwendigerweise derjenige behaupten, der nur gut programmieren kann. Mittelfristig werden sich diejenigen durchsetzen, die IT-Kompetenzen mit klassischen Ingenieurstugenden wie z.B. dem Verständnis für Mechanik verbinden und zudem Soft Factors wie z.B. gute Teamfähigkeit erfüllen.

Wie ist Deutschland Ihrer Einschätzung nach im internationalen Vergleich bei der Digitalen Transformation aufgestellt?
Auch wenn die größten Technologieunternehmen der Welt heute mehrheitlich in den USA angesiedelt sind, besteht in Deutschland ein großes Potential um in der Weltspitze vertreten zu sein. Einhergehend mit der voranschreitenden Digitalisierung werden neue Geschäftsmodelle entstehen und alte ersetzen. Entscheidend wird sein, dass Deutschland zum richtigen Zeitpunkt auf die richtigen Pferde setzt. Mittelfristig wird meiner Ansicht nach der Erfolg in der geschickten Verbindung von Hardware und Software liegen – also z.B. von Fahrzeug und Nutzungskonzept.

Ich will hier mal das Beispiel Uber nennen: Das Unternehmen hat in kurzer Zeit ohne große Assets – also ohne eine eigene Fahrzeugflotte – beachtliche Marktanteile am Taxi-Geschäft erreicht. In eine Taxizentrale würde ich persönlich zum heutigen Zeitpunkt also nicht mehr investieren. Auf der anderen Seite will das Bedürfnis nach Mobilität von Menschen und Gütern, also der eigentliche Transport, weiterhin befriedigt werden. Damit besteht auch weiterhin Bedarf an technologisch hoch entwickelten Fahrzeugen.

Muss in Deutschland die Bereitschaft erhöht werden, sich für neue Arbeitsformen zu öffnen. Brauchen wir agiles Arbeiten?
„Agiles Arbeiten“ ist ein Schlagwort, das heute gerne als Allheilmittel in einer sich digital wandelnden Welt gesehen wird. Anwendungsbeispiele kommen häufig von Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley. Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, findet eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze für moderne Zusammenarbeitsformen. Wichtig für den Unternehmenserfolg ist, unter den gegebenen Randbedingungen mit spezifischen Produkten und Problemstellungen passende Arbeitsmodelle auszuwählen. Fakt ist, dass moderne Zusammenarbeitsformen – richtig ausgewählt und angewandt – enormes Potential für alle Unternehmen bieten.

sowaDas Interview führte: Dr.- Ing. Thomas Sowa
Position im VDI: Wissenschaftlicher Mitarbeiter der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik

 

 

VDI-Jahresthema 2017: „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“
Mit der digitalen Transformation steht ein Strukturwandel bevor, der die Art und Weise, wie Menschen leben, arbeiten und wirtschaften fundamental verändern wird. Unter dem Motto „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im Jahr 2017 mit unserem Jahresthema der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden können. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur eine Analyse des Berufsbilds „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Sie außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge im VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.vdi.de/arbeit40.

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