Das steht in der VDI-Agenda

Unsere 5 Punkte zur Barrierefreiheit

Barrierefreiheit geht uns alle an. Täglich sind wir davon betroffen, ob unsere gebaute Infrastruktur barrierefrei gestaltet ist oder nicht. Wir merken es sehr deutlich, wenn der Aufzug ausfällt oder wir mit schwerem Gepäck dem Zug hinterhereilen. Unser VDI-Fachausschuss Barrierefreie Lebensräume hat gerade seine gleichnamige VDI-Agenda veröffentlicht. Darin betrachten wir teilweise konträre Normen, Richtlinien, Bau- und Ausführungsverordnungen, die beim Thema Barrierefreiheit zu beachten sind. Zudem greifen wir auch die Themen Brandschutz und Schutzziele in der VDI-Agenda „Barrierefreie Lebensräume“ auf. Dipl.-Ing. (FH) Stephanie Hess, Vorsitzende des Fachausschusses, stellt die fünf wichtigsten Punkte der Agenda vor und zeigt, an welchen Themen der Fachausschuss derzeit arbeitet.

Bild: Topro GmbHbarrierefreiheit

Der VDI-Fachausschuss Barrierefreie Lebensräume hat sich im Herbst 2015 konstituiert. Sein Ziel ist es, das Thema Barrierefreiheit in Deutschland weiter voranzutreiben. Dazu gehört aber nicht nur, die Planenden und Ausführenden für dieses Thema zu sensibilisieren, sondern auch, sie bei der Umsetzung zu unterstützen. Wer bereits Einblicke in das barrierefreie Bauen gewonnen hat, wird nachvollziehen können, dass dieses komplexe Thema Einiges an Know-how erfordert. Nicht zuletzt deshalb, weil die planungsrechtlichen Grundlagen mitunter Fragen aufwerfen und die Umsetzung der Theorie in die Praxis Fallstricke aufweisen kann.

Die VDI-Agenda „Barrierefreie Lebensräume“ greift genau diese Fragen auf und gibt Antworten zu den folgenden fünf Themen.

Das Thema Barrierefreiheit im Wohnungsbau greift den wachsenden Bedarf an Wohnungen für ältere und eingeschränkte Menschen auf und beleuchtet, in welcher Weise die Gesetzgebung auf diesen Bedarf reagiert. Die konkreten Planungsanforderungen aus Normen, Richtlinien, Bau- und Ausführungsverordnungen sind sehr unterschiedlich und für Architekten, Planer und Bauherren schwer durchschaubar. Eine Vielzahl an technischen Regeln zum barrierefreien Bauen und daraus entstehende unklare Planungsvorgaben in den jeweiligen Bundesländern führen bei den Planern häufig zu Rechtsunsicherheit. Mit Positionspapieren und Lösungsansätzen möchte der Fachausschuss dazu beitragen, den „Dschungel“ an Regelwerken durchschaubar zu machen und dem Planer Sicherheit bei der Umsetzung barrierefreier Wohnungen zu geben.

Seit einiger Zeit ist das Thema Brandschutz und Barrierefreiheit in den Vordergrund gerückt und hat zu regen Diskussionen über das Recht auf Selbstrettung für Personen mit Behinderungen geführt. Bei der Auseinandersetzung mit dem richtigen Maß an adäquaten Rettungsmöglichkeiten und der Umsetzung in der Praxis betreten Planer und Genehmigungsbehörden eine Grauzone, die von einem weitgehend ungeregelten Rechtszustand beherrscht wird. Welche Arten der Selbst- und Fremdrettung existieren und wie barrierefreie Rettungskonzepte aussehen können, möchte der VDI-Fachausschuss den Planern in Planungshilfen näherbringen. Aufklärung und Sensibilisierung an der Schnittstelle zwischen Barrierefreiheit und Brandschutz tragen dazu bei, den Inklusionsgedanken auch im Hinblick auf Gefahrensituationen angemessen zu erfüllen.

Was sind eigentlich Schutzziele und wie lassen sich diese in Abhängigkeit vom nutzerspezifischen Bedarf erfüllen? Als eine wesentliche Neuerung in der Normenreihe DIN 18040 wurde der Begriff des Schutzziels eingeführt. Während bei den Vorgängernormen die Anforderungen verbindlich umzusetzen waren, führt die Einführung von Schutzzielen zu einer Öffnung hin zu zulässigen alternativen Ausführungsvarianten. Diesem für viele Planer noch abstrakten Begriff widmet sich der VDI in umfassender Weise, indem er u.a. in Handlungsempfehlungen erläutert, wie Schutzziele bedarfsgerecht und situationsbezogen unter Berücksichtigung des nutzerspezifischen Bedarfs erreicht werden können. Das Ziel ist es, dem Planer weitergehende Sicherheit bei der Planung von Barrierefreiheit und der Erreichung der geforderten Schutzziele zu vermitteln.

Bei der baulichen Umsetzung von Barrierefreiheit ist eine ganze Reihe von technischen Regeln zu beachten. Neben DIN 18040 gibt es weitere Normen und Richtlinien, die sich mit dem Thema befassen, jedoch in Bezug auf ihre Bindungswirkung große Unterschiede aufweisen können. Für Planer ist es entscheidend, dass sie sich die Notwendigkeit der Anwendung von Normen und Richtlinien sowie ihrer Wechselbeziehungen untereinander bewusst sind. Der VDI-Fachausschuss möchte mit einer Gegenüberstellung dieser relevanten planungsrechtlichen Grundlagen sowie einem Abgleich der Überschneidungen und gegebenenfalls Widersprüche zu mehr Transparenz beitragen. Die Beantwortung der Fragestellungen „Was muss? Was darf? Was kann?“ soll darüber hinaus nachvollziehbar erläutert werden.

Das Herzstück des VDI zum Thema Barrierefreiheit bildet die Richtlinienreihe VDI 6008 „Barrierefreie Lebensräume“. Sie gibt in sechs Blättern als anerkannte Regel der Technik Empfehlungen für Anforderungen an das barrierefreie Planen und Gestalten. Durch die alle fünf Jahre wiederkehrende Überprüfung gibt die Richtlinienreihe stets den aktuellen Stand der Technik wider. Sie stellt damit ein wichtiges Werkzeug für Planer dar und bietet eine fundierte Grundlage, die Barrierefreiheit ganzheitlich in den Planungsprozess einzubinden. Die VDI-Agenda stellt den Inhalt unserer VDI 6008 kurz vor.

Der Bearbeitung der beschriebenen Themen und Aufgabenstellungen werden sich die Mitglieder des VDI-Fachausschuss Barrierefreie Lebensräume sukzessive annehmen. Die dazu ausgearbeiteten Schriften sind auf unserer Homepage unter www.vdi.de/barrierefrei einzusehen und werden auf VDI-Expertenforen vorgestellt. Das nächste VDI-Expertenforum „Barrierefreiheit im Spannungsfeld zwischen Brand- und Denkmalschutz“ findet am 15. März im Zuge der Messe ISH in Frankfurt statt.

Bild: privatStephanie HessAutorin: Dipl.-Ing. (FH) Architektin Stephanie Hess
Position im VDI: Vorsitzende des VDI-Fachausschusses Barrierefreie Lebensräume

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*