Überrollen Uber & Co die Logistikbranche?

Fahrerlose Lkw: Wann und wie kommen sie?

Autonomes Fahren, Elektromotoren und das mögliche Comeback von Verbrennungsmotoren: Die Automobilbranche steht vor großen Entwicklungen. In mehreren Beiträgen blicken wir auf wichtige Veränderungen. Heute geht es um Selbstfahrende Lkw und die Frage, wie sie die Transportbranche verändern werden.

Bild: Thomas Ernsting /LAIFLkw

Die Revolution ist losgerollt
Es ist nicht die Frage ob, sondern wann sie kommen: selbstfahrende Lkw. Binnen 10 bis 15 Jahren soll es soweit sein. Zu diesem Ergebnis kommen z.B. die Macher der Studie „The era of digitalized trucking“. Das könnte weltweit Millionen von Menschen betreffen. In Deutschland arbeiten nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung aktuell rund 500.000 Lkw-Fahrer.

Sofern die Rahmenbedingungen es zuließen, würden menschliche Fahrer dann nicht mehr auf Langstrecken benötigt. Das ist bereits in einem Feldversuch erfolgreich geglückt. Ende 2016 fuhr ein fahrerloser Transporter mit 50.000 Dosen Bier rund 200 Kilometer von Fort Collins im US-Bundestaat Colorado in die Stadt Colorado-Springs. Diesen Erfolg nimmt das Dienstleistungsunternehmen Uber für sich in Anspruch. Ganz ohne Mensch ging es allerdings nicht. Der Truck war eingepackt in Patrouillenfahrzeuge der Colorado State Patrol, denn der Staat begleitete das Projekt. Auch ein menschlicher Fahrer hielt sich im Cockpit auf, um den Computer zu überwachen und notfalls einzugreifen.

Technik und der Faktor Mensch
Bereits jetzt sind die Entwickler bei Volvo, Daimler, MAN und Co. sehr weit. Noch hat der Computer Schwierigkeiten unbekannte Situationen eindeutig zu interpretieren. Doch die technischen Entwicklungen schreiten voran: Sensoren, Kameras und Radarsysteme können Langstrecken aber auch die nähere Umgebung immer genauer abtasten. Darüber hinaus sind die Fahrzeuge untereinander sowie mit der Leitzentrale vernetzt. Auf bekannten Strecken funktionieren die Systeme bereits. Amazon hat jüngst in den USA einen Patentantrag eingereicht. Hierbei ist die Lkw-Flotte nicht allein mit Umgebungssensoren versehen, sondern auch mit einer Kommunikationsschnittstelle zu einem Fahrbahnmanagementsystem. Zudem sollen Drohnen aus der Luft die Fahrzeuge überwachen und steuern helfen.

Amerika freut sich auf den Computer-Fahrer
In den USA gibt es aktuell einen Lkw-Fahrer-Mangel. Der Job ist finanziell wenig attraktiv mit monotonen Arbeitsabläufen. Er ist auch nicht familienfreundlich. Die American Trucking Association freut sich daher auf den Autopiloten. Sie glaubt nicht, dass der Computer den Fahrer verdrängen wird. Vielmehr werde die Technik den Beruf wieder attraktiv machen.

Branchenexperten sind sich einig, dass die autonomen Brummis vor allem Waren auf langen Strecken zwischen Lager- und Verteilungszentren bedienen werden. Für den letzten Weg zum Kunden wird der menschliche Fahrer eingesetzt. Er wird es auch sein, der den Computer dauerhaft überwachen wird. Dennoch wird sich das Berufsbild wandeln. Gefragt sind Menschen mit guten IT-Kenntnissen. Daher wird der Trend vom Lkw-Fahrer zum Lkw-Betreuer gehen.

Bild: Thomas Ernsting / LAIFselbstfahrender lkw

Der Lkw-Fahrer wird zum Lkw-Betreuer

Deutschland ist Branchen-Treffpunkt
Die Automatisierung des Transportwesens wird auch im September auf der IAA wieder eines der großen Themen sein. Bereits Ende März kommen die weltweit führenden Experten in Düsseldorf zusammen, um über die Zukunft der autonomen Trucks zu diskutieren. Auf der internationalen VDI-Fachkonferenz „Autonomous Trucks“ wollen sie ihre Erfahrungen austauschen und technische Lösungen diskutieren.

Wird der Mensch verdrängt?
Abseits des Kongresses werden Politik und Gesellschaft ohnehin diskutieren müssen, ob und in welchem Maße autonome Lkw menschliche Fahrer ersetzen werden. 500.000 Jobs werden sicher nicht gefährdet sein. Es ist vielleicht vergleichbar mit dem Autopiloten im Flugzeug, den es bereits seit Jahrzehnten gibt. Der Mensch muss die Maschine stets überwachen. Bei komplexen Situationen wie etwa bei Start und Landung ist der Mensch unersetzlich. So verhält es sich auch mit den führerlosen Lkw. Final gibt der Mensch das Steuer nicht dem Computer in die Hand. Denn wer schläft schon ruhig bei dem Gedanken, dass ein führerloser 16-Tonner unbeaufsichtigt durch die Nacht fährt?

tomas-frohnAutor: Thomas Frohn
Position im VDI Wissensforum:Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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2 Gedanken zu “Fahrerlose Lkw: Wann und wie kommen sie?

  1. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Mensch verdrängt wird. Die Anschaffung von LKWs, die selbstfahrend sind, sind doch viel teurer als Mitarbeiter und vorhandene Fahrzeuge. Der Autopilot im Flugzeug kann ja, wie im Text erwähnt, auch nicht die Besatzung ersetzen.

  2. Autonomes Fahren und mit dem LKW – wäre es nicht zu früh?! Das Modell sieht ja spannend aus, befürchtet werden ja auch die Arbeitsplätze für uns, Menschen, wenn es z.B. um die Lieferung der Eilpost geht, soll die doch ohne Verspätung ankommen. Ist es wirklich der Anfang von „the era of digitalized trucking“?

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