Reinigung von Raumlufttechnische Anlagen

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Lufthygiene

Pro Tag nehmen wir circa 3 Kilogramm flüssige und 1 kg feste Nahrung sowie rund 30 kg Luft zu uns. Deshalb kommt der Atemluft als unserem wichtigsten Lebensmittel eine besondere Bedeutung zu. Ohne gute Luftqualität sinkt unsere Lebensqualität. Besonders wichtig ist dabei die Qualität der Raumluft. Immerhin halten wir uns überwiegend im Innenraum auf. Eine Raumluft, die wir als „schlechte Luft“ empfinden, senkt unser Wohlbefinden und ist gesundheitlich mindestens beeinträchtigend. Hier spielen neben schädlichen Luftinhaltsstoffen auch physikalische Raumluftparameter, wie Temperatur und relative Luftfeuchte, eine große Rolle.

Für schlechte Luftqualität gibt es viele Gründe. Relevante Quellen sind beispielsweise der Mensch mit seiner Kohlendioxid-belasteten Ausatemluft, seinen Ausdünstungen, aber auch Parfüm und Reinigungsmittel. Ausstattungsprodukte, Baumaterialien, Pflanzen oder Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) können Grund dafür sein, weshalb oft im Büro schlechte Luft herrscht.

Bild: Shutterstock / MilaCroftrichtlinie-vdi-6022_reinigung_von_rlt-anlagen-t5_702x3633

Der VDI-Experte und Schulungspartner Dipl.-Ing. Frank Praetorius beantwortet die wichtigsten Fragen zu den VDI-Lüftungsregeln unserer Richtlinienreihe VDI 6022 und der Reinhaltung von RLT-Anlagen.

Warum ist eine gesunde Raumluft so wichtig?
Weil wir uns zu ca. 90 % der Lebenszeit in geschlossenen Räumen aufhalten. Jeder Mensch und vor allem die Politik beschäftigt sich zurzeit mit der Außenluft – mit Fahrverbotszonen für bestimmte Kfz aufgrund von erhöhten Feinstaub- und Stickoxidkonzentrationen. Für den Innenraum, also den Bereich der aufgrund der langen Verweildauer die höchste gesundheitliche Relevanz hat, gibt es keine gesetzlichen „Grenzwerte“. Dabei ist gerade dieser Bereich, ob maschinell durch eine Lüftungs- oder Klimaanlage belüftet oder nicht, ein sehr wichtiger Einflussfaktor auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit.

Welche Einflussfaktoren im Innenraum gibt es denn? Dort fahren doch keine Kfz?
Im Innenraum, und dazu zählen Privathaushalte genauso wie Bürogebäude, Gewerbe, Industrie und auch Fahrzeuginnenräume, gibt es eine Vielzahl von Einflussfaktoren. Diese sind z. B. flüchtige Verbindungen aus Baumaterialien, Möbeln oder Bodenbelägen wie Formaldehyd, Weichmacher oder andere flüchtige Kohlenwasserstoffe.
Daneben finden wir auch mikrobielle Verunreinigungen wie Schimmelbefall oder verkeimte Zimmerspringbrunnen.

Eine verschimmelte Wand kann genauso schädlich sein wie ein verschimmelter Blumentopf oder nicht zuletzt eine schlecht gewartete RLT-Anlage. Hier ist vor allem das sogenannte „Sick-Building-Syndrom“ zu nennen, das heißt wenn Gebäude „krank machen“ – ein mittlerweile intensiv erforschtes Thema.

Bild: privatfrank-praetoriusUnser VDI-Experte und Schulungspartner Dipl.- Ing. Frank Praetorius ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen, VDI geprüfter Fachingenieur RLQ gemäß VDI 6022 Blatt 4 und Mitglied in verschiedenen Richtlinienausschüssen der VDI-GBG.

 

 

An RLT-Anlagen werden spezielle Hygieneanforderungen gestellt. Welche sind das?
Der VDI beschäftigt sich seit Mitte der 1990er-Jahre mit diesem Thema. Im März 1997 wurde der erste Entwurf zur VDI 6022 Blatt 1 veröffentlicht, um das Thema der Hygieneanforderungen an RLT-Anlagen zu konkretisieren und in eine technische Richtlinie zu fassen. Nach vielen Überarbeitungen und Einarbeitung von gesammelten Erfahrungen der beteiligten Experten haben wir gerade einen neuen Entwurf verabschiedet.
Hier werden Anforderungen an die Planung, Herstellung und Betrieb von RLT-Anlagen konkretisiert. Das Thema Wartung hat einen hohen Stellenwert, um eine nachhaltig hygienisch einwandfreie Funktion der Anlagen zu gewährleisten. Ziel ist es, eine gesundheitlich zuträgliche Zuluftqualität bereitzustellen, damit die Nutzer einer RLT-Anlage „gesunde“ Luft einatmen können. Kohlendioxid und andere Schadgase sollen mit der Abluft abgeführt und „frische“ Luft dem Raum mit der Zuluft zugeführt werden.
Damit man sicher ist, dass die RLT-Anlage auch ihre Funktion im Sinne der Hygiene erfüllt, muss in regelmäßigen Abständen eine sogenannte Hygieneinspektion durchgeführt werden.

Was beinhaltet denn eine Hygieneinspektion?
Eine fachgerechte Hygieneinspektion darf zunächst nur von jemandem durchgeführt werden, der einen Sachkundenachweis gemäß Kategorie A der VDI 6022 Blatt 4 nachweisen kann. Im Rahmen einer Hygieneinspektion werden dann zunächst Sichtprüfungen der gesamten Anlage durchgeführt. Das heißt, jede einzelne Komponente, von der Außenluftansaugung bis zum Luftbefeuchter, Luftfilter und Zuluftkanal, wird dabei genau inspiziert. Mittels einer Checkliste gemäß VDI 6022 Blatt 1 werden Auffälligkeiten dokumentiert. Poröse Gummidichtungen, stark verschmutzte oder beschädigte Filter oder bereits sichtbar verkeimte Luftbefeuchter werden dann in eine Mängelliste aufgenommen. Unterstützt wird diese optische Inspektion durch gezielte mikrobiologische Probenahmen wie Abklatschproben von Oberflächen, Wasseruntersuchungen aus dem Befeuchter auf z. B. Legionellen und nicht zuletzt durch mikrobiologische Messungen in der Zuluft. Gerade letztere kamen in der Vergangenheit teilweise zu kurz, da die VDI 6022 dahingehend von einigen Inspektoren „falsch“ interpretiert wurde. Die Zuluftqualität ist die wesentliche Zielgröße, auf deren Bewertung die Hygieneinspektion zielt. Ohne qualifizierte Luftmessungen bleibt die Beurteilung der Zuluftqualität eine reine Spekulation!

Um RLT-Anlagen hygienisch zu betreiben, bieten Sie Hygieneschulungen nach den Kategorien A und B an. Was ist der Unterschied zwischen den beiden und sind diese Schulungen für den Betreiber verpflichtend?
Die Schulungen gemäß Kategorie A und B sind in Blatt 4 der VDI 6022 eindeutig geregelt. Kategorie B dauert einen Tag und hat als Zielgruppe hauptsächlich Personen, die mit der Wartung und Instandhaltung von RLT-Anlagen betraut sind. In dem eintägigen Lehrgang lernen diese Personen, wie oft sie wo kontrollieren müssen, wann Filterwechsel durchzuführen sind und wann eine Reinigung eines Luftbefeuchters ansteht. Neben den hygienerelevanten Tätigkeiten in Bezug auf die RLT-Anlage lernen sie auch, welche persönliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen sind, z. B. das Tragen von Handschuhen, Atemschutzfilter.

Kategorie A dauert zwei Tage und hat als Zielgruppe hauptsächlich Meister, Techniker und Ingenieure, die sich mit der Planung und Errichtung befassen. Denn eine falsch geplante Anlage lässt sich später schlechter warten. Die Schulung gemäß Kategorie A beinhaltet Kategorie B und befähigt auch zur Durchführung von Hygieneinspektionen.

Ohne gemäß VDI 6022 Kategorie A oder B geschultes Personal einzusetzen ist ein Betreiber juristisch angreifbar, da er die anerkannten Regeln der Technik nicht einhält.

Wie erkenne ich als Auftraggeber/Betreiber, ob die Mitarbeiter der durchführenden Firma nach VDI 6022 geschult sind?
Als Auftraggeber lasse ich mir die entsprechende Urkunde zeigen. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass jede Urkunde gemäß VDI 6022 personenbezogen ist; es gibt keine Urkunde für ein Unternehmen. Urkunden sind immer denjenigen vorbehalten, die die Teilnahmevoraussetzungen erfüllen und die Abschlussprüfung bestanden haben. Alle anderen ohne entsprechende Zugangsqualifikation oder ohne bestandene Abschlussprüfung erhalten eine Teilnahmebescheinigung. Jeder Lehrgangsteilnehmer, der bei einem VDI-Schulungspartner die Schulung besucht hat, bekommt eine VDI-Urkunde oder eine VDI-Teilnahmebescheinigung. Darüber hinaus können diese Absolventen spezielle Ausweise über DIN CERTCO gegen eine geringe Gebühr beziehen. Der Ausweis erleichtert auf der Baustelle den Nachweis der entsprechenden Sachkunde. Der Auftraggeber lässt sich also die Urkunde bzw. den VDI-Qualifikationsausweis der Person zeigen, die an der Anlage arbeitet.

Worauf sollte ich als Auftraggeber/Betreiber bei Auftragsvergabe achten?
Nicht stur immer den Preiswertesten nehmen. Dies ist leider immer noch gängige Praxis.  Es ist wichtig, die Qualifikationen für die entsprechenden Tätigkeiten und ggf. Referenzobjekte abzufragen. Gerade bei Ausschreibungen zu Hygieneinspektionen erleben wir zum Teil dilettantische Dinge, die nicht selten ein juristisches Nachspiel haben. Darüber sind sich viele Auftraggeber und Auftragnehmer nicht bewusst. Daher engagiert sich auch die Berufsgenossenschaft BG ETEM sehr stark im Richtlinienausschuss und prüft im Nachgang die Qualifikationen im Betrieb ab.

Ausbildung kostet Geld und Zeit und bei dem Thema Luft – unserem wichtigsten Lebensmittel – ist kein Platz für preiswerte Experimente – denn am Ende zahlt der Nutzer mit seiner Gesundheit.

Stephan Hasselbach_2Das Interview führte: Stephan Hasselbach
Position im VDI: Marketingreferent

 

Kommentare & Pingbacks

4 Gedanken zu “Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Lufthygiene

  1. Solche Artikel gehören auch in die Tagespresse. Viele Betreiber kleinerer Anlagen haben keinen Schimmer was sie mit nicht gewarteten Anlangen anrichten.

  2. Hallo und vielen Dank für den informativen Artikel. Ich freue mich sehr über die Tipps zur Reiningung bezüglich Lufthygiene. Ich selbst bewohne ein Haus, in welchem eine Klimaanlage insatlliert und nun stellt sich die Frage der Reinigung. Besten Dank nochmals. VG Doris

  3. Über die gesunde Raumluft spricht ja man heute sehr aktiv! Danke für die interessanten und aktuellen Infos dazu! Mich interessiert aber die Luft in unserem Wohnzimmer, wo wir den Kamin haben. Den haben noch die Eltern einbauen lassen. Wenn aber die Enkelkinder zu Gast kommen, lasse ich den Kamin wegen Besorgnis nicht angezündet.

  4. Der Sommer kommt und kommt auch die Zeit für Klimaanlage. Es gab ein Mal, dass ich die Wartung von der RLT-Anlagen verpasst habe und wurde die Luft unbequem. Nach meiner Erfahrung danach auch, wenn die Wartung unregelmäßig ist, wird Wasser aus der Klimaanlage tropfen.

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