#dit17: Arbeit in der Digitalen Transformation

„Wir bekommen neue Kollegen aus Bits und Bytes“

Was genau bedeutet Arbeit 4.0, wie verändert die Digitale Transformation unsere Arbeitswelt und wie gut steht Deutschland da? Im Vorfeld des Deutschen Ingenieurtag 2017 zum Thema „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ haben wir mit einem unserer Gäste Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Strategie- und Technologieberatung Accenture Deutschland, gesprochen.

Bild: Thomas Ernsting/ LAIFInterview Riemensperger

Herr Riemensperger, wie wird die Digitale Transformation die Arbeitswelt in Deutschland und global verändern?
Die größte Veränderung wird darin bestehen, dass wir neue Kollegen bekommen, die nicht aus Fleisch und Blut bestehen, sondern aus Bits und Bytes. Schon heute zeichnet sich ab, dass Roboter unser Arbeitsumfeld immer stärker prägen – aus Robots werden Cobots. Daher müssen wir mit unseren maschinellen Mitstreitern auch kommunizieren können. Diese neue ‚Connected Industrial Workforce‘ wird aber nicht nur in Werkshallen anzutreffen sein. Auch in den Büros ist eine verbesserte Schnittstelle zu den umgebenden Software-Systemen ein Mittel zur Effizienzsteigerung. Das liegt nicht nur daran, dass die Systeme komplexer werden und Mitarbeiter einfachere Zugangsbedingungen brauchen, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen oder Probleme besser beheben zu können. Auch Big Data ist ein Motiv für die engere Vernetzung von Mensch und Maschine. Die Analyse großer Datenmengen wird mehr Informationen liefern, die Büroangestellte unterstützen. Die Folge sind halbautomatische Prozesse – so zum Beispiel Entscheidungen, die von der Maschine vorbereitet und vom Menschen getroffen und umgesetzt werden.

Bild: Bert Bostelmann / bildfolioAccenture RiemenspergerInwieweit sind Sie in Ihrem Arbeitsumfeld mit der Frage konfrontiert?
Gleich zweifach. Einerseits verändern sich die Anforderungen unserer Kunden. Einfach nur ein Strategiepapier auf den Tisch legen, funktioniert heute nicht mehr. Erwartet wird Unterstützung bei der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle, bei der technologischen Umsetzung und beim Betrieb. Gerade wenn es um digitale Technologien wie Mobile, Cloud oder Plattformen geht, wollen unsere Kunden das nicht selbst machen, sondern fragen As-a-Service Angebote nach. Wir verstehen uns deshalb auch nicht mehr als Beratung, sondern als professionelles Dienstleistungsunternehmen, das zusammen mit seinen Kunden die Digitale Transformation vordenkt und umsetzt. Dadurch dreht sich andererseits der Beratungsansatz um 180 Grad. Sie müssen heute vom Kunden her denken, nicht mehr vom Prozess. Dafür benötigen sie Berater mit anderen Fähigkeiten wie beispielsweise Data Scientists, die aus den Daten die richtigen Schlüsse ziehen können. Und sie brauchen einen anderen Denkansatz. Deshalb haben wir gerade eine eigene Design Thinking Truppe aufgestellt, weil wir davon überzeugt sind, dass wir zusammen mit unseren Kunden auf diesem Weg schneller zu kreativeren Lösungen und Anwendungen kommen. All das haben wir unserem neuen Bereich ‚Digital‘ gebündelt.

Was muss in Deutschland passieren, damit die Digitalisierung erfolgreich umgesetzt werden kann?
Der digitale Wandel kann nur gelingen, wenn Unternehmen stärker als bisher in den Aufbau neuer Kompetenzen und zusätzlicher Qualifikationen in der Belegschaft investieren. Dabei geht es weniger darum, die Beschäftigten auf neue Berufe umzuschulen, sondern darum, ihnen kontinuierlich die nötigen Kompetenzen für den Umgang mit neuen Technologien zu vermitteln. Die Digitalisierung führt unterm Strich nicht zu einem Verlust von Arbeitsplätzen, sie stellt aber neue Anforderungen an die Arbeitnehmer. Die Bedeutung der ständigen Weiterqualifizierung am Arbeitsplatz wird stark zunehmen, nicht zuletzt, da die Halbwertszeit unseres Wissens angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen immer kürzer wird.

Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?
Wir sind eigentlich in einer guten Ausgangsposition. Die industrielle Basis und die technologische Infrastruktur sind vorhanden, um neue digitale Geschäftsmodelle rund um vernetzte Produkte zu entwickeln – Stichwort Industrie 4.0 und Smart Services. Schüssel dafür ist der Aufbau digitaler Plattformen, auf denen die Daten der vernetzten Geräte gesammelt und ausgewertet werden. Besonders gute Chancen sehe ich bei den B2B-Plattformen, die etwa mit Daten aus vernetzten Produktionsanlagen, Landmaschinen oder anderen Industriegütern gefüttert werden. Viele deutsche Firmen wie Siemens oder Bosch haben ihre Produkte bereits digital vernetzt und sind nun dabei, die damit gewonnenen Daten für neue, gewinnbringende Geschäftsmodelle zu nutzen. Wir sind im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt, weil unsere Unternehmen auf ihren traditionellen Stärken bei IT-Sicherheit, Datenschutz und technisch hervorragenden Produkten aufbauen können. Insgesamt wird derzeit allerdings noch zu wenig in Plattformen investiert. Und wir müssen aufpassen, dass wir die nächsten digitalen Megatrends wie Künstliche Intelligenz oder Blockchain nicht verschlafen.

Marco Dadomo_3Das Interview führte: Marco Dadomo
Aufgaben im VDI: Pressesprecher

 

 

 

VDI-Jahresthema 2017: „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“
Mit der digitalen Transformation steht ein Strukturwandel bevor, der die Art und Weise, wie Menschen leben, arbeiten und wirtschaften fundamental verändern wird. Unter dem Motto „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im Jahr 2017 mit unserem Jahresthema der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden können. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur eine Analyse des Berufsbilds „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Sie außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge im VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.vdi.de/arbeit40.

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