#dit17: Arbeit in der Digitalen Transformation

„Wir müssen die Rollen zwischen Mensch und Maschine überdenken“

Auf dem Deutschen Ingenieurtag ist bei der Podiumsdiskussion zu „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ ebenso  Prof. Dr. Anette Weisbecker Teilnehmerin, die stellvertretende Institutsleiterin des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation. Wir haben Frau Weisbecker vorab ein paar Fragen zum Thema Arbeit 4.0 gestellt.

Bild: VDI/ Fabian Stürtz170203_vdi_sg17-kampagne_702x363-v1_blog_beitragsbildWie wird die Digitale Transformation die Arbeitswelt in Deutschland und global verändern?
Bild: Fraunhoferweisbecker-anette-aew400_dsc0264_bearbProf. Weisbecker: Wir erleben schon jetzt, wie sich im Zuge der Digitalisierung die physische Welt immer stärker mit der digitalen Welt verbindet. Daher sprechen wir heute häufig vom „Internet of Things“ (IoT), dem Internet der Dinge. Über Sensoren und neue Technologien lassen sich nicht nur Maschinen und Daten, sondern auch physische Objekte miteinander vernetzen. Dies gilt für alle Bereiche, also sowohl in der Fabrik, als auch in der Dienstleistung und natürlich auch in unseren Büros und Verwaltungen. Überall werden sich Tätigkeiten immer stärker an digitalen Prozessen orientieren. Für unsere Arbeit bedeutet das, dass wir die Rollen zwischen Mensch und Maschine überdenken bzw. neu aufteilen müssen. Maschinen werden immer mehr automatisierbare oder körperlich belastende Aufgaben übernehmen, Menschen hingegen kreative und steuernde Tätigkeiten. Auch werden durch die Digitalisierung neue Geschäftsmodelle entstehen – hier müssen deutsche Unternehmen aufpassen, dass sie den digitalen Wandel optimal für sich nutzen und jetzt mitgestalten!

Inwieweit sind Sie als IT-Expertin in Ihrem Arbeitsumfeld mit der Frage konfrontiert?
In unseren Forschungsprojekten und Einrichtungen im Fraunhofer IAO zeigen wir, was heute dank Vernetzung und Digitalisierung mit neuen Technologien bereits möglich ist. Ich sehe tagtäglich viele Anwendungspotenziale und Verbesserungsmöglichkeiten im Kleinen wie im Großen. Wichtig ist aber immer, zum einen die Menschen mitzunehmen, denn die beste Technik nützt nichts, wenn sie die Menschen, für die sie bestimmt ist, nicht richtig unterstützt oder an deren Bedarf vorbei geplant ist. Zum anderen ist es aus meiner Sicht erfolgsentscheidend, das Thema IT-Sicherheit von vorne herein mit zu berücksichtigen. Hierbei spielen nicht nur technische sondern auch strategische und organisatorische Fragestellungen eine entscheidende Rolle.

Was muss in Deutschland passieren, damit die Digitalisierung erfolgreich umgesetzt werden kann?
Am wichtigsten ist aus meiner Sicht, dass das Thema überhaupt erstmal als strategisches Thema angesiedelt und angepackt wird. Denn eins ist sicher: Die Digitalisierung wird unsere Lebens- und Arbeitswelt grundlegend verändern, wir merken das bereits heute an vielen Stellen im Alltag. Den Wandel aktiv zu gestalten ist für mich erfolgsentscheidend, um als Unternehmen von den Möglichkeiten, die sich mit der Digitalisierung öffnen, bestmöglich zu profitieren. Dazu gehört an vielen Stellen auch ein Umdenken: Digitalisierung bedeutet nicht nur Vernetzung im technischen Sinne, sondern auch eine gewissen Öffnung gegenüber neuen Ideen, neuen Prozessen und neuen Strategien oder Geschäftsmodellen. Die Themen Qualifizierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit spielen dabei eine wesentliche Rolle genauso wie ein gewisses Maß an Aufklärungsarbeit, um den Mitarbeitern die Angst vor den anstehenden Veränderungen zu nehmen.

Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?
Wir sind in Deutschland mittendrin in der Digitalen Transformation, haben an vielen Stellen aber auch noch Nachholbedarf. Speziell kleine und mittelständische Unternehmen und bestimmte Branchen dürfen jetzt nicht den Anschluss verlieren. Es gilt, neue Plattformstrategien zu entwickeln, um im Maschinenbau, bei Fahrzeugen, in der Mobilität allgemein und in vielen anderen Branchen digitale Strategien und Standards umzusetzen. Um eine Wirtschaft 4.0 zu werden, müssen alle Branchen in Deutschland an einem Strang ziehen und investieren, um die Transformation erfolgreich zu gestalten. Wir unterstützen als angewandtes Forschungsinstitut dabei mit zahlreichen Initiativen und Angeboten, wie beispielsweise dem im Februar eröffneten „Future Work Lab“, das  Unternehmen anhand von Demonstratoren und Qualifizierungsangeboten den Weg in die digitale Zukunft weist.

Marco Dadomo_3Das Interview führte: Marco Dadomo
Aufgaben im VDI: Pressesprecher

 

 

 

VDI-Jahresthema 2017: „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“
Mit der digitalen Transformation steht ein Strukturwandel bevor, der die Art und Weise, wie Menschen leben, arbeiten und wirtschaften fundamental verändern wird. Unter dem Motto „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im Jahr 2017 mit unserem Jahresthema der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden können. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur eine Analyse des Berufsbilds „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Sie außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge im VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.vdi.de/arbeit40.

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