Gastbeitrag Bitkom

Digitale Geschäftsmodelle: „Wir haben ein Umsetzungsproblem!“

Nur auf den ersten Blick ist die deutsche Wirtschaft dank ihrer Unternehmen in Automobil- und Maschinenbau, in Elektroindustrie und Logistik gut aufgestellt. Der zweite Blick allerdings offenbart einen inzwischen großen Nachholbedarf bei der digitalen Geschäftsmodellentwicklung. Im Vorfeld unserer Politikveranstaltung „SMART GERMANY – Digitale Geschäftsmodelle für die Industrie“ am 1. Juni in Berlin schreibt Dr. Joachim Bühler vom Digitalverband BITKOM e.V., was jetzt zu tun ist.

Bild: shutterstock_chombosanDigitale Geschäftsmodelle

Eigentlich könnte alles in bester Ordnung sein. Wir werden international beneidet um unsere Autoindustrie, Logistikunternehmen und Maschinenbauer sind weltweit führend, wir haben eine starke Gesundheitswirtschaft und innovative Elektronikunternehmen. Diese Liste ließe sich problemlos verlängern. Kurz: Die deutsche Wirtschaft bietet auf den ersten Blick das gewohnte Bild. Doch auf den zweiten Blick verändert sich das Bild. Beim Auto geht es längst nicht mehr nur um Motorleistung und Kurvenlage, es geht um digitale Fahrassistenten und die Einbindung des eigenen Fahrzeugs in eine vernetzte Mobilität.

Erfolgreiche Logistiker setzen auf Software, die sich künstlicher Intelligenz bedient, und so die Probleme auf den Routen schon lange vor dem Menschen erkennt – und im besten Fall sogar bevor sie überhaupt entstehen. Und der 3D-Druck erlaubt in der Medizin Behandlungen, die bis vor kurzem noch unvorstellbar waren. Das ist der Kern der digitalen Transformation – die Digitalisierung der Wirtschaft, und zwar in allen Branchen.

Wenn wir über die Digitalisierung und über digitale Geschäftsmodelle sprechen, dann haben wir hierzulande weniger ein Erkenntnis-, sondern vor allem ein Umsetzungsproblem. Längst wissen Manager und Politiker gleichermaßen, dass die Digitalisierung nicht nur wichtig ist für Wohlstand und Wachstum, sondern dass sie entscheidend ist für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Vor allem im Mittelstand, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft. So sehen nach einer Bitkom-Umfrage mehr als die Hälfte der mittelständischen Unternehmen in Deutschland die Digitalisierung als zentrale Herausforderung für ihr Unternehmen. Doch gleichzeitig gibt ein Viertel an, nicht einmal eine zentrale Digitalisierungsstrategie zu besitzen. Aber es gibt keinen Grund mit dem Finger auf den Mittelstand zu zeigen. Start-ups haben tolle Ideen, wissen aber häufig nicht, mit wem sie diese auf den Markt bringen können. Aus der Forschung entstehen zu selten marktreife Produkte. Und selbst Großunternehmen versuchen zu oft, im Alleingang einen Markt von Grund auf zu verändern – was nur selten funktioniert.

Wenn wir über neue, über digitale Geschäftsmodelle sprechen, dann müssen wir drei Dinge tun: Handeln. Etwas ausprobieren. Und aus unseren Fehlern und von anderen lernen. An dieser Stelle setzen die digitalen Hubs rund um unsere Leitindustrien an, die an bis zu zwölf Orten in Deutschland entstehen und teilweise schon entstanden sind. In München geht es künftig um Mobility. In Frankfurt hat bereits ein Hub rund um das Thema Finanzen und Fintech die Arbeit aufgenommen. Und der Startschuss für einen Hub zur Digitalisierung der Logistik ist gerade in Hamburg gegeben worden. Unter der gemeinsamen Dachmarke de:hub werben diese Zentren der digitalen Transformation im Ausland um die spannendsten Firmen.

Gerade wenn andere Nationen auf Abschottung setzen, wollen wir uns auf Offenheit besinnen und Orte schaffen, an denen die klügsten Köpfe der Welt gerne arbeiten und forschen – und die Geschäftsmodelle der digitalen Welt von morgen entwickeln. Wenn wir das beherzigen, werden wir die digitale Transformation nicht nur bewältigen, sondern gestalten. Zum Wohle des Wirtschaftsstandorts Deutschland, aber auch zum Wohle unserer ganzen Gesellschaft.

Bild: BITKOM e.V. bitkom-buehler-joachimAutor: Dr. Joachim Bühler, BITKOM e.V., Geschäftsleiter Politik, Wirtschaft und Technologien

 

 

 

VDI-Jahresthema 2017: „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“
Mit der Digitalen Transformation steht ein Strukturwandel bevor, der die Art und Weise, wie Menschen leben, arbeiten und wirtschaften fundamental verändern wird. Unter dem Motto „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im Jahr 2017 mit unserem Jahresthema der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden können. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur eine Analyse des Berufsbilds „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Sie außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge im VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.vdi.de/arbeit40.

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