Holzfeuerung

Feinstaubbelastung durch Osterfeuer?

Bald ist sie wieder da, die bunte Osterzeit. Traditionell lodern dann überall die Osterfeuer. Ein schönes, kurzzeitiges Vergnügen für den Zuschauer. Die Hinterlassenschaften des Feuers in der Atmosphäre sind allerding langlebiger. Jährlich sorgen Osterfeuer dafür, dass die Feinstaubgrenzwerte überschritten werden. Warum das so ist, was dagegen unternommen werden kann, was unsere VDI-Richtlinien damit zu tun haben und wie der Mensch überhaupt zum Feuer kam, das erfahrt Ihr hier.

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Das Feuer im Laufe der Geschichte
In der Geschichte der Menschheit spielt Feuer seit jeher eine besondere Rolle. Während die modernen Wissenschaften davon ausgehen, dass Blitzschläge ursächlich für die Fähigkeit sorgten, dass sich der Urmensch das Feuer zunutze machen konnte, hatten die Schriftsteller der griechischen Antike eine ganz eigene Theorie. Prometheus soll das Feuer verbotenerweise aus der Götterwelt zur Erde herab gebracht haben. In der griechischen Mythologie gilt die Fähigkeit des Feuermachens als letzte Wohltat, deren die Menschen noch zu höherer Gesittung bedurften. Mit dem Feuer hatte Prometheus den Menschen den Anfang der gesamten Kultur und der technischen Kultur im Besonderen offenbart.

Feuer und Religion
Brauchtumsfeuer haben in den unterschiedlichsten Kulturkreisen und Religionen eine besondere Bedeutung. Dazu muss man den Blick gar nicht erst auf uns fremde Religionen richten, wie beispielsweise den Zoroastrismus, die das Feuer als Symbol der vollkommenen Reinheit erachten. Auch hierzulande gibt es zahlreiche Brauchtumsfeuer, die zu festen Terminen oder regelmäßig wiederkehrenden Anlässen entzündet werden. So werden in verschiedenen Regionen Deutschlands Feuerräder zu Tal gelassen. Im Rheinland läutet das Verbrennen von lebensgroßen Puppen das Ende von Karneval und Kirmessen ein. Der schwäbisch-alemannische Raum kennt das Funkenfeuer, das am Funkensonntag, dem ersten Sonntag nach Aschermittwoch, entzündet wird. Ist das Funkenfeuer zu Beginn der christlichen Fastenzeit angesiedelt, so ist das wohl gemeinhin etwas bekanntere Osterfeuer an deren Ende zu finden.

Das Osterfeuer
Charakteristisch für ein Osterfeuer ist der Brennstoff Holz mit einem hohen Rindenanteil. Aufgrund seiner Zusammensetzung weist der Brennstoff, Reisig oder anderes Astmaterial, eine hohe spezifische Oberfläche auf, was den Brennvorgang beschleunigt. So kommt der Betrachter im Idealfall in den Genuss eines plötzlich auflodernden Feuers, das nach einem vergleichsweise kurzen Zeitraum wieder erlischt. Etwaige Hinterlassenschaften des Feuers in der Atmosphäre können da schon langlebiger sein. Wie viel das ist, lässt sich allerdings nur schwer beziffern.

Feinstaub beim Osterfeuer
Laut Umweltbundesamt ist die Holzfeuerung für zehn Prozent des Feinstaubs in Deutschland verantwortlich. Gemessen am Anteil der Energieerzeugung ist dies ein sehr hoher Wert. Mit Holzfeuerung ist hierbei aber vor allem das kontrollierte Verbrennen von Holz in speziellen, dafür vorgesehenen Feuerungsanlagen zum Zwecke der Wärme- und Stromerzeugung gemeint. Für diesen Bereich der privaten und industriellen Holzfeuerungen stellt der VDI ein umfangreiches Regelwerk zur Verfügung (z.B. VDI 3670, VDI 3462 Blatt 4 und VDI 3462 Blatt 5), das eine nach dem Stand der Technik möglichst umweltschonende Betriebsweise gewährleistet.

Osterfeuer werden in puncto Feinstaubquellen in der o.a. Studie des Umweltbundesamtes nicht gesondert ausgewiesen. Da hilft eine Studie des Landes Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2009 weiter, die einen Zusammenhang zwischen der Verbrennung von Gartenabfällen und einer lokalen Erhöhung der Feinstaubkonzentrationen herstellt. Zwar waren keine extremen Feinstaubspitzen wie zu Sylvester zu verzeichnen, aber an zahlreichen Messstationen wurden Grenzwertüberschreitungen vermeldet.

Um die Belastung der Umgebung auch für solche Brauchtumsfeuer in Grenzen zu halten, gelten die für den Brennstoff Holz üblichen Ratschläge. Insbesondere sollten nur trockene Hölzer verwendet werden; nicht nur aus diesem Grund ist das zu verbrennende Material an einem trockenen Ort zu lagern und erst kurz vor der Verbrennung aufzuschichten. Dann melden auch die Messeinrichtungen für Staubimmissionen, wie sie beispielsweise in der Richtlinie VDI 2463 Blatt 1 Messen von Partikeln – Gravimetrische Bestimmung der Massenkonzentration von Partikeln in der Außenluft – Grundlagen beschrieben werden, nur geringfügig erhöhte Ausschläge.

Für uns handelt es sich bei Osterfeuern um ein erhaltenswertes Brauchtum, das aber nicht unkontrolliert stattfinden sollte. Dass Ruheplätze und Zufluchtsorte wildlebender Tiere nicht angezündet werden sollen, sollte mittlerweile selbstverständlich sein.

Über die Autoren:
Dr Christoph SagerDr. Christoph Sager hat Verfahrenstechnik und Umweltwissenschaften studiert und ist seit 2008 beim VDI.

 

 

 

Bild: VDIcsm_plegniere_peter_9526c262fbPeter Plegnière hat ebenfalls Verfahrenstechnik studiert und ist seit 1992 beim VDI.

 

 

 

Als wissenschaftliche Mitarbeiter in der Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN betreuen sie Richtlinienprojekte zu den Themenschwerpunkten Abgasreinigung und Emissionsminderung.

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