#dit17: Das Potenzial von Workerbots in der Montage

„Neue Technologien machen Arbeitsplätze effizienter und ergonomischer“

Keine Angst vor Robotern in der Produktionsarbeit! Workerbots unterstützen den Menschen und nehmen ihm mühevolle und gefährliche Arbeitsschritte ab, so Prof. Dr.-Ing. Sami Haddadin, der zum Deutschen Ingenieurtag am 11. Mai Roboter FRANKA EMIKA dabei hat. Wir haben ihn vorab zur Arbeit 4.0 in der Smart Factory befragt.

Bild: Volkswagenstiftung170203_vdi_sg17-kampagne_702x363-v1_blog_beitragsbild-haddadin

Herr Haddadin, wie schätzen Sie Deutschland in der Digitalen Transformation ein, sind wir schnell und gut genug?

Die industrielle Digitalisierung hat gerade erst begonnen und ist nicht wirklich vergleichbar mit der Digitalisierung im Consumer- bzw. Dienstleistungsbereich. Dort sind uns die USA sicherlich voraus. Aber ich denke, wir konnten die letzten Jahre bereits stark aufholen und vor allem in der industriellen Digitalisierung ist Deutschland aufgrund seiner starken Industrie und der engen Vernetzung mit der angewandten Forschung einer der Vorreiter. Natürlich liegen derzeit flächendeckend die Stärken noch eher im klassischen Maschinenbau und wir müssen dafür sorgen, dass die großen Digitalisierungsthemen wie Vernetzung, Maschinelles Lernen und intelligente Robotik sehr viel mehr in den Fokus rücken – und zwar bei der Ausbildung in Schule und Hochschule, kleinen und großen Unternehmen, sowie in den Dachverbänden. Von zentraler Bedeutung für unsere zukünftige Innovation und deren Nachhaltigkeit ist der Ausbau der langfristigen Forschung. So wir denn die Themen weiterhin beherzt angehen, bin ich davon überzeugt, dass wir in Deutschland positiv in die Zukunft der digitalen Automatisierung schauen können und diese an vorderster Front mitgestalten werden.

Werden Roboter Arbeitsplätze vernichten?

Grundsätzlich sehe ich, wie durch Roboter derzeit zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen werden. Stets haben Menschen neue Technologien für den Alltag und das Arbeitsleben entwickelt, um sich zu behelfen und zu unterstützen, aber auch um sich von sehr mühevoller und insbesondere gefährlicher Arbeit zu befreien. Genauso sollen Roboter – vor allem neuartige Systeme wie FRANKA EMIKA – dem Menschen wie ein Multifunktionswerkzeug dienen und ihn bei allerlei Tätigkeiten optimal unterstützen. Historisch haben Technologien mit ähnlicher Bedeutung dazu geführt, dass völlig neue Arbeitsplätze und sogar komplette Industriezweige geschaffen wurden, aber auch bestehende Arbeitsplätze effizienter und ergonomischer wurden. Grundsätzlich sehe ich in der Technologie sehr viele Chancen, die eben verantwortungsbewusst eingesetzt werden muss.

Welches Geschäftsmodell steckt hinter FRANKA?

FRANKA EMIKA ist ein flexibler, einfach zu bedienender und feinfühliger Roboter, der vor allem komplexere Montageaufgaben wie das Schrauben, Einfügen und Stecken beherrscht und somit in den Produktionsstätten vor allem monotone und ergonomisch ungünstige oder gar gefährliche Arbeiten durchführt. Grundsätzlich liegt der Fokus auf dem so genannten 3C-Markt (Consumer Electronics, Computer, Communication). Die Produktion für diesen Markt wird heutzutage größtenteils in Niedriglohnländern getätigt. Mit flexibler und dann auch noch kostengünstiger Automatisierung werden wir auch hierzulande nun plötzlich in die Lage versetzt, konkurrenzfähig zu produzieren, damit neue Arbeitsplätze zu schaffen und ermöglichen gleichzeitig auch neue Geschäftsmodelle für Anwender der Robotik. Allerdings zeigt sich immer mehr, dass der Roboter industrieübergreifend eingesetzt werden könnte und auch die internationale Forschungs-Community sowie der professionelle Servicesektor haben starkes Interesse.

Wie grenzt sich FRANKA von anderen Robotern bzw. „Workerbots“ ab?

FRANKA EMIKA kann sicher mit den Menschen zusammenarbeiten, ist unheimlich geschickt und feinfühlig – der Roboter kann sogar bislang als nicht manipulierbar geltende Objekte nutzen, beispielsweise Tüten öffnen und schließen oder Kabelbinder nutzen. Er ist dabei unwahrscheinlich einfach einzurichten und zu programmieren. Es ist der Roboterassistent für Jedermann. Das System kann Dinge durchführen, die andere Systeme bisher schlichtweg nicht können, ist extrem kostengünstig, kann von jedem benutzt werden, ist sicher und hat eine unerreichte Performance. Schlussendlich ist FRANKA vernetzt, so dass Nutzer auf einfachste Weise ihre Programme austauschen und miteinander Anwendungen entwickeln können. Damit ist der Grundstein für eine FRANKA-Community gelegt.

Marco Dadomo_3Das Interview führte: Marco Dadomo
Aufgaben im VDI: Pressesprecher

 

 

 

VDI-Jahresthema 2017: „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“
Mit der Digitalen Transformation steht ein Strukturwandel bevor, der die Art und Weise, wie Menschen leben, arbeiten und wirtschaften fundamental verändern wird. Unter dem Motto „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ widmen wir uns im Jahr 2017 mit unserem Jahresthema der Frage, wie Menschen in der digitalen Ökonomie lernen, arbeiten und sich bestmöglich aus- und weiterbilden können. Teil unserer Kampagne zur Arbeit der Zukunft wird nicht nur eine Analyse des Berufsbilds „Ingenieur 4.0“ sein, es erwarten Sie außerdem zahlreiche Publikationen, Beiträge im VDI-Blog, FAQ und im Jahr der Bundestagswahl auch spannende politische Einblicke. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht ganz unter dem Motto Arbeit 4.0. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.vdi.de/arbeit40.

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