Björn Akstinat im Interview

Studieren auf Deutsch – und das im Ausland?

Immer mehr Studierende absolvieren ein Auslandssemester in deutscher Sprache. Weltweit gibt es z.B. im MINT-Bereich über 100 deutschsprachige Studiengänge. Im Interview erklärt Björn Akstinat, Autor des Buches „Deutschsprachige Studienangebote weltweit“, die Vorteile eines solches Studiums, wie solche Studienangebote zustande kommen und wo Ihr ein ingenieurwissenschaftliches Auslandssemester absolvieren könntet.

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Studierende gehen ins Ausland, um eine Fremdsprache zu lernen. Zumindest dachten wir das bisher. Wieso gibt es ein deutschsprachiges Studienangebot im Ausland?
Von den mehr als 130.000 deutschen Studenten, die im Ausland studieren, tun dies über ein Drittel in deutschsprachigen Studiengängen. Ein Auslandsstudium auf Deutsch hat viele Vorteile: Der Einstieg ins Studium geht schneller und fällt leichter, man kommt im Unterricht besser mit, man schreibt in Klausuren bessere Noten, man kann an Forschungsprojekten sprachlich gleichberechtigt teilnehmen und man schließt schneller Freundschaften. Für Engländer und Franzosen sind Auslandsstudiengänge in der eigenen Muttersprache seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit und ein großer Beschleuniger für die eigene Weiterbildung, Wissenschaft und Wirtschaft, weil sie sich nicht mit Sprachbarrieren aufhalten müssen.

Und wie ist das bei uns Deutschen?
Deutsche Politiker und Studenten erkennen die Vorteile muttersprachlicher Studienmöglichkeiten weltweit erst langsam. Man kann generell sagen, dass deutschsprachige Hochschulangebote rund um den Globus hervorragende kulturelle und wissenschaftliche Brücken zwischen der Bundesrepublik und anderen Staaten darstellen, die uns und Ausländern einen großen Nutzen bringen.

In welchen Ländern werden die meisten deutschsprachigen Kurse angeboten?
Besonders viele Angebote gibt es zum Beispiel in Italien, den Niederlanden, Rumänien oder Ungarn. Allein an der rumänischen Universität Klausenburg/Cluj-Napoca, die 1776 unter Maria Theresia als deutschsprachige Hochschule gegründet wurde, werden 15 Bachelor- und Master-Studiengänge auf Deutsch unterrichtet.

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Björn Akstinat, Autor des Ratgebers >Deutschsprachige Studienangebote weltweit<

Welche technischen Studiengänge gibt es weltweit in deutscher Sprache?
Nach der letzten Zählung gibt es im Ausland fast 100 deutschsprachige oder zweisprachige Studiengänge in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – also in den MINT-Fächern. Die werden in rund 20 verschiedenen Ländern angeboten. An der neuen Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul lehrt man beispielsweise „Technik mechatronischer Systeme“, „Wirtschaftsingenieurwesen“ und „Informatik“ in unserer Muttersprache. In den Niederlanden wurden für deutsche Grenzgänger spezielle Studiengänge in den Fächern „Maschinenbau“ oder „Software Engineering“ eingerichtet. Im norditalienischen Bozen, der Hauptstadt des deutschsprachigen Südtirols, lässt sich wiederum „Industrie- und Maschineningenieurwesen“ studieren.

Die Technische und Wirtschaftswissenschaftliche Universität Budapest unterrichtet seit 1992 in Zusammenarbeit mit der Universität Karlsruhe „Elektrotechnik“, „Informatik“, „Maschinenbau“ und „Mechatronik“. In Moskau betreiben die TU Ilmenau und das dortige Energetische Institut seit vielen Jahrzehnten eine deutsche Ingenieursfakultät.
An der Polytechnischen Universität Temeswar kann man sich seit 1991 zum Bauingenieur ausbilden lassen, und zwar in Kooperation mit der TU München. Die Polytechnische Universität Bukarest bietet die Fächer „Ingenieurwesen“ und „Wirtschaftsingenieurwesen“. Von der TU Klausenburg/Cluj-Napoca wird zusammen mit der Universität Stuttgart seit 1993 ein ingenieurwissenschaftlicher Studiengang mit Maschinenbau-Schwerpunkt auf Deutsch durchgeführt.

Wer sitzt da so in den Vorlesungen?
In den Vorlesungssälen finden sich Einheimische und Ausländer. Deutsche Schulen und Hochschulen in aller Welt erleben einen großen Zulauf. Unsere Sprache ist international sehr verbreitet. Das wissen hierzulande nur wenige. Deutsch gehört zu den vier meistgelernten und zu den zehn meistgesprochenen Sprachen weltweit.

Wie kommt ein deutschsprachiger Kurs in Südamerika, Afrika oder Asien zustande?
Das ist sehr unterschiedlich. Häufig starten Hochschulen, Unternehmer, Regierungen oder deutsche Minderheiten im Ausland die Studienangebote. Manchmal geht die Initiative aber auch von Universitäten in Deutschland oder der Bundesregierung bzw. dem DAAD aus. Der zweisprachige Studiengang „Industrieller und kommunaler Umweltschutz“ in Brasilien, die deutsche Universität in Kairo oder die Deutsch-Chinesische Hochschule an der Tongji-Universität in Shanghai haben beispielsweise ganz verschiedenartige Entstehungsgeschichten. So wurde die Tongji-Universität 1907 von einem deutschen Arzt gegründet. Bis 1952 war dort Deutsch die alleinige Unterrichtssprache aller Studiengänge. Heute kann man dort unter anderem noch Fächer wie „Fahrzeugtechnik“ oder „Gebäudetechnik“ zweisprachig studieren.

Bild: IHM-Verlagdeutschsprachige-studienangebote-weltweit-kleinBjörn Akstinat ist Leiter des Mediennetzwerkes Internationale Medienhilfe (IMH) und Autor des Buches „Deutschsprachige Studienangebote weltweit“. Das Nachschlagewerk ist als Taschenbuch und neuerdings auch als dreiteiliges E-Buch unter www.amazon.de/dp/B01N9WB804 erhältlich. Laufend aktualisierte Informationen zu ausländischen Hochschulen mit deutschsprachigen Vorlesungen lassen sich aus einer neu eingerichteten Datenbank beim IMH-Verlag abrufen. Interessierte wenden sich einfach an verlag@imh-service.de

philipp-busse-foto.256x256Das Interviewführte: Philipp Busse
Position im VDI: Junior Pressereferent
Aufgaben im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation, Social Media

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