Das war der Deutsche Ingenieurtag 2017

Wie wollen wir künftig arbeiten?

Das war er – der 28. Deutsche Ingenieurtag (DIT) mit rund 1.400 Gästen, spannenden Vorträgen und Diskussionen rund um das Thema „Arbeit 4.0“. Für Euch haben wir einen kurzen Rückblick.

Bild: VDIimg_8458

Unter dem Motto des VDI-Jahresthemas 2017 „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ trafen sich heute Gäste aus der Ingenieur-Community, Politik, Wirtschaft, Verbänden und Hochschulen in Düsseldorf zum 28. Deutschen Ingenieurtag, dem höchsten Gremium des VDI. Schwerpunkt des Abends war die Frage nach der Art und Weise, wie Menschen – nicht nur, aber insbesondere natürlich Ingenieure – in der digitalen Wirtschaftswelt arbeiten werden. Die öffentliche und politische Debatte um die Arbeit 4.0 ist meist von der Angst geprägt, nicht nur dass Roboter uns Menschen überflüssig machen, sondern auch, dass wir in der Digitalen Transformation mit Anforderungen konfrontiert werden, die niemand so schnell wie nötig erfüllen kann. Der VDI hat das Thema „Arbeit in der Digitalen Transformation“ deshalb zum Schwerpunktthema des Jahres gemacht – mit dem Ziel, die Debatte mit einer ingenieurwissenschaftlichen und berufspolitischen Perspektive ein wenig zu versachlichen. Aber auch, um deutlich zu machen, was genau denn Ingenieure in der digitalen Arbeitswelt können müssen.

„Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.” (Autor Arthur C. Clarke). Unser Video zum 28. Deutschen Ingenieurtag.

Genau das hat VDI-Präsident Prof. Ungeheuer in seiner Grundsatzrede erläutert: Ingenieure müssen noch stärker in digitalen Geschäftsmodellen denken. Es werde zunehmend wichtig, die Fähigkeit zur Entwicklung anspruchsvoller Produkte „Made in Germany“ zu ergänzen um die Fähigkeit zur Entwicklung internetbasierter Dienstleistungen. Dazu brauchen Ingenieure IT-Kenntnisse, Digital- und Medienkompetenz und auch fachfremde Kenntnisse wie BWL-, Marketing- und Business-Know-How und Methodenkenntnisse zur Geschäftsmodellentwicklung. Dazu zählen z.B. sog. Innovations-, Kreativitäts- und Szenariotechniken. All das kommt in der Ingenieurausbildung an deutschen Hochschulen derzeit zu kurz.

Ex-Google-Deutschland-Chef Christian Baudis prognostizierte in seiner Keynote diese vier Megatrends:

Außerdem findet Baudis, dass Datenschutz ein wichtiges Thema ist, aber nicht so wichtig, dass Deutschland die Digitalisierung verschlafen darf.

Und auch über den Weinbau der Zukunft hatte Baudis etwas zu sagen:

Bei unserer Podiumsdiskussion diskutierten neben VDI-Direktor Ralph Appel auch Dr. Kurt D. Bettenhausen (Siemens Corporation), Prof. Anette Weisbecker (Fraunhofer IAO), Accenture Deutschland-Chef Frank Riemensperger, Andreas Stutz (SuJ) und ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder. Wir haben ein paar Eindrücke gesammelt.

Die gesamte Podiumsdiskussion haben wir bei Facebook live gestreamt. Hier könnt Ihr sie Euch erneut ansehen.

Highlight des diesjährigen DIT war die Rede unseres Politikgasts Günther Oettinger, der in seiner vormaligen Rolle als EU-Digitalkommissar über den „Mehrwert Europas im digitalen Zeitalter“ sprach.

Von Günther Oettinger lernen wir:

Oscar-Feeling bei den „Löwen des VDI“
Oscar-Feeling kam bei der Preisverleihung zum Studierenden-Wettbewerb „Löwen des VDI“ auf, den unsere VDI Studenten und Jungingenieure selbst organisiert haben. Im Rahmen des Wettbewerbs hatten unsere Studis die Möglichkeit, in drei Kategorien ihre Ideen für die Digitalisierung des VDI einzureichen. Aus insgesamt 38 Einreichungen wurden 12 Finalisten ausgewählt, die auf der Hannover Messe vor einer hochkarätigen Jury aus haupt- und ehrenamtlichen VDI-Vertretern in jeweils zweiminütigen Pitches ihre Ideen vorstellen konnten. Die Sieger wurden heute Abend erst auf der Bühne bekannt gegeben, sodass sowohl Spannung als auch Jubel natürlich groß waren. Gewonnen haben in der Kategorie „Collaboration“ das Team „Slack Tooling“, das die bundesweite Einführung der Kommunikationsplattform Slack für die Kommunikation, Vernetzung und Zusammenarbeit von Mitgliedern/Ehrenamtlichen konzeptioniert hat. In der Kategorie „Network“ setzte sich das Team „VDI EventMatching“ durch, das eine Idee dazu präsentierte, wie sich Gäste von VDI-Veranstaltungen im Nachgang zum Event datenbankbasiert miteinander vernetzen könnten. Das Team „Werkstatt“ wählte die Jury als Siegerkonzept in der Kategorie „Offerings“ aus. In diesem Konzept geht es um die Idee einer offenen Werkstatt, in der Werkzeuge zur eigenen Nutzung und Umsetzung kreativer Ideen für Mitglieder bereitgestellt werden.

Mehr zum Wettbewerb und den Ideen gibt’s demnächst hier im Blog!

Grashof-Denkmünze und Ehrenmitgliedschaft des VDI
Geehrt wurden außerdem Dr.-Ing. Volker Kefer (61) und Prof. Dr.-Ing. Michael Schenk. Beide erhielten die Grashof-Denkmünze. Sie wird an Ingenieurinnen und Ingenieure verliehen, die sich durch außerordentliche wissenschaftliche oder berufliche Leistungen auf technischem Gebiet ausgezeichnet haben – in der Regel für ihr Lebenswerk.

Volker Kefer war langjährig als Ingenieur und stellv. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG tätig. Mit dem Ziel, grenzüberschreitende Verkehre zu realisieren und dabei die Kohärenz von Infrastruktur und Fahrzeugen auf höchstem Sicherheits- und Qualitätsniveau zu gewährleisten, hat er entscheidende Beiträge für die Harmonisierung der technischen Systeme der europäischen Eisenbahnen als Schlüsselfaktor für die Umsetzung der transeuropäischen Eisenbahnnetze und für die Zukunftsfähigkeit der Schiene im 21. Jahrhundert geleistet. Auf seine Anregung hin haben die maßgeblichen deutschen Ingenieurverbände unter Führung des VDI die Initiative „Infrastruktur der Zukunft – Gesellschaftlich tragfähige Lösungen entwickeln“ gestartet. Ergebnisse der Arbeiten im VDI sind unter anderem die Richtlinien VDI 7000 und VDI 7001.

Michael Schenk hat neben seiner Rolle als Universitätsprofessor der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg und als Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in einer ganzen Reihe von gesellschaftlichen Engagements für den Aufbau einer innovations- und zukunftsfähigen Gesellschaft in den neuen Bundesländern und für die Bundesrepublik Deutschland gewirkt. Zudem hat er Innovationen auf Unternehmensebene in zahlreichen Funktionen in Beiräten befördert und insbesondere die enge Zusammenarbeit von wissenschaftlichen Einrichtungen mit produzierenden Unternehmen persönlich vorangetrieben. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement für den Ingenieurberuf, die Stellung und Rolle des Ingenieurs in der Gesellschaft sowie die Nachwuchsentwicklung im Bereich Naturwissenschaft und Technik. Für den VDI war er langjährig in hohen Ämtern tätig.

Zudem haben wir heute Prof. Dr.-Ing. Rainer Hirschberg und Wolfgang Schröter mit der Ehrenmitgliedschaft des VDI ausgezeichnet. Rainer Hirschberg steht dem VDI seit fast drei Jahrzehnten ehrenamtlich zur Verfügung und hat hier nahezu das ganze Spektrum der ehrenamtlichen Mitarbeit innerhalb des VDI berührt. Insbesondere in seinem Amt des Vorsitzenden des Regionalbeirates legte er von Anfang an großen Wert auf die Verzahnung der regionalen mit der berufspolitischen Arbeit. Zudem war er maßgeblich daran beteiligt, dass der VDI 2008 sein neues Domizil am Flughafen Düsseldorf beziehen konnte.

Wolfgang Schröter stand dem VDI als Justitiar und Geschäftsführer beinahe 40 Jahre zur Seite und begleitete 10 Präsidenten und 4 Direktoren in ihren Ämtern. Der Fall der Berliner Mauer stellte den VDI vor die große Herausforderung, den Ingenieurinnen und Ingenieuren der neuen Bundesländer eine berufliche Heimat zu geben. Wolfgang Schröter trug entscheidend dazu bei, dass die Wiedergründung des VDI in der ehemaligen DDR eine rechtlich solide Grundlage erhielt und hatte maßgeblichen Anteil am Aufbau der VDI-Bezirksvereine in den neuen Bundesländern. Auch an der 2004 erfolgten Aufgliederung des VDI in eine VDI Gruppe war er maßgeblich beteiligt und lenkte die Zukunft des VDI sowohl in wirtschaftlicher als auch rechtlicher Hinsicht in neue Bahnen.

Bei Twitter und Facebook könnt Ihr alles vom 28. Deutschen Ingenieurtag unter dem Hashtag #dit17 nachlesen.

Autoren: Bereich Public Affairs und Kommunikation des VDI

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2 Gedanken zu “Wie wollen wir künftig arbeiten?

  1. Pingback: Keine Angst vor Arbeit 4.0: Digitale Transformation als Jobmotor für Deutschland | IT-Rebellen 

  2. Ein voll-analoges Bühnenbild für die digitale Transformation. Respekt!

    Es zeigt einen humanoiden Roboter, der von außen über Kabel mit Energie und Informationen versorgt wird. Also kein autonomer Werktätiger, ein völlig abhängiger.

    Und eine Libelle in einer Haltung, in der sie sich nicht halten könnte. Biologie scheint halt doch „ein anderes Ding“.

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