Politikveranstaltung zu SMART GERMANY

Kann die deutsche Industrie digital?

Sind deutsche Unternehmen und ihre Ingenieure ausreichend auf den digitalen Wandel vorbereitet? Das war eine Frage, die wir bei unserer gestrigen Politikveranstaltung in Berlin diskutiert haben. Insgesamt ging es um digitale Geschäftsmodelle für die Industrie. Wir haben die Veranstaltung zusamnengefasst.

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Matthias Machnig

„Das Berufsbild der Ingenieure wird sich massiv verändern.“ Mit dieser Aussage eröffnete VDI-Direktor Ralph Appel gestern Abend die VDI-Politikveranstaltung „SMART GERMANY – Digitale Geschäftsmodelle für die Industrie“ in Berlin. Der ökonomische Erfolg Deutschlands basiere vor allem auf Produkten mit dem Gütesiegel „Made in Germany“ – dahinter stehe weltweit anerkannte Ingenieurskunst, so Appel weiter. Doch etwas wird sich ändern im digitalen Zeitalter: Der Fokus des Kunden verschiebt sich immer weiter weg vom Kauf eines physischen Produkts hin zur Nutzung internet- oder digitalbasierter Services. Die Frage des Abends lautete daher, wie wir das starke „German Engineering“ weiterentwickeln können, um die deutsche Industrie fit zu machen für die digitale Ära.

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VDI-Direktor Ralph Appel

Christoph Keese, Geschäftsführer der Axel Springer Hy GmbH, warnte bereits in seinen beiden Büchern „Silicon Valley“ und „Silicon Germany“ davor, dass sich Deutschland im internationalen Vergleich auf Grund seiner mangelhaften digitalen Infrastruktur auf dem Weg zu einem digitalen Entwicklungsland befinde. In seinem Impulsvortrag gestern Abend machte er außerdem deutlich, dass digitale Plattformen wie Google, Airbnb, Uber und Co. sämtliche – bislang erfolgreiche – Geschäftsmodelle des Standorts Deutschlands in Frage stellen.

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Christoph Keese

Dem trat Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, in seiner Keynote entschieden entgegen. Der Weg von Google und Facebook werde das amerikanische Beschäftigungsproblem nicht lösen. Deutschlands industrielle Stärke, unser exzellentes Produktions-Know-how und unser Vorsprung bei Industrie 4.0 werde uns auch in der Digitalen Transformation Wettbewerbsvorteile verschaffen. Schließlich basierten, da waren sich Staatssekretär Machnig und Christoph Keese einig, digitale Plattformen nicht auf „rocket science“, sondern auf simplen technologischen Lösungen.

Auf dem Podium diskutierten anschließend neben VDI-Direktor Ralph Appel der Gründer und CEO des Start-ups predict.io, Silvan C. Rath, Dr. Joachim Bühler von Bitkom e.V. und Dr. Kurt D. Bettenhausen von Siemens über die Bedingungen für die digitale Geschäftsmodellentwicklung in Deutschland. Appel empfahl angehenden Ingenieuren, sich vor allem Methodenkenntnisse zur Geschäftsmodellentwicklung anzueignen – z.B. BWL-Know-How, Kenntnisse im Marketing und im Innovationsmanagement. Ohne diese Qualifikationen werde man als Ingenieur der Zukunft nicht bestehen können.

Zum Thema Qualifizierung sagte Bühler, die deutschen Schulen befänden sich noch immer im Kreidezeitalter und warnte gleichzeitig vor dem Bedeutungsverlust der deutschen Automobilindustrie. Wenn sich die Wertschöpfung am Fahrzeug von der Hardware zur Software verschiebe, womit verdienten deutsche Autobauer dann künftig ihr Geld? Man dürfe sich nicht darauf verlassen, dass das Geschäftsmodell der deutschen Industrie auch künftig Bestand habe. Bettenhausen mahnte vor allem die mangelnde Fehlerkultur der Deutschen an. Fehler im Prozess der Entstehung eines Produkts oder eines Services seien immer Chance für einen Erkenntnisgewinn und dürften nicht als Scheitern verstanden werden. In die deutschen Unternehmen müsse noch stärker eine „Kultur des Ausprobierens“ Einzug halten.

Rath, der die mangelnden privaten Investitionen für Start-ups am Standort Deutschland kritisierte, wies darauf hin, dass wir mehr Kundenorientierung lernen müssen. Am Ende entscheide immer die „convenience“, das heißt je simpler und schneller ein Produkt oder eine Dienstleistung in der Bedienung ist, desto eher entscheide sich der Kunde für das Produkt. Perfektion zähle immer weniger als Verkaufsargument.

Konsens bestand darin, dass dringend massiv in den Ausbau einer flächendeckend vorhandenen und schnellen digitalen Infrastruktur investiert werden müsse. Auch das sei wesentliche Bedingung für die digitale Geschäftsmodellentwicklung.

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI: Referentin politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

Kommentare & Pingbacks

3 Gedanken zu “Kann die deutsche Industrie digital?

  1. Sehr geehrte Frau Länder,

    dies ist ein sehr interessanter Beitrag. Ist dieser als Podcast, Videomitschnitt o.d.gl. verfügbar?

    Vielen Dank und beste Grüße aus München.
    Ján Bluhm

  2. Sehr geehrter Herr Bluhm, danke für Ihr Interesse an unserer Politikveranstaltung. Sie sind nicht der Erste, der nach einem Videomitschnitt, Podcast o.Ä. fragt. Leider gibt es diesmal noch keinen, aber wir nehmen uns das ganz fest für die nächste Politikveranstaltung vor. Beste Grüße aus Düsseldorf Annika Lander

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