VDI-Zertifikatslehrgang

Betriebsingenieure: Safety first!

Immer wieder geht ein Begriff durch die Tagespresse. Auch in der Politik ist er ein Top-Thema: Sicherheit! Ein Begriff, der schon seit Jahrzehnten oberste Priorität für jeden Maschinen- und Anlagenbetreiber hat, ist im Zentrum der öffentlichen Diskussion angekommen.

Bild: BASF SEBASF Ludwigshafen

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Aufrechterhaltung der Sicherheit ist eine der wesentlichen Aufgaben des Betriebsingenieurs in „seinen“ Produktionsanlagen. Der Betriebsingenieur sichert die Produktionsmenge und -qualität. Damit und auch durch Innovationen sichert er die Zukunft des Standorts. Sicherheit steht quasi in jeder nur erdenklichen Ausprägung an erster Stelle des Berufsalltags eines Betriebsingenieurs!

Viele erfahrene Betriebsingenieure, heute oft auch als Assetmanager o. ä. bezeichnet, sehen seit Jahren mit zunehmender Besorgnis, welchen Weg einzelne Firmen wählen, um junge Hoch­schul­absol­venten in den Besitz des wertvollen Erfahrungsschatzes der „Altgedienten“ zu bringen.

Im Zeitalter des Strebens nach Effizienz, sowie eines immer stärker werdenden Kosten­managements, werden gemeinsame Arbeitszeiten von Vorgänger zu Nachfolger häufig immer kürzer, oder fallen im schlimmsten Falle ganz weg. Ausführliche Übergaben finden seltener statt. Viel zu häufig bastelt sich der Neuling mit seinem Chef anschließend ein langjähriges Einarbeitungskonzept zusammen, welches den Mangel allerdings nur etwas dämpfen kann, denn es ist häufig niemend da, der die fachliche Einarbeitung in die Produktionsanlage übernehmen kann.

Eines ist dabei sicher: um einen geordneten Übergang handelt es sich in den seltensten Fällen. An dieser Stelle setzt der modular aufgebaute Zertifikatslehrgang „Betriebsingenieur VDI“ des VDI Wissensforum an.

Bild: BASF SEbetriebsingenieur_basf-se_klein„Sicherheit geht jeden etwas an, denn unsere Sicherheit ist unser höchstes Gut“, so Andreas Axt, Maintenance Engineer bei der BASF. Axt schloss Ende 2016 als erster Absolvent den Lehrgang zum Betriebsingenieur ab. „Bei dem Thema Sicherheit dürfen wir keine Kompromisse eingehen. Ansonsten bringen wir uns selbst, anderer Personen oder auch die Umwelt in Gefahr. Nur wenn wir Sicherheitsbedenken und -mängel offen kommunizieren, können wir zukünftige Ereignisse verhindern und sicher arbeiten“, erklärt Axt.

Vor Jahrzehnten beherrschte der Betriebsleiter, in der Regel Chemiker mit gutem technischem Verständnis, seinen Betrieb alleine. Ein Meister ging ihm zur Hand und koordinierte die von der Zentralwerkstatt zu erledigenden Arbeiten. Handarmaturen, viele Vorortanzeigen sowie einige wenige in einer Zentrale geführten Anzeige- und Bedienelemente waren die Regel. Bedingt durch die Steigerung der Produktionsmenge und effizientere Energienutzung kamen große Veränderungen in die Produktionsanlagen. Hinzu kam die Einführung der Prozess­leittechnik. Zunächst betreuten Fachingenieure aus dem zentralen Engineering fest zugeordnete Betriebe. Teilweise wurden auch erste Betriebstechnik-Cluster Vorort, also anlagennah, eingerichtet. Schließlich bildeten der Betriebsleiter und der Betriebsingenieur eine Ver­ant­wortungs­gemeinschaft für den Produktionsbetrieb.

Heute sind diese beiden das wesentliche Glied in der physikalischen Produktionskette, umgeben durch zahllose Unterstützer und Zuarbeiter. Beginnend bei Produktionsplanung/Supplychain und deren enger Verzahnung mit dem Assetmanagement hat jedes Unternehmen in großer Anzahl Supportfunktionen aufgebaut. Stichworte sind HSE, IT, Qualitäts­management, Procurement, Produktionscontrolling, Human Resources u.v.a., deren Wirken so gut wie immer auf Betriebsleiter und Betriebsingenieur abzielt. Insbesondere letzterer ist dabei zunehmend im Fokus, da ihm in der Regel die Verantwortung des Produktionsequipments obliegt. Diese Supportfunktionen beanspruchen in zunehmendem Maße das knappste Gut des Betriebsingenieurs: seine Arbeitszeit.

„Vor Beginn jeder Arbeit muss es eine persönliche Gefährdungsbeurteilung sowie eine Sicherheitsbetrachtung geben. Dabei wird analysiert, welche Gefährdungen die anstehende Arbeit mit sich bringt und welche Gegenmaßnahmen im Ereignisfall nötig sind. Diese Absprachen werden schriftlich festgehalten. So machen wir uns immer wieder bewusst, wie wichtig das Thema Sicherheit ist und dass wir sensibel damit umgehen müssen“, erläutert Axt und betont dabei: „Es ist wichtig, dass wir als Betriebsingenieure diese Aufgabe eigenständig angehen. Wir sollten uns jedes Mal aufs Neue fragen, wie wir unsere Aufgaben sicher ausführen bzw. noch sicherer machen können.“

Gerade hierfür war das Pflichtmodul 3 ‚Instandhaltungsmanagement‘ des Lehrgangs zum Betriebsingenieur eine große Hilfe. Ich konnte dort mein Wissen über grundlegende Sicherheitsregeln und Gesetzesgrundlagen zu Sicherheitsvorschriften vertiefen. Gleichzeitig habe ich neue Methoden kennengelernt und Einblicke in weitere, nicht alltägliche Sicherheitsthemen erhalten. Ich bin mir sicher, dass ich auch in Zukunft meine Seminarunterlagen noch oft als wertvolles Nachschlagewerk nutzen werde“, so das Fazit von Axt.

Der Zertifikatslehrgang des VDI Wissensforum bietet eine sehr gute Ergänzung zur betrieblichen Ausbildung. Das in der betrieblichen Praxis erlebte Vorgehen wird nachvollzogen, ergänzt, kritisch beleuchtet und stärkt die wesentlichste Kompetenz des jungen Betriebs­ingenieurs: Seine Selbstsicherheit im Tagesgeschäft.

Mona RemmelBei Interesse bitte melden bei: Mona Remmel
Position im VDI: Veranstaltungsorganisation beim VDI Wissensforum
Aufgabe im VDI: Beratung und Betreuung der Lehrgangs-Teilnehmer, Organisation der Zertifikats-Lehrgänge
Kontaktdaten: remmel@vdi.de, 0211/6214-606

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Ein Gedanke zu “Betriebsingenieure: Safety first!

  1. Vielen Dank für den Beitrag. Sicherheit sowohl der eigenen Mitarbeiter wie auch der Mitarbeiter von Fremdfirmen steht bei allen großen Betrieben in der Chemie- und Stahlindustrie ganz oben auf der Agenda. Der Jahresrückblick startet häufig mit einer Betrachtung der sicherheitsrelevanten Kennzahlen wie Unfälle oder sog. „near misses“ (Beinahe-Unfälle). In vielen Betrieben werden Mitarbeiter angehalten monatliche Reports zu ihrem eigenen Sicherheitsverhalten zu verfassen oder mögliche Sicherheitsmängel proaktiv zu melden. Die Zahl der verfassten Reporte fließt nicht selten in die Zielvereinbarungen ein und hat auch Einfluss auf die Höhe des Jahresbonus‘. Es ist schade, dass Studierende an deutschen Hochschulen nach wie vor ziemlich wenig auf dieses Sicherheitsdenken vorbereitet werden. So ist dann die Unfallrate unter den „Frischlingen“ von der Uni meist deutlich höher.

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