Pflanzen- statt Keimwachstum

Trinkwasserhygiene bei der Gartenbewässerung

Für einen gepflegten Rasen und eine farbenfrohe Blütenpracht braucht es neben einem grünen Daumen vor allem eines: eine ausreichende Bewässerung. Warum beim Gießen mit dem Schlauch auch die Wasserhygiene stimmen muss, erklärt dieser Beitrag.

Bild: Le Do/shutterstock.comrichtlinie-vdi-6023_hygiene_gartenbewaesserung_t11_702x363

Wer einen kleinen Garten hat und seine Pflanzen ausschließlich mit der Gießkanne und Wasser aus der Regentonne gießt, muss sich über die Trinkwasserhygiene bei der Gartenbewässerung keine Gedanken machen. Sobald die Bewässerung jedoch über ein Bewässerungssystem oder einen Schlauch erfolgt, müssen mehrere Punkte beachtet werden, um die Trinkwasserhygiene nicht negativ zu beeinträchtigen und die eigene Gesundheit nicht zu gefährden. Der Grund dafür sind Legionellen.
Während Legionellen in der Natur in fast allen Gewässern, aber nur in geringen Mengen vorkommen, finden sie in unseren häuslichen Trinkwasser-Installationen geradezu ideale Bedingungen für eine übermäßige Vermehrung. Trinkwasser ist ja nicht steril und muss es auch nicht sein: Eine bestimmte Konzentration von Bakterien verträgt ein gesunder Mensch ohne Probleme; erst wenn bei einer Probenanalyse ein Wert von 100 Legionellenkolonien in 100 ml Wasser überschritten wird, ist nach der Trinkwasserverordnung Grund zur Besorgnis gegeben. Ein wichtiger Faktor für die Besiedelung mit Keimen ist die Temperatur innerhalb des Wassersystems, da sich Legionellen in einem Temperaturbereich zwischen 25 °C und 45 °C optimal vermehren können. Auch Ablagerungen begünstigen die Legionellenvermehrung. In Leitungsteilen mit zu geringer oder fehlender Durchströmung führen sie dazu, dass sich Bakterien besser „festhalten“ können, indem sie einen Biofilm bilden. Ist der erst einmal da, siedeln sich alle möglichen Bakterien darin an. Im alten Schlauch, der in den Sommermonaten nach Gebrauch nicht entleert und schön in der Sonne liegen gelassen (= bebrütet) wurde, wimmelt es also nur so von Keimen aller Art. Und die können gesundheitlichen Schaden verursachen, beispielsweise wenn sie beim Versprühen des Wassers eingeatmet werden – die bisher einzig beobachtete Möglichkeit, wie es zu einer Legionelleninfektion kommen kann. So kann also nicht nur das Gießen mit dem Schlauch, sondern auch eine Gartendusche gefährlich werden, wenngleich die Abkühlung im Sommer sicher angenehm ist.

Stagnation und Rückfluss verhindern, Trinkwasser absichern

Es kommt im Grunde also auf zwei Dinge an: Zum einen muss Stagnation in den Leitungen vermieden werden, damit die darin angesammelten Legionellen beim Gießen mit dem Schlauch (vor allem direkt nach dem Aufdrehen des Wassers) uns nicht in eine gefährliche Sprühnebelwolke einhüllen. Zum anderen muss verhindert werden, dass Legionellen mit dem im Schlauch befindlichen Wasser zurück in die Hausinstallation gedrückt oder gesaugt werden können. Dies wird erreicht, indem Schläuche – eigentlich alle Nicht-Trinkwasser-Installationen – nicht direkt an der Hausinstallation hängen, sondern über eine Sicherungseinrichtung nach DIN EN 1717 abgesichert sind.

Nicht-Trinkwasser ist auch alles Wasser, das zwar aus dem Trinkwassernetz kommt, aber nicht spätestens nach 72 Stunden vollständig erneuert wird – beispielsweise das Wasser in einer Stichleitung, an deren Ende ein selten benutzter Wasserhahn (wie ein) Gartenanschluss angebracht ist. Selbst dann, wenn die Stichleitung zum Gartenanschluss noch so kurz ist. Denn auch wenn Sie im Sommer Stagnation verhindern, im Winter stagniert das Wasser in der Stichleitung. Denn wer spült auch im Winter regelmäßig? Wenn in einer solchen Stichleitung erst einmal ein Biofilm ist, dann „impft“ dieser immer wieder das gesamte System mit Keimen, weil immer wieder am T-Stück, wo die Stichleitung abzweigt, ein paar Keime in den durchflossenen Teil gelangen. Die Folge: Wenn Sie eine Stichleitung im System haben, können Sie es praktisch nicht mehr desinfizieren. Die Absicherung nach DIN EN 1717 ist übrigens auch ein Muss bei automatischen Bewässerungsanlagen. Mit ihnen lässt sich zwar durch die Zeitsteuerung für einen regelmäßigen Durchfluss sorgen und Stagnation zuverlässig verhindern, das Problem mit dem Rückdrücken ist aber auch hier gegeben.

Aber wie kann es zum Zurücksaugen kommen? Auf der Leitung ist doch Druck.

Normalerweise ja, aber die Trinkwasser-Installation ist für eine bestimmte mittlere Nutzung ausgelegt. Dass beispielsweise in einem Mietshaus alle Toiletten gleichzeitig gespült werden oder alle Spülmaschinen gleichzeitig Wasser entnehmen, ist extrem unwahrscheinlich. Würde man die Leitungen auf diesen „GAU“ hin auslegen, würden sie viel Wasser enthalten, das also lange braucht, bis es ausgetauscht wird. Also legt man Leitungen so dick wie nötig, aber so knapp wie möglich aus. Wenn es jetzt doch einmal zu untypisch hoher gleichzeitiger Entnahme kommt, fällt der Druck in der Hausinstallation kurzzeitig ab, es kann dazu kommen, dass im Gartenschlauch kurzzeitig ein höherer Druck vorliegt als in der Leitung – und dann wird „Gammelwasser“ zurückgesaugt.

Die zuverlässige Absicherung durch Systemtrenner, die in aller Regel mechanisch arbeiten, ist jedoch nur dann dauerhaft gegeben, wenn sie entsprechend regelmäßig instand gehalten werden.

Instandhaltung ist eine Fleißaufgabe, aber keine Kür

Die Pflicht zur Instandhaltung von Trinkwasser-Installationen setzt nicht erst dann ein, wenn mit Verschleißerscheinungen zu rechnen ist, sondern besteht grundsätzlich. Das stellt die Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) fest und beschreibt die Richtlinie VDI 6023 „Hygiene in Trinkwasser-Installationen“ konkret. Laut ihr sind für jede Anlage und jeden Apparat die Instandhaltungsklassen A, B oder C festzulegen. Festgestellte Mängel sind hinsichtlich der von ihnen ausgehenden Gefährdung zu bewerten. Neben Hinweisen zur Erarbeitung eines Instandhaltungsplans beinhaltet die Richtlinie im Anhang Informationen über die mikrobiologische und die chemisch-physikalische Trinkwasserbeschaffenheit, die auf der Trinkwasserverordnung aufbauen.

Wasser sparen?

Vor dem Hintergrund der aktuell vom UBA herausgegebenen Meldung, dass Trinkwasser teurer werden wird, liegt der Gedanke nahe, den Wasserverbrauch zu drosseln, indem man beispielsweise Regenwasser nutzt. In diesem Fall ist aber die Trinkwasser-Installation von vornherein für die sparsamere Entnahme zu dimensionieren. Die Nutzung von sogenanntem Betriebswasser – dazu zählt alles, was nicht Trinkwasser ist, darunter auch Niederschlagswasser – beschreibt die Richtlinie VDI 2070. Die Nutzung ist allerdings nur für ganz bestimmte Zwecke, beispielsweise zur Toilettenspülung, nicht aber zum Abwaschen von Geschirr zulässig. Laut Trinkwasserverordnung muss das Wasser für den menschlichen Gebrauch und/oder zur Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß mit Lebensmitteln in Berührung kommen, auch wenn es aus nicht ortsfesten Anlagen stammt, bestimmte mikrobiologische und chemische Anforderungen erfüllen. Diese Forderung ist nur zu gewährleisten, wenn alle mit dem Trinkwasser in Berührung kommenden Teile mindestens die allgemein anerkannten Regeln der Technik erfüllen. Das bedeutet im Fall von Schläuchen beispielsweise, dass sie aus trinkwassergeeignetem, undurchsichtigem Material bestehen müssen und keine Beschädigungen aufweisen dürfen. Das Umweltbundesamt (UBA) führt eine Liste von Kunststoffen, die für Trinkwasser geeignet sind. Schläuche sollten darüber hinaus nach DVGW W 270 geprüft sein.

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Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs

Kommentare & Pingbacks

8 Gedanken zu “Trinkwasserhygiene bei der Gartenbewässerung

  1. Dieser Artikel ist hervorragend verständlich geschrieben. Aber woher haben Sie, Fr. Lindner, die ganzen Information zusammengetragen? Können Sie, bitte, ihre Referenzen / Literaturquellen offenlegen?! Das wäre wirklich nützlich. Danke!

    • Viele Informationen stammen direkt aus der Richtlinie. Eine sehr gute Quelle zu diesem Thema war für mich Thomas Wollstein (Technisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, Betreuer Fachbereich Facility-Management, Mitarbeit im Fachbereich Technische Gebäudeausrüstung).
      Schöne Grüße
      Iris Lindner

    • Lassen Sie’s!

      Rein theoretisch könnte man natürlich Schläuche chemisch desinfizieren, aber das lohnt bei Schläuchen zur Gartenbewässerung nicht. Der Gartenschlauch ist eine Nicht-Trinkwasser-Installation, die nur mit einer Sicherungseinrichtung an die Trinkwasser-Installation angeschlossen werden darf. Dann brauchen Sie auch nicht zu desinfizieren, denn den Pflanzen machen die Keime nichts aus.

      Hängt an dem Schlauch eine Dusche, müssen Sie ihn hygienisch einwandfrei HALTEN. Am einfachsten geschieht das durch regelmäßiges Spülen: Bewässern Sie jeden zweiten oder dritten Tag Ihren Garten durch den Schlauch, um das Wasser immer wieder auszutauschen. Bevor jemand die Gartendusche benutzt, spülen Sie den Schlauch zusätzlich ausführlich. Nach dem Duschen lassen Sie Schlauch und Gartendusche leerlaufen, damit beide möglichst wenig Stagnationswasser enthalten.

  2. Ein sehr interessanter Beitrag! Im Alltag bedenkt man solche Themen oft nicht, obwohl es sehr sinnvoll ist sich darüber zu informieren. Gerade Trinkwasser und Bewässerung ist ein zentrales Thema der heutigen Gesellschaft, egal ob im privaten Garten oder in öffentlichen Betrieben.
    Vielen Dank für die Veröffentlichung dieses informativen Textes!

    Ciao Lena.

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