Mit VDI-Lehrgang erfolgreich die Produktion von morgen leiten

Produktionsleiter VDI

Herr Prof. Ruhbach war vor seiner Zeit als Studiengangleiter der Produktionstechnik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg über viele Jahre Produktionsleiter bei der Robert Bosch GmbH. In seiner jetzigen Tätigkeit sowie in beratender Funktion arbeitet er mit über hundert Partnerunternehmen zusammen, von denen die wenigsten über Konzerngröße verfügen. Herr Prof. Ruhbach nimmt uns mit in die Welt des Produktionsleiters.

Bild: C. Ed. Schulte GmbH Zylinderschlossfabrikwf_produktionsleiter-ces_kernfertigung

Was waren Ihre Höhepunkte und Erfahrungen in Ihrer beruflichen Laufbahn und was veranlasste Sie dazu, den Lehrgang bei der Entwicklung und Betreuung zu unterstützen?
Unabhängig von der Unternehmensgröße sind die Höhepunkte – im Sinne exzellenter, fast vorbildlicher Abläufe und Problemlösungsbeispiele – in einer solchen Anzahl vorhanden, dass ich kein Highlight herausheben möchte. Noch häufiger aber sind erhebliche Potenziale vor allem innerhalb der Produktionsabläufe und den zugeordneten Supportprozessen zu erkennen. Dabei ist es weniger die fehlende Fähigkeit, diese zu erkennen, als vielmehr das geringe Umsetzungsvermögen, das dem externen Betrachter auffällt und zum Nachdenken anregt. Es ist auch nicht verwunderlich und vollkommen nachvollziehbar, dass die Vielfältigkeit und Menge der Probleme gelegentlich an die Grenze der Überforderung der Organisation führt. Diese Situation hat wohl jeder Produktionsleiter schon einmal erlebt. Wenn das manchmal auch kaum vermeidbar ist, so kann man sich darauf vorbereiten und diese Phasen durch systematische Ansätze, Priorisierung und Fokussierung wenigstens reduzieren oder abschwächen und bestenfalls sogar in agile Stärke transformieren. Der Produktionsleiter muss dazu über Kenntnisse der Gesamtzusammenhänge verfügen, die über die Grenzen seines Bereiches hinausgehen. Genau das ist die Motivation für den Lehrgang und genau damit kann der VDI den Unternehmen helfen.

Wie sehen Sie die aktuelle Stellung des Berufsbildes des Produktionsleiters im industriellen Markt?
Betrachtet man die Produktionsbereiche von Unternehmen mit mittlerer bis hoher Wertschöpfung, so werden schnell eine Vielzahl von Extremen offensichtlich. Üblicherweise sammelt sich im Produktionsbereich das größte Anlagevermögen, die größte Mitarbeiterzahl, der höchste Energieeinsatz und die größten Ansprüche an Arbeitssicherheit. Dies sind nur einige Punkte einer langen Liste. Auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen genügt es in einem Umfeld, in dem wir in Prozessabläufen und Standards denken, nicht mehr nur fachlich kompetent zu sein. Diese Eigenschaft ist in solchen Unternehmen oft als deutliche Stärke zu erkennen. Dazu kommen aber die notwendigen Fähigkeiten, wirtschaftliche Zusammenhänge zu begreifen, Strategien zu entwickeln und umzusetzen und Veränderungsprozesse zu gestalten. Schlüsselwörter sind hier z. B. Methoden- und Führungskompetenz. Wir benötigen also einerseits sozialkompetente Generalisten, andererseits aber Menschen mit so großem Fachwissen, dass Entscheidungen auf Wissensbasis getroffen werden können, und das auch noch schnell. Keine leichte Aufgabe.

Bild: Thomas Ernsting /LAIFindustrie-006_image_320pxWas kann Ihrer Meinung nach getan werden, um qualifizierte Fachkräfte in die Unternehmen zu bringen?
Die einfachste Möglichkeit, ist jemanden einzustellen, der alle Anforderungen erfüllt. Das funktioniert aber nur selten. Dies veranlasst die Unternehmen dazu, Mitarbeiter durch gezielte innerbetriebliche Weiterentwicklung zu schulen und auch langfristig an sich zu binden. Häufig sind aber die oben genannten Fähigkeiten in hochspezialisierten Unternehmen auch bei der innerbetrieblichen Auswahl nicht im Fokus oder nur zu einem kleinen Teil verfügbar. Es ist auch kaum erwartbar, dass jemand alle Skills vollständig erfüllt. Eine ständige Weiterentwicklung durch Coaching „on the job“ und durch Nutzung geeigneter Qualifizierungsmaßnahmen ist somit erforderlich und mit überschaubarem Aufwand und entsprechender Fokussierung auch möglich. An diese Überlegung setzt auch der VDI-Lehrgang an.

Wie setzt sich der Lehrgang zusammen?
Der Lehrgang Produktionsleiter VDI besteht aus vier Pflicht- und drei Wahlmodulen. Diese zweitägigen Seminare werden mehrmals jährlich angeboten und bieten daher eine hohe Flexibilität. Die Teilnehmer können jederzeit einsteigen und den Besuch der Seminarmodule Ihrem Arbeitsprozess anpassen. Die Pflichtmodule beinhalten die Themen „Der Produktionsleiter im Spannungsfeld von Technik und Management“, „Führen von Produktionsteams“, „Produktionsmanagement“ sowie „Qualitätsmanagement und juristisches Basiswissen“. Mit der Auswahl aus sechs Wahlpflichtmodulen legen die Teilnehmer ihren individuellen und persönlichen Schwerpunkt, z. B. in den Bereichen Produktionscontrolling, Wertstromdesign, Projektmanagement, IT-Sicherheit oder BetrSichV in der Instandhaltung. Nach Abschluss aller Module können die Teilnehmer optional an einem Prüfungsvorbereitungskurs teilnehmen, um anschließend die Zertifikats-Prüfung in einem mündlichen und einem schriftlichen Teil zu absolvieren.

An wen richtet sich der Lehrgang und welche beruflichen Vorteile haben die Absolventen?

Bild: VDI/ Catrin Moritz

Der Zertifikatslehrgang „Produktionsleiter VDI“ richtet sich an produzierende Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette aller Branchen, insbesondere aus Maschinen- und Anlagenbau, Fahrzeugindustrie und Zulieferindustrie. Ansprechen möchten wir technische Fach- und Führungskräfte, die bereits erste Berufserfahrung in der Produktion oder produktionsnahen Bereichen erworben haben und in deren Leitung einsteigen möchten oder vor kurzem eingestiegen sind. Darüber hinaus sind alle Ingenieure und technischen Führungskräfte angesprochen, die für die Ausübung ihrer Tätigkeit oder im Rahmen ihrer beruflichen Weiterentwicklung Kenntnisse sowie eine aussagekräftige Zertifizierung im Bereich der Produktion erwerben möchten. Zusammengefasst also besonders künftige Produktionsleiter, Leiter der Herstellung, Leiter der Logistik, Montageleiter sowie technische Leiter.

Da uns bewusst ist, dass die Potenzialträger gerade in mittelständischen Unternehmen häufig nicht über eine Ingenieurqualifikation verfügen, haben wir uns explizit entschieden, dieses auch nicht zur Voraussetzung zu machen. Zulassungsbedingung zum Lehrgang ist daher eine mindestens dreijährige Berufserfahrung in der Produktion oder im produktionsnahen Bereich zum Zeitpunkt der Zertifikatsprüfung. Die Teilnehmerqualifikation wird bei der Anmeldung durch den VDI geprüft. Weitere Voraussetzung für die Teilnahme an der Zertifikatsprüfung ist der Besuch von vier Pflicht- und drei Wahlpflichtmodulen. Durch die Expertise und langjährige betriebliche Tätigkeit der Referenten erhalten die Teilnehmer in kompakter Form Zugang zu eigens zugeschnittenem Erfahrungswissen, das sie an einer Hochschule bzw. Universität in dieser Weise nicht vermittelt bekommen. Die intensive Vernetzung und der Austausch mit den anderen Lehrgangsteilnehmern ermöglicht auch über den Abschluss des Zertifikatlehrgangs hinaus einen perfekten Zusatznutzen.

Wie lange dauert es, den Lehrgang zu absolvieren?
Die flexible Gestaltung der Seminarbesuche erlaubt es jedem Teilnehmer selbst festzulegen, in welchem Zeitraum er den Lehrgang absolvieren möchte oder kann. Lässt es die Arbeit oder das Privatleben gerade nicht zu, kann der Teilnehmer ruhig ein paar Monate pausieren und die noch fehlenden Module später absolvieren. Die Zertifikatsprüfung sollte jedoch spätestens zwei Jahre nach der Anmeldung abgelegt werden.

Mehr Informationen unter: www.vdi-wissensforum.de/lehrgaenge/produktionsleiter-vdi/

Weitere Fragen zum Lehrgang? Kontaktieren Sie mich gerne unter remmel@vdi.de oder Tel.: 0211/ 6214-606

Mona RemmelDas Interview führte: Mona Remmel
Position im VDI: Veranstaltungsorganisation beim VDI Wissensforum
Aufgabe: Beratung und Betreuung der Lehrgangs-Teilnehmer, Organisation der Zertifikats-Lehrgänge

 

 

 

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