Wir sind VDI / September 2017

Logistik und Austausch mit anderen

Was können wir aus der Natur lernen? Wie beeinflusst die digitale Transformation die Logistik? Unser VDI-Mitglied Professorin Katja Windt erzählt uns, welche Rolle ihr Verein für sie spielt.

Bild: Jacobs UniversityProf. Dr.-Ing. Katja Windt President and CEO, Jacobs University Bremen, 5/2014Prof. Dr. Windt, bitte stellen Sie sich in 140 Zeichen kurz vor.
Mein Name ist Katja Windt, ich bin Professorin für Produktionslogistik und seit 2014 Präsidentin der Jacobs University in Bremen.

Seit wann sind Sie im VDI und warum sind Sie damals eingetreten?
Dem VDI bin ich während meines Maschinenbaustudiums beigetreten und bin bis heute überzeugtes Mitglied. Denn je komplexer die Fragestellungen, denen sich Ingenieure widmen, desto wichtiger ist der Austausch untereinander. Deshalb engagiere ich mich auch im Kuratorium des Bremer VDI-Bezirksvereins.

Was bedeutet es für Sie, Ingenieurin zu sein?
Technische Abläufe zu ergründen, zu optimieren oder neu zu entwickeln ist etwas Faszinierendes für mich. Besonders dann, wenn man dieses Wissen mit Erkenntnissen aus anderen Bereichen verknüpfen kann. Im Gespräch mit einem Systembiologen ist mir zum Beispiel klar geworden, wieviel wir als Ingenieurwissenschaftler von der Natur lernen können – auch und gerade in meinem Fachgebiet, der Logistik. So haben wir in einem gemeinsamen Forschungsprojekt herausgefunden, dass der Stoffwechsel von Zellen komplexe logistische Aufgaben erfolgreich bewältigt, woraus sich neue Erkenntnisse für  Logistikunternehmen ableiten lassen.

Inwieweit beeinflusst die digitale Transformation Ihre Arbeit?
Für die Logistikwissenschaft ist diese Zeit enorm interessant. Maschinen werden nicht mehr nur gesteuert, sie interagieren miteinander, tauschen Informationen aus und greifen dynamisch in die Planung und Steuerung der Produktion ein. Als Universitätspräsidentin ist es mir vor allem ein Anliegen, dass wir junge Menschen bestmöglich auf eine Arbeitswelt vorbereiten, in der viele komplexe Aufgaben von Maschinen erledigt werden. Umso wichtiger ist es, dass wir als Universität spezifisch menschliche Fähigkeiten fördern, die sich auf dem Arbeitsmarkt nicht maschinell ersetzen lassen: Neugier, Kreativität, Empathie, Selbstreflexion. Das sind entscheidende Voraussetzungen, um den Wirkungsgrad der eigenen Fachkompetenz zu erhöhen.

Bild: Petinov Sergey Mihilovich/Baloncici/shutterstock.com)logistik_fahrerlos

Welche Rolle spielt für Sie der VDI?
Für mich persönlich ist der VDI eine wichtige Austauschplattform und für unsere Jacobs University ein bedeutender Partner. Schließlich veranstalten wir mit dem VDI ein Summercamp, an dem jedes Jahr rund 100 Schülerinnen und Schüler aus aller Welt teilnehmen. Dieses Camp ist eine gute Antwort auf den oft beklagten Nachwuchsmangel in den MINT-Fächern. Junge Menschen werden hier auf lockere Art mit wissenschaftlichen Themen und der Arbeit an einer Uni vertraut gemacht. Sie erleben, wie Neugier sie zu neuen Erkenntnissen bringt – eine motivierende Erfahrung.

Was wünschen sie sich in Zukunft vom VDI?
Ich wünsche mir, dass er ein Forum für den Austausch zwischen Menschen in technischen Berufen bleibt. Mit Blick auf Themen wie Digitalisierung und dem damit verbundenen Data Engineering bin ich mir sicher, dass uns der Gesprächsstoff auch in den kommenden Jahrzehnten nicht ausgehen wird. In diesem Zusammenhang halte ich es für wichtig, dass der VDI auch verstärkt den Austausch mit Experten aus anderen Fachdisziplinen sucht, insbesondere aus den Sozialwissenschaften. Denn ohne einen solchen Blick über den Tellerrand hinaus können wir das Potential der Digitalisierung nicht ausschöpfen.

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