Der Ingenieur in der Digitalen Transformation

„Ein Maschinenbauingenieur kommt heute nicht mehr ohne Elektronik aus, und die wiederum nicht ohne IT.“

Die Reihe „Der Ingenieur in der Digitalen Transformation“ setzen wir diese Woche fort mit einem Interview mit Dr. Thorsten Pötter vom Life Science Unternehmen Bayer AG. Herr Pötter, Leiter des Bereichs „Manufacturing Intelligence & Execution Systems“ im Geschäftsbereich Engineering & Technology, gab uns spannende Antworten zum Thema Ingenieure in der digitalisierten Arbeitswelt.

Bild: Matej Kastelic/shutterstock170203_vdi_sg17-kampagne_702x363-v1_blog_beitragsbild
Bitte beschreiben Sie kurz Ihre Tätigkeit bei Bayer. Wie genau sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich arbeite seit 26 Jahren bei Bayer und verantworte heute im Geschäftsbereich Engineering & Technology die Abteilung „Manufacturing Intelligence & Execution Systems“. Dabei geht es um IT in der Herstellung und Produktion. Wir konzipieren, entwickeln und betreuen umfassende betriebsunterstützende Systeme für unsere weltweiten Anlagen. Ein wesentlicher Teil meines Arbeitsalltags besteht aus Krisenmanagement, Zuhören und darin, in Problemsituationen die richtigen Fragen zu stellen und Lösungen zu finden. Die „normalen Dinge des Lebens“ managt die Organisation. Ich bin eigentlich immer gefragt, wenn Veränderungen anstehen, etwas schiefgeht oder wenn wir irgendwo justieren müssen. Entsprechend füllen Besprechungen mit Kollegen und unseren Partnern in Produktion und IT meinen Kalender. Denn hinter allen Systemen und jeder IT stecken wir, die Menschen.

Hat Sie Ihr Studium ausreichend auf die Anforderungen der Digitalen Transformation vorbereitet?

Ein klares Ja! Denn auchBild: Bayer AGpoetter_thorsten_blogt wenn mein Studium ein paar Jahrzehnte zurückliegt, bringen wir, vielleicht auch unbewusst, eine ganze Menge mit. Es war damals die Zeit, als der PC Einzug erhalten hat. Ich habe theoretische Chemie studiert und damit waren Rechner und Netzwerke – Bausteine der digitalen Transformation – unser Werkzeug, um z.B. Vorschläge zum Moleküldesign aufzuarbeiten. Am Ende des Tages ist „digital“ alles, was in der binären Sprache abgebildet werden kann – den berühmten Nullen und Einsen. Wie auch heute in unseren Produktionssystemen. Es geht immer darum, die richtige Sprache zu finden, damit alles läuft.


Welchen Reformbedarf sehen Sie in der aktuellen Ingenieurausbildung in Deutschland – insbesondere im Hinblick auf den Erwerb von Fähigkeiten und Kenntnissen für die Digitalisierung?

Erstens: Ich glaube wir müssen kontinuierlich an der Geschwindigkeit arbeiten, mit der wir Veränderungen betreiben. Das, was heute digital möglich ist, aufgreifen, es verstehen und aktiv mit ihm umgehen. Digitale Geräte und Lösungen, die in unserem Privatleben selbstverständlich dazugehören, in unser Produktionsumfeld hineinbringen und in die Ingenieursausbildung integrieren. Zweitens: Wo wir ständig dazulernen, müssen wir auch darüber nachdenken, was in der aktuellen Ausbildung überholt ist und wegfallen könnte. Nehmen wir die Lernstruktur: Warum muss ich alles lernen, wenn ich mein Wissen doch in den Fingern trage, also in dem Moment, in dem ich Informationen tatsächlich brauche, sie nachschlagen kann.

Vielmehr müssen wir unsere Fähigkeit bewahren und ausbauen, Informationen sehr schnell zu greifen, zu analysieren und dann praktisch zu nutzen. Denn viele Situationen, die wir an Produktionsstandorten vorfinden, sind neu und muss komplett neu bewertet werden. Wichtig ist auch die Fähigkeit, sich für Problemlösungen und neue Ansätze enorm schnell mit anderen zu vernetzen und über die klassischen Disziplinen hinaus zu gehen: Ein Maschinenbauingenieur kommt heute nicht mehr ohne Elektronik aus, und die wiederum nicht ohne IT.

Welche Tipps würden Sie einem jungen Ingenieurstudenten mit auf den Weg geben?

Sich bewusst sein der Dinge, die man tut und sich überlegen, welche Rolle man gerne einnehmen möchte. Entweder in einem Themengebiet Experte sein und das Letztmögliche herauskitzeln. Oder der Generalist und in der Lage, das Allgemeine zu orchestrieren, die verschiedenen Disziplinen zusammenzubringen, zuzuordnen und erste Ideen zu entwickeln, wenn etwas nicht funktioniert.

Wie ist Deutschland Ihrer Meinung nach in der Digitalisierung / Automation und im Bereich Industrie 4.0 aufgestellt? Wo sehen Sie den größten Nachholbedarf und Handlungsdruck?

Meiner Meinung nach ziemlich gut, denn wir haben diese Entwicklung in Deutschland einfach erfunden. Erst den Begriff prägen und dann mit Leben füllen, ist zwar eine untypische Vorgehensweise für uns Deutsche, ist aber gut gelaufen. Nachholbedarf haben wir meiner Meinung nach eher bei dem Thema, wie wir mit unseren Daten umgehen. Hier könnten wir wie unsere Skandinavischen Nachbarn ruhig etwas mehr auf die Chancen als immer nur auf die Risiken schauen, wenn es um Offenheit und Transparenz im Netz geht. Wie beispielsweise die Veröffentlichungen von Steuererklärungen.

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI: Referentin Politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

 

 

 

6490-dit-2007-key-visual-smart-germany-vdi-blog-702x363pxDie Interviewreihe im Rahmen des VDI-Jahresthemas „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ beleuchtet den Einfluss der Digitalisierung auf das Berufsbild Ingenieur. Wie arbeiten Ingenieure in der digitalisierten Arbeitswelt? Weitere Informationen zu #Arbeit40 finden Sie unter http://www.vdi.de/arbeit40.

Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “„Ein Maschinenbauingenieur kommt heute nicht mehr ohne Elektronik aus, und die wiederum nicht ohne IT.“

  1. Es stimmt, auch im Maschinenbau wird die Technik immer wichtiger. Selbst wenn man mit dem Auto in die Werkstatt geht, sind es meistens technische Probleme. Ich denke auch, dass in der heutigen Zeit man sich nicht nur mit dem Maschinenbau sonder auch mit IT auskennen muss.

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