Der Ingenieur in der Digitalen Transformation

„In der digitalen Welt gilt learning by doing!“

Wie verändert die Digitale Transformation das Berufsbild der Ingenieure? Wie verändern sich Unternehmen selbst? Wir haben in unserer neuen Reihe „Der Ingenieur in der Digitalen Transformation“ mit der TÜV SÜD AG gesprochen, die eigens den Posten eines Chief Digital Officer geschaffen hat. Seit Mai 2016 übt diesen Posten Dr. Dirk Schlesinger aus.

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Herr Schlesinger, warum gibt es beim TÜV SÜD einen Chief Digital Officer (CDO) und was ist Ihre Aufgabe?

Die Position des CDO beim TÜV SÜD wurde ins Leben gerufen, um die Vielfalt an digitalen Initiativen zu kanalisieren und zu beschleunigen und um gleichzeitig neue Geschäftsfelder zu finden, die das Vertrauen in die Marke TÜV und die 150 Jahre Ingenieurs-Expertise dazu nutzen, die zur Zeit stattfindende vierte industrielle Revolution (Industrie 4.) mitzugestalten. Meine täglichen Herausforderungen sind daher vielfältig – vom Aufbau des vor einem Jahr gestarteten ‚Digital Service Teams‘ über die Leitung von Co-Development Projekten bei und mit dem Kunden bis hin zu Strategiediskussionen mit anderen Bereichen des TÜV SÜD. Dabei geht es durchaus ‚global‘ zu – es gibt ein TÜV SÜD Center of Excellence for Digital in München, eines in Singapur und ein weiteres wollen wir demnächst in den USA aufbauen.

Wie sieht der Arbeitsalltag von Ingenieuren in der Digitalen Transformation aus?

In Zukunft werden immer mehr ProzeBild: TÜV Südschlesinger_dirk_wpsse bei Inspektions- und Prüfungstätigkeiten digitalisiert ablaufen. Nicht nur bei der Planung der Arbeit oder ihrer Niederschrift und bei der Auswertung der Ergebnisse – das ist ja heute schon so. Sondern fundamental, d.h. wie solche Prüfungen ablaufen. Stellen Sie sich ein Auto vor, so wie es jetzt gerade bei den großen Automobilherstellern geplant wird. Das Fahrzeug wird nicht nur (teil-) autonom fahren, sondern auch eine Vielzahl von Sensordaten liefern, die Rückschlüsse auf seine Betriebstüchtigkeit zulassen, z.B. auch, ob die Bremse noch ausreichend ‚zieht‘ oder nicht. Nicht, dass hiermit jegliche Sicherheitsprüfung überflüssig wird, aber zu verstehen, mit welchen Daten man welche Aussage über ein Fahrzeug treffen kann und wie ich an diese Daten heran komme, das wird eine Kernfähigkeit der Ingenieure der Zukunft sein.

Geben Sie uns doch ein paar Beispiele für die Veränderung des Profils der Ingenieure beim TÜV SÜD.

Früher hat man fliegende Bauten oder Windenergieanlagen von Industriekletterern prüfen lassen, was riskant und körperlich sehr fordernd ist, heute kann man zumindest teilweise Drohnen dazu einsetzen. Oder aber Kinderspielzeug: Das war früher nicht mit dem Internet verbunden, daher hat es genügt, dessen physikalische Eigenschaften zu prüfen. Heute haben Teddybären und Puppen oft eine Kamera oder ein Mikrophon, welches mittels WiFi mit der Cloud des Herstellers kommuniziert. Daher muss zusätzlich die Compliance des WiFi Chips geprüft werden und man muss sich Gedanken machen, ob z.B. die Kamera durch Unbefugte gehackt oder übernommen werden kann. Außerdem: Hat man früher bei Zertifizierungen primär Managementprozesse betrachtet, die sich auf die physische Welt beziehen, halten nun Audits zur Informationssicherheit (ISO 27001) oder zur Sicherheit von IT-Netzwerken und Systemen Einzug.

Welche Qualifikationen brauchen Ingenieure Ihrer Ansicht nach künftig?

Ich denke, dass vor allem für einen Ingenieur in der Arbeitswelt 4.0 ein grundlegendes Verständnis von Internet und Datenverarbeitungstechnologie unabdingbar ist. Damit meine ich nicht, einem Programmierer oder Hacker Konkurrenz machen zu müssen. Aber die Konzepte der IT-Welt wie agile Methoden / SCRUM, HW/SW-Architekturen, plattformbasierte Geschäftsmodelle oder auch von Konnektivität, sei es wireless oder kabelgebunden, zu verstehen ist sicher zunehmend wichtig.

Was ist die beste Vorbereitung junger Nachwuchsingenieure auf die Anforderungen der Digitalen Transformation?

Natürlich gibt es hervorragende Vorlesungen und Kurse im Ingenieurstudium und diese sind oft auch eine gute Grundlage, aber zum Digital Native wird man nur durch selber Erleben und selber Versuchen. In der digitalen Welt gilt ‚learning by doing‘! Zudem geht auch die Digitalindustrie durch Phasen: Einmal werden Netzwerkspezialisten gesucht, dann App-Programmierer, nun Hacker und Advanced Analytics-Spezialisten. Es ist zwar der Slogan eines berühmten Bekleidungsunternehmens, aber hier wie dort gilt: Never stop exploring!

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI: Referentin politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

 

 

 

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Die Interviewreihe im Rahmen des VDI-Jahresthemas „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ beleuchtet den Einfluss der Digitalisierung auf das Berufsbild Ingenieur. Wie arbeiten Ingenieure in der digitalisierten Arbeitswelt? Weitere Informationen zu #Arbeit40 finden Sie unter http://www.vdi.de/arbeit40.

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