Ladungssicherung

Schulungstage beim VDI-Wissensforum

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Das gilt auch für einen Lkw-Fahrer, der wegen schlecht gesicherter Ladung einen Unfall verursacht. Wenn es um Ladungssicherung geht, kann sich keiner seiner Verantwortung entziehen, weshalb das VDI Wissensforum nicht nur die physikalischen, sondern auch die juristischen Grundlagen der Ladungssicherung vermittelt.

Bild: Jan Schneckenhaus/shutterstock.comrichtlinie-vdi-2700_ladungssicherung_t13_702x363

Laut statistischem Bundesamt ereigneten sich in Deutschland in diesem Jahr zwischen Januar und Mai 132.501 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, die auf ein Fehlverhalten der Fahrzeugführer zurückzuführen sind. Zwar sind dies im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 1,3 % weniger, Überladung und unzureichend gesicherte Ladung als Unfallursache stiegen jedoch um 2,3 % an.

Bei dem eigenen Auto ist das gar nicht so schwierig, wenn man ein paar Grundregeln befolgt, die wir hier im VDI-Blog schon einmal beschrieben haben. Und auch der gewerbliche Bereich, beispielsweise Speditionen, kann vieles dazu beitragen, den Straßenverkehr sicherer zu gestalten. Seit mehr als 30 Jahren setzt der VDI mit der Richtlinienreihe VDI 2700 Standards in der Ladungssicherung damit Maßstäbe für Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen. Absurd, dass nach Angaben des GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) dennoch 70 % aller Ladungen auf einem Lkw hierzulande mangelhaft oder gar nicht gesichert sind. Am Bekanntheitsgrad der Richtlinie liegt das nicht. Der Zeitdruck ist nach unserem Experten für Ladungssicherung Rolf Dänekas die häufigste Fehlerquelle. In einem früheren Interview hat er bereits darüber Auskunft gegeben, was gemacht werden muss, damit eine Ladung bei Lkw ausreichend gesichert ist. Nun verrät er, inwiefern der VDI bei der Vermeidung von Unfällen durch die richtige Ladungssicherung unterstützen kann.

Herr Dänekas, Sie leiten beim VDI Wissensforum das Seminar „Ausbilder Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen nach VDI 2700 Blatt 1“. An wen richtet sich das?
Wir adressieren damit mehrere Gruppierungen: Führungskräfte aus dem Bereich Verladung und Transport, damit sie Unterweisungen in ihren Betrieben rechtssicher durchführen können. Ausbilder, die eine Fortbildungsmaßnahme suchen, und Fahrlehrer, die Berufskraftfahrer ausbilden. Und schließlich richtet es sich an all diejenigen, die einmal Ladungssicherung schulen möchten.

Was wird darin genau vermittelt?
Bevor der Teilnehmer sich dazu entschließt, bei dem viertägigen Seminar mitzumachen, sollte er über die Grundkenntnisse der Ladungssicherung verfügen, denn es wird dort nicht mehr erklärt, was zum Beispiel ein Zurrgurt ist. In dem Seminar vertiefen wir das Wissen mit Praxis- und Fallbeispielen in den verschiedenen Wissensbereichen. So wird zum Beispiel in den rechtlichen Grundlagen die Verantwortlichkeit aufgeführt, denn viele wissen nicht, was sie dort betrachten müssen. Auch der Ausbilder selbst muss sich diesbezüglich absichern können. Bei den physikalischen Grundlagen werden natürlich die wirkenden Kräfte, Reibung, Reibwerte und so weiter behandelt. Auch, wie mit den unterschiedlichen Belastungen auf den unterschiedlichen Verkehrsträgern umgegangen werden muss und worauf sich dies auswirkt. Die Berechnungen spielen eine große Rolle, denn der Kandidat muss lernen, mit den Formeln umzugehen. Im Bereich Fahrzeugaufbau wird zum Beispiel gelehrt, welche Kraft eine Plane aufnehmen kann oder ob sie überhaupt verwendet werden darf. Auch Zurrpunkte und der Lastverteilungsplan stehen auf dem Programm. Am Ende muss der Teilnehmer nicht nur wissen, warum die Kiste hier stehen muss, sondern er muss begründen können, warum sie dort nicht stehen darf, da er dann die Auswirkungen auf die Fahr- und Verkehrssicherheit kennt.

Das Seminar besteht nicht nur aus Theorie. Wie sehen die praktischen Übungen aus?
Da es so viele unterschiedliche Aspekte gibt, setzen wir hier auf Gruppenarbeit. Die Kandidaten bekommen eine Aufgabe gestellt, müssen diese lösen und vortragen. Wir haben dafür verschiedene Ladungsgüter, die die Teilnehmer mit Hilfsmitteln auf das Fahrzeug bringen müssen, also das Fahrzeug vorbereiten und die Ladung sichern. Im Anschluss finden Fahrübungen statt, um herauszufinden, ob die Ladung sinnvoll und ausreichend gesichert wurde. Natürlich lasse ich hier keine Vollbremsungen mit unsicherer Verladung oder mangelhafter Ladungssicherung zu, denn es soll ja vermittelt werden, wie es geht und nicht, wie es nicht geht. Darüber hinaus hat Sicherheit auch beim Üben oberste Priorität.

Unser Experte für Ladungssicherung, Rolf Dänekas, ist seit vielen Jahren ehrenamtlich in unterschiedlichen Richtlinienausschüssen für den VDI aktiv.

 

 

Zum Abschluss des Seminars findet eine Prüfung zum Ausbilder für Ladungssicherung statt. Wie lange dauert diese und wie läuft sie ab?
Die Prüfung findet etwa drei Wochen nach dem Seminar statt. Pro Prüfungstag können wir maximal acht Teilnehmer prüfen. Um 8 Uhr beginnt der schriftliche Teil, der 60 Minuten dauert. Nachdem die Prüfungskommission diesen Test ausgewertet hat, bekommen die Teilnehmer das Ergebnis mitgeteilt. Wer den schriftlichen Teil bestanden hat, kommt in die nächste Runde, die aus Fachgespräch und Unterweisungsprobe besteht. Diese mündliche Prüfung dauert zwischen 45 und 60 Minuten. In dieser Zeit bekommt der Teilnehmer Fragen gestellt und muss über ein Thema referieren, auf das er sich unter Zuhilfenahme seiner Unterlagen kurz vorbereitet.

Muss diese Prüfung irgendwann einmal wiederholt werden, um wieder auf dem aktuellen Stand der Technik nach VDI 2700 zu sein?
Da man generell keine spezielle Ausbildung benötigt, um Ladungssicherungsseminare anbieten zu dürfen, gibt es leider auch keine rechtliche Grundlage, um eine Weiterbildung vorzugeben. So wird auch eine Wiederholung der Prüfung beim VDI nicht gefordert. Das Gefährliche aber ist, wenn ein sogenannter Ausbilder in einen Betrieb hineingeht und sein Vortrag fehlerhaft ist. Dann bleibt auch das Fehlerhafte in den Köpfen der Teilnehmer hängen. Vor diesem Hintergrund hat die Weiterbildung von Ausbildern eine große Bedeutung. Der Ausbilder hat eine Marktbeobachtungsverpflichtung. Das bedeutet, dass er sich informieren und das benötigte Fachwissen einholen muss, um sein Wissen verantwortungsvoll weitergeben zu können. Natürlich kann jeder Ausbilder, der die Prüfung bei uns gemacht hat, die Schulung freiwillig wiederholen, um festzustellen, dass er noch auf dem aktuellen Stand ist. Dann bekommt er auch immer alle Neuerungen mitgeteilt und bleibt auf dem jeweils aktuellen Stand.

Gibt es auch Schulungen zur Ladungssicherung, die sich nicht an Ausbilder richten?
Genau dafür gibt es unsere viertägige Schulung. Die Teilnehmer erhalten ein fundiertes Fachwissen und können die gewonnenen Erkenntnisse in ihrem Unternehmen anwenden. Die Prüfung muss nicht abgelegt werden, sie wendet sich alleine an die späteren Ausbilder. Teilnehmer, die erfolgreich am Prüfungsseminar teilgenommen haben, werden beim VDI-Wissensforum als Ausbilder gelistet. Schulungssuchende können sich bei Bedarf aus dieser Liste einen Ausbilder in Firmennähe aussuchen.

logo-wf_150breitInformieren Sie sich jetzt über die Angebote des VDI Wissensforum zum Thema Ladungssicherung.

 

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs

 

 

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