Der Ingenieur in der Digitalen Transformation

„Die Digitale Transformation zieht sich bei Daimler durch alle Unternehmensbereiche.“

In unsere Reihe „Der Ingenieur in der Digitalen Transformation“ haben wir mit Nachwuchsingenieur Maximilian Vogt gesprochen. Er durchläuft gerade das Traineeprogramm „CAReer“ der Daimler AG. Wie gestaltet man die Digitale Transformation in einem global aufgestellten Automobilkonzern?

Bild: George Rudy/shutterstock170203_vdi_sg17-kampagne_702x363-v1_blog_beitragsbild
Herr Vogt, bitte beschreiben Sie Ihre Tätigkeit bei Daimler. Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Maximilian Vogt: Seit Mai dieses Jahres bin ich als CAReer-Trainee in der Produktionsplanung Karosseriefertigung, bei der Daimler AG tätig. Meine Hauptaufgabe ist das Zusammenführen unterschiedlichster Fachbereiche, um Inhalte gemeinsam zu erarbeiten und so die Produktion der Karosserie Schritt für Schritt zu digitalisieren. In der Regel beinhaltet ein typischer Arbeitsalltag demnach Abstimmungstermine und Workshops, in welchen Inhalte weiterentwickelt und ein Rollout-Plan verabschiedet wird.

In welchem Umfang kommen Sie bereits heute mit veränderten Anforderungen der Digitalen Transformation in Berührung? Wird das künftig noch stärker?

Die Digitale Transformation zieht sich bei Daimler durch alle Unternehmensbereiche. Ich selbst merke bei meiner Arbeit immer wieder, wie wichtig Interdisziplinarität im Zuge der Digitalisierung ist. Als Ingenieur ist es immer erforderlicher auch IT- Kenntnisse zu haben, denn durch Industrie 4.0, besonders im Bereich Produktionsplanung, verschmelzen Informationstechnik und Ingenieurskunst zunehmend.

Fühlen Sie sich durch Ihre Ingenieurausbildung ausreichend auf die digitale Ökonomie vorbereitet?

Leider hatte ich das Gefühl erst während meines letzten Mastersemesters, da die angebotenen Veranstaltungen sehr allgemein gehalten wurden. Momentan ist in Deutschlands Hochschullandschaft vieles in Bewegung und es gibt sehr gute Ansätze, die Studierende auf die Digitalisierung im Ingenieursbereich vorzubereiten. Ich persönlich hoffe, dass der Fokus dabei vor allem auf der Praxis liegt.

Gibt es bestimmte „digitale“ Fähigkeiten oder Kenntnisse, die Sie für Ihre Tätigkeit benötigen? Wurden diese im Studium vermittelt?

Wie bereits erwähnt sind IT- Kenntnisse und Interdisziplinarität mittlerweile sehr wichtig. Außerdem sollte das grundsätzliche Mindset stimmen. Vor allem Berufsanfänger sollten unvoreingenommen denken, Vorschläge einbringen und vertreten können, auch wenn diese auf den ersten Blick noch so ungewöhnlich wirken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieses Mindset an unternehmerischen Hochschulen im Grundsatz vermittelt wird. Auf inhaltlicher Ebene fehlt dieses Grundverständnis teilweise noch – wie beispielsweise die Vermittlung digitaler Systemarchitekturen mit ihren Hauptelementen.

Was glauben Sie, wie arbeitet ein Ingenieur in der Automobilindustrie im Jahre 2030?

Dies sollte differenziert bBild: Privatetrachtet werden, da es zu viele unterschiedliche Ingenieure mit unterschiedlichsten Tätigkeitsbereichen gibt – gerade in einem globalen Unternehmen wie Daimler es ist. Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass die Ingenieure der Zukunft überwiegend an der Schnittstelle zwischen unterschiedlichen Fachgebieten, Projekten und Abteilungen arbeiten werden. Außerdem wird die intelligente Verbindung von Mensch und Maschine immer wichtiger werden. Durch die Mensch-Roboter-Kooperation lassen sich die kognitive Überlegenheit des Menschen und seine Flexibilität optimal mit der Kraft, Ausdauer und Zuverlässigkeit der Roboter verbinden.

Wie sehen Sie generell die Entwicklung der Arbeitswelt 4.0? Gehen uns die Jobs aus, wenn Tätigkeiten zunehmend bzw. weiter automatisiert werden?

Die Jobs werden sich verändern, aber nicht „ausgehen“. Ich kann diese weit verbreitete Angst nicht nachvollziehen. Experten sind sich weitestgehend einig, und dem stimme ich voll und ganz zu, dass sich die Arbeitswelt verändern wird. Ob es sich dabei um Revolution oder Evolution handelt – darüber kann man trefflich diskutieren. Solange sich Individuen auf die Veränderungen einlassen und sich mit dem zweifelsfrei stattfindenden Wandel weiterentwickeln, wird es weiterhin viele attraktive Jobs auf dem Arbeitsmarkt geben.

Ein Tipp an künftige Ingenieure: Was sollte man im Studium tun oder lassen, um später im Job (in der digitalen Arbeitswelt) erfolgreich zu sein?

Absolventen sollte bewusst sein, dass das Studium nur ein Grundgerüst für den Berufsstart ist. Eine kontinuierliche Weiterbildung und Spezialisierung ist in unserer heutigen Welt unerlässlich. Daimler bietet hier im Rahmen der Corporate Academy zahlreiche Weiterbildungs- und Fortbildungsseminare an. Solche Angebote sollte man unbedingt wahrnehmen. Es hilft, sich auch „privat“ mit neuen Technologien auseinanderzusetzen und stets interessiert der Start-Up Szene mit deren innovativen Lösungsansätzen und Herangehensweisen zu folgen. Natürlich sollten Schwerpunkte an persönlichen Interessen ausgerichtet werden, da der Rest schnell in Vergessenheit gerät.

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI: Referentin Politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

 

 

6490-dit-2007-key-visual-smart-germany-vdi-blog-702x363pxDie Interviewreihe im Rahmen des VDI-Jahresthemas „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ beleuchtet den Einfluss der Digitalisierung auf das Berufsbild Ingenieur. Wie arbeiten Ingenieure in der digitalisierten Arbeitswelt? Weitere Informationen zu #Arbeit40 finden Sie unter http://www.vdi.de/arbeit40

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