Der Ingenieur in der digitalen Transformation

In der Digitalen Transformation werden Produktpaletten immer spezieller und variantenreicher

In unsere Reihe „Der Ingenieur in der Digitalen Transformation“ haben wir mit  Jesco Lippert gesprochen. Er arbeitet als Technischer Redakteur. Wir wollten von ihm wissen, was ein Dokumentationsingenieur macht und wie die Digitalisierung die Anforderungen an seinen Beruf verändert.

Bild: 408120067/shutterstockbeitragsbild_technischerzeichner1

Herr Lippert, was macht ein Dokumentationsingenieur und wo arbeitet er?

Jesco Lippert: Der Dokumentationsingenieur – oder besser Technischer Redakteur – besetzt eine der wichtigen Schnittstellenposition, nämlich die der technischen Kommunikation. Diese ist überall dort von Bedeutung, wo verschiedene Akteure eines technischen Prozesses unterschiedliche „Sprachen“ sprechen. Ausdruck und Verständnis von Sender und Empfänger müssen so aufeinander synchronisiert werden, dass jeder die entscheidenden Informationen nicht nur erhält, sondern auch versteht. Der Beruf des Technischen Redakteurs kombiniert also die drei Bereiche Technik, Sprache und Didaktik.
Kunde und Endverbraucher kommen vor allem dann mit der Arbeit des Technischen Redakteurs in Berührung, wenn es um Betriebs- und Bedienungsanleitungen geht. Und dort liegt eine weite Kluft zwischen guten und schlechten Dokumenten. Letztendlich kann man dann von guten Dokumenten reden, wenn die Sprache des Entwicklers exakt in die Sprache der Zielgruppe, also des Kunden übersetzt bzw. übertragen wurde. An dieser Stelle hat der Redakteur also einen nicht unerheblichen Anteil am Image des Unternehmens.

Technische Redakteure sind überall dort beschäftigt, wo technische Zusammenhänge mit „Außenstehenden“ kommuniziert werden müssen. Zu den klassischen Arbeitgebern zählen also insbesondere Industrie- oder Softwareunternehmen, die erklärungsbedürftige Produkte auf den Markt bringen. Aber es geht auch anders. Zudem sind zahlreiche Technische Redakteure selbstständig oder bei einem selbstständigen Dokumentationsanbieter beschäftigt, der sich auf Technische Dokumentation und Kommunikation spezialisiert hat.

Wie verändert sich der Beruf durch die Digitale Transformation? Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Im Zuge der Digitalen Transformation werden Produktpaletten immer spezieller und variantenreicher. Das heißt für die Technischen Redakteure, dass sie die Betriebsanleitungen in immer kürzer werdenden Zeitabständen anpassen und verfeinern müssen, um dieser Individualisierung im Zuge von Industrie 4.0 gerecht werden zu können. Das trifft besonders im Softwarebereich (oder auch bei der Kopplung von Software und Maschinen) zu. Der Vorgang der Technischen Dokumentation muss dabei praktisch parallel zur Produktentwicklung verlaufen.

Damit das gelingt, ist es entscheidend, dass eine enge Kommunikation zwischen Entwicklern und Redakteuren stattfindet, damit die benötigten Dokumente laufend an die sich ändernden Produkte angepasst werden können.

In einem aktuellen Fall stehe ich in engem Kontakt mit einem Entwickler, der nach Kundenwunsch eine Messapparatur konstruiert hat und deren Software nun laufend anpassen muss. Jede Änderung, die er umsetzt, pflege ich umgehend in die bereits vorhandenen Dokumente ein, damit sich diese immer auf dem neuesten Stand befinden.

Inwiefern verändern sich durch die Digitalisierung die Anforderungen an den Dokumentationsingenieur? Wie sollte er in Zukunft aufgestellt sein?

Jesco LippertUm der im vorherigen Beispiel wichtigen Schnelligkeit bei der Umsetzung von Änderungen gerecht werden zu können, arbeiten die meisten Technischen Redakteure heute mit komplexen Redaktionssystemen, die die Arbeit deutlich erleichtern. Diese (nahezu) perfekt zu beherrschen, erfordert allerdings zunächst einen gewissen Zeitaufwand. Erst danach stellt sich die angestrebte Arbeitserleichterung langsam aber sicher ein. Das ist vergleichbar mit dem Einsatz von CAD-Software bei der Ingenieurstätigkeit. Zunächst scheint ihre Verwendung deutlich umständlicher als eine Bleistiftzeichnung auf Papier, doch mit steigender Programmkenntnis offenbaren sich die immensen Vorteile gegenüber des analogen Arbeitens.

Tatsächlich werden informationstechnische Fähigkeiten bis hin zu Programmierkenntnissen zunehmend wichtig. Die Beherrschung komplexer Software gewinnt gegenüber der klassischen Kombination aus technischen und kommunikativen Fähigkeiten zusätzlich an Bedeutung, ersetzt diese jedoch natürlich nicht.

In dem Zusammenhang ist die Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung und Anpassung an neue Systeme und Abläufe unerlässlich. Dieses „Schicksal“ jedoch teilt sich der Technische Redakteur nicht nur mit den meisten Ingenieuren und Technikern, sondern mit all jenen Berufsgruppen, die den Digitalen Wandel überstehen wollen und dessen Herausforderungen bestehen müssen und bestehen werden.

 

Hanna_Büddicker_VDI1Das Interview führte: Hanna Büddicker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgabe im VDI: PR und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

 

 

6490-dit-2007-key-visual-smart-germany-vdi-blog-702x363pxDie Interviewreihe im Rahmen des VDI-Jahresthemas „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ beleuchtet den Einfluss der Digitalisierung auf das Berufsbild Ingenieur. Wie arbeiten Ingenieure in der digitalisierten Arbeitswelt? Weitere Informationen zu #Arbeit40 finden Sie unter http://www.vdi.de/arbeit40

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