Einblick in Erstellung und Nutzung

Mitwirkung an der VDI-Richtlinienarbeit

Wissen vervielfacht sich, wenn man es teilt. Deshalb kann grundsätzlich jeder, der sich in einem bestimmten Themengebiet besonders gut auskennt, an der Erstellung von VDI-Richtlinien mitwirken. Wie man zu diesem Ehrenamt kommt und wie die Richtlinienarbeit abläuft, beantwortet der Leiter der Redaktion VDI-Richtlinien Bernd Lenhart.

Bild: VDIrichtlinie-vdi-mitwirkung_t18_702x363

Die Mitwirkung bei der Erstellung der VDI-Richtlinien ist ehrenamtlich. Wie finden Sie Interessierte, die dazu bereit sind?
Wenn eine Richtlinie überarbeitet werden soll oder auch, wenn wir ein ganz neues Thema bearbeiten, veröffentlichen wir dazu eine Pressemeldung, in der wir konkret zur Mitarbeit aufrufen. Die Meldungen erscheinen sowohl auf unserer Homepage als auch im DIN-Anzeiger für technische Regeln. In diesem Aufruf geben wir einen groben Überblick darüber, was die VDI-Richtlinie später beinhalten soll. Wer sich daraufhin angesprochen fühlt, der wendet sich einfach an den dort angegeben Kontakt bei der zuständigen VDI-Fachgesellschaft. Das Ganze funktioniert natürlich auch anders herum. Hat jemand eine Idee zu einer Richtlinie in einem bestimmten Gebiet, wo noch keine Regelung existiert, kann dieser jemand direkt mit dem VDI Kontakt aufnehmen. Der Vorschlag wird von der entsprechenden VDI-Fachgesellschaft geprüft, und falls sich das Gremium für eine Richtlinienerarbeitung entscheiden, folgt der Aufruf über die schon genannten Medien.

Muss ich Ingenieur sein, um in dem Richtliniengremium aufgenommen zu werden?
Nein. Richtlinien werden in der Regel interdisziplinär erarbeitet. Rechtliche Aspekte können beispielsweise zum Inhalt gehören. Das Thema der Richtlinienarbeit bestimmt, welche interessierten Kreise sich angesprochen fühlen und welche wir ansprechen. Deshalb sind es auch nicht immer Ingenieure, die am Tisch sitzen, sondern vielfach Naturwissenschaftler, Informatiker oder Juristen Die VDI-Mitgliedschaft ist übrigens auch nicht erforderlich – aber natürlich erwünscht

In dem Beitrag „Wie wende ich Richtlinien richtig an?“ wurde bereits erklärt, wie oft sich das Gremium trifft und wozu überhaupt. Wie funktioniert die Zusammenarbeit außerhalb der Sitzungen?
Damit die Beiträge der einzelnen Mitglieder des Gremiums später reibungslos miteinander zu einer VDI-Richtlinie verknüpft werden können, stellen wir eine Plattform zur gemeinschaftlichen Erarbeitung zur Verfügung. Jedes Mitglied des Richtlinienausschusses erhält zu Beginn der Arbeit die Zugangsdaten zu dieser Plattform Die Möglichkeiten dieser Collaboration Plattform (CP) sind die gemeinsame Erstellung, Verwaltung und Nutzung von Dokumenten und Webservices: Dokumente können hoch- und runtergeladen werden, Versionierungen der Bearbeitungsschritte können abgespeichert werden, der E-Mail-Verkehr ist darin automatisiert. Darüber hinaus können Terminfindungen einfach durchgeführt werden.

Bild: VDIStartseite der CP zur gemeinsamen virtuellen Gremienarbeit.

Startseite der CP zur gemeinsamen virtuellen Gremienarbeit.

Wie geht es dann weiter? Wie wird aus den Dokumenten auf der CP eine VDI-Richtlinie?
Die von den Ausschüssen freigegebenen Manuskripte durchlaufen eine Prüfung und ein ausführliches Lektorat in der Abteilung Technische Redaktion der Hauptgeschäftsstelle. Danach werden die Manuskripte entweder als Richtlinien-Entwürfe oder als endgültige Fassungen gesetzt und für den Vertriebspartner aufgearbeitet.

Wo kann man die Richtlinien kaufen?
Wir haben mit dem Beuth Verlag einen exklusiven Vertriebspartner für unsere VDI-Richtlinien. Über die Richtlinienseite des VDI (www.vdi.de/nnnn – nnnn steht für die Nummer der VDI-Richtlinie.) gelangt man direkt zur entsprechenden Seite des Beuth Verlags und kann die Richtlinie dort entweder als Download oder als gedruckte Version bestellen. Darüber hinaus gibt es in verschiedenen Auslegestellen im In- und Ausland, meist in Universitätsbibliotheken, die Möglichkeit, VDI-Richtlinien kostenfrei einzusehen.

Stichwort Kosten: Warum sind VDI-Richtlinien nicht kostenlos, werden sie doch ehrenamtlich erstellt?
In Deutschland ist die technische Regelsetzung als Selbstverwaltungsaufgabe organisiert. Und satzungsgemäß ist ein wesentlicher Zweck des VDI „die Schaffung von anerkannten Regeln der Technik […] in freiwilliger Selbstverantwortung“. Die Erarbeitung von VDI-Richtlinien ist über die ehrenamtliche Tätigkeit hinaus mit Kosten verbunden, z. B. für die Durchführung von Sitzungen, für Recherchetätigkeiten, für Übersetzungen, für Satz und Drucklegung und nicht zuletzt für Marketing und Werbung. Die Anwender sorgen durch den Kauf von technischen Regeln dafür, dass die privatwirtschaftliche, effiziente Organisation der Normungsarbeit erhalten bleibt. Die Kosten für die Erarbeitung werden sozusagen auf die Anwender verteilt, die durch die Anwendung einen Nutzen aus der technischen Regelsetzung ziehen. Vorteile für die Anwender können u. a. die Verfügbarkeit von Fachwissen, Rechtssicherheit eine einfache Angebots- und Ausschreibungspraxis, Produktsicherheit oder Effizienzsteigerung sein.
Übrigens: Diejenigen, die ehrenamtlich bei der Richtlinienarbeit mitgewirkt haben, erhalten natürlich ihr persönliches Exemplar.

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs

 

 


Button 3

 

Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Mitwirkung an der VDI-Richtlinienarbeit

  1. Ich bezweifele aus eigener Erfahrung, Anregungen von Außen aufgenommen werden. So ist z.B. Der Untersusschuß für Umweltfragen (DIN EN 14181 oder z. B. VDI 2066 u. Ä.) eher eine elitäre abgeschlossene Gruppe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*