Ingenieure in der Digitalen Transformation

„Software-Kenntnisse sind für Ingenieure unverzichtbar“

Die Digitale Transformation beeinflusst bereits heute das Berufsbild Ingenieur, seine Ausbildung und seinen Berufsalltag. Jan Giesen arbeitet als “Verification Engineer” beim Entwicklungszentrum Brunel Car Synergies GmbH. In der Reihe “Ingenieure in der Digitalen Transformation” haben wir ihm Fragen zu seinem Job gestellt. Hier seine Antworten.

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Herr Giesen, bitte beschreiben Sie die Tätigkeit eines Verification Engineers.

Als “Verification Engineer” mit Informatikhintergrund bin ich im Zusammenspiel zwischen Software und Hardware für die Verifizierung der selbst erstellten sowie der von unseren Kunden zur Verfügung gestellten Software zuständig.
Mein Aufgabengebiet erstreckt sich dabei vor allem über die Festlegung von Testgütekriterien, der Auswahl / Evaluierung einer geeigneten Werkzeugauswahl, der Erstellung von Testspezifikationen, der Implementierung und Durchführung der Testfälle sowie der Fehlerberichterstattung und Dokumentation.

Würden Sie Ihren Job einmal anhand eines konkreten Projektbeispiels anschaulich beschreiben?

In einem aktuellen sicherheitsrelevanten Projekt im Bahnbereich bin ich dafür zuständig, den Subsystemtest für eine Software-Teilkomponente eines Verkehrskontrollsystems zu verifizieren. Die Werkzeugauswahl sowie die Schnittstellen nach außen wurden vom Kunden vorgegeben, so dass man beispielsweise über die Klassifikationsbaum-Methode direkt anfangen kann, die zu testenden Bedienungskombinationen grafisch aufzubereiten und daraus sowie aus den Software-Anforderungen Testfälle abzuleiten. Parallel dazu werden von uns Simulatoren entwickelt, um über die Schnittstellen die Software-Komponente mit allen erdenklichen Fehlern zu infiltrieren. Meine Aufgabe in dem Projekt ist es, eine Testspezifikation zu erarbeiten, mit der sichergestellt werden kann, dass die Anforderungen an die Software-Komponente umgesetzt wurden. Anschließend implementiert ein Testentwickler anhand der Testspezifikation die Testskripte und bringt die Tests zur Ausführung.

Was genau hBild: privatbild-jan-giesenaben Sie studiert und hat Sie Ihr Studium ausreichend auf Ihren Job vorbereitet?

Ich habe im Erststudium Medieninformatik an der Hochschule Bremen, Abschluss Dipl. Inf. (FH) und später berufsbegleitend noch Wirtschaftsinformatik an der FernUniversität in Hagen, Abschluss Master of Science, studiert. Grundsätzlich sollte ein Studium Grundlagen vermitteln – wie bei mir etwa durch die Kurse in E-Technik und Software-Technik. Daneben wurde, insbesondere an der Hochschule Bremen durch Prof. Dr. Andreas Spillner, die Testthematik behandelt, wodurch ein Grundstein für meine spätere Karriere gelegt wurde. Da ich mich bei meinem Arbeitgeber, dem Entwicklungszentrum Brunel Car Synergies GmbH, immer wieder in projektspezifisch neue Themengebiete einarbeiten muss, haben mich letztlich vor allem meine Abschlussarbeiten auf meinen jetzigen Job vorbereitet.

Ihr aktueller Job ja ist recht softwarelastig. Die klassische Ingenieurausbildung befindet sich dahingehend aktuell im Wandel. Was empfehlen Sie, welches Mindestmaß an Softwareverständnis sollte angehenden Ingenieuren vermittelt werden?

Grundlegend sollten meiner Meinung nach die Themen Software-Architektur, Vorgehensmodelle sowie Grundlagen der Programmierung vermittelt werden. Schwerpunktmäßig ist es des Weiteren sinnvoll, Testmanagement sowie Safety- und Security-Themen zu behandeln. Da unsere Welt durch eine zunehmende Vernetzung, durch immer größere Datenmengen und der zunehmenden Anzahl von miteinander interagierenden Komponenten komplexer wird, werden Qualitätsaspekte wichtiger, wie sie z.B. auch der IoT-Lehrplan „Quality Engineering für das Internet der Dinge“ des Arbeitskreis Software-Qualität und -Fortbildung e.V. (ASQF) vermitteln soll. Standardisierungen und einheitliche Begriffe sind wichtig, um Fehlern vorzubeugen.

Zum Abschluss: Viele befürchten im Zuge der Digitalen Transformation tiefgreifende Veränderungen unserer Arbeitswelt. Wie sehen Sie die Arbeitswelt 2030?

Es gibt stetig neue Entwicklungen, mit denen sich vor allem die Forschungsabteilungen der Institute und größeren Unternehmen befassen. Die Auswirkungen auf meinen persönlichen Arbeitsbereich in einem Entwicklungszentrum im Bereich Embedded Systems zeigen sich dabei verhältnismäßig unauffällig und beständig. In der Regel wird sicherheitsrelevante Software, wie vor 10 Jahren auch, immer noch in den Programmiersprachen C/C++ und nach klassischen Vorgehensmodellen (wie z.B. dem V-Modell, das den Software-Entwicklungsprozess in verschiedenen Phasen organisiert) und langsam zunehmend mit agilen Methoden, die in der Web-Entwicklung deutlich verbreiteter sind, entwickelt.

Die Neuerungen machen sich vor allem bei der Dokumentation und beim Verifizieren von Software bemerkbar, in dem es mehr Möglichkeiten gibt, Dokumente zu erstellen aus denen dann direkt Quellcode generiert wird (Modellgetriebene Entwicklung) oder man bessere Werkzeuge zum Testen und Analysieren von Software bekommt, die zu einer Automatisierung von Prozessen beitragen. Auch bei der standortübergreifenden Kommunikation machen sich die Auswirkungen der Digitalen Transformation mit Skype Business oder Go-Meetings etc. bemerkbar. Allgegenwärtiger Zugriff auf Emails, Clouds, Wikis und Virtuelle Maschinen sind mittlerweile Normalität.
Natürlich ändern sich auch Schnittstellen von Software und Hardware durch den Einfluss der digitalen Transformation, da ich mich im Entwicklungszentrum Brunel Car Synergies für Embedded Systems (kundenspezifisch) aber immer wieder in neue Thematiken einarbeiten muss, nehme ich persönlich diese Transformationen nicht so sehr als eine Veränderung meiner Arbeitswelt wahr.

Annika_LanderAutorin: Annika Lander
Position im VDI: Referentin Politische Öffentlichkeitsarbeit im VDI e.V.

 

 

 

6490-dit-2007-key-visual-smart-germany-vdi-blog-702x363pxDie Interviewreihe im Rahmen des VDI-Jahresthemas „SMART GERMANY – Arbeit in der Digitalen Transformation“ beleuchtet den Einfluss der Digitalisierung auf das Berufsbild Ingenieur. Wie arbeiten Ingenieure in der digitalisierten Arbeitswelt? Weitere Informationen zu #Arbeit40 finden Sie unter http://www.vdi.de/arbeit40.

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