Internationale VDI Konferenz Autonomous Trucks

Selbstfahrende LKW verändern die Logistikbranche

Die technologische Entwicklung selbstfahrender Trucks schreitet voran. Bald könnten sie vollkommen autonom Waren transportieren und so die Logistikbranche nachhaltig verändern. Dr. Gerhard Nowak ist Vizepräsident bei PwC Strategy und einer der Organisatoren der VDI Konferenz „Autonomous Trucks“ am 10. Und 11. April in Düsseldorf.

Bild: Tom Frohnimg_6083_bearb_blog

Welche technologische Entwicklung erwarten Sie hinsichtlich des Powertrains in Nutzfahrzeugen für die kommenden Jahre?

Gerhard Nowak: Wir werden verschiedenen Antriebskonzepte sehen, die nebeneinander bestehen und die allesamt im jeweiligen Anwendungsbereich ihre Berechtigung haben: Der Elektroantrieb wird den Bereich der Distribution, der Last-Mile-Transporte und der KEP-Dienste prägen. Fuel Cell wird bereits in überschaubaren Zeiträumen für schwere Nutzfahrzeug an Bedeutung gewinnen, ebenso wie LNG als dritte Antriebsoption, die sich heute schon vermehrt im Markt finden lässt.

Und wird sich im selben Schritt das autonome Fahren etablieren?

Davon bin ich fest überzeugt – bezogen wiederum auf die dafür prädestinierten Transportaufgaben. Routinefahrten, wie typische Stückguttransporte, verpackte Waren und Co. werden in Zukunft autonom auf ausgewiesenen Strecken, sog. Korridoren, abgewickelt. Ergänzend zu den technischen Lösungen bei der physischen Transportaufgabe erwarte ich hier in relativ kurzer Zeit neue Marktteilnehmer für die Organisation der Logistikkette, die mit innovativen Plattformen den Markt prägen und weiterentwickeln werden, indem sie eine End-to-End-Supply Chain-Lösung mit echten Mehrwerten für den Auftraggeber bereitstellen können. Dabei handelt es sich um neue Spieler am Markt mit IT Hintergrund.

Das sogenannte Freight Matching stellt eine bedeutsame Entwicklungsstufe dar, wenn jeder Trailer seine frei Ladefläche mit weiteren Informationen zu Destinationen der restlichen Ladung in die Cloud stellt und dann über entsprechende Algorithmen die passende Ladung zur Auffüllung der Leerfläche zugewiesen bekommt. Eine deutliche Reduzierung der Leerfahrten wird damit erreicht werden können. In der Endausbaustufe werden die Transportaufgaben direkt vom Montageband in die Cloud gestellt und das jeweilig geeignete Transportmedium automatisch ausgewählt. Die administrative Abwicklung erfolgt absolut digital und auch die Be- und Entladung wird automatisiert erfolgen. Der Transport dann von A nach B wird ebenso autonom durchgeführt. Wer hier die besten Lösungen anbieten kann, wird entsprechend den Wettbewerb anführen.

Bild: Nowak – PwC Gerhard Nowak ist Vizepräsident bei PwC Strategy

Gerhard Nowak ist Vizepräsident bei PwC Strategy

Das heißt, der Logistikmarkt befindet sich in einem grundlegenden Wandel?

In der Tat werden die technologischen Veränderungen von alternativen Antriebskonzepten bis zum autonomen Fahren den Gesamtmarkt und das Ecosystem Logistik deutlich beeinflussen und verändern. Dies betrifft nicht nur die Rolle der Transporteure und Speditionsunternehmen, sondern vielmehr auch die zukünftige Rolle der OEMs als Anbieter von Mobility Solutions. Es werden Prozessschritte in der Abwicklung der Logistik zu einen wegfallen und zum andere neue oder andere Marktteilnehmer traditionelle Aufgaben übernehmen. Daher wird sich der klassische Transportmarkt in nicht allzu ferne Zukunft disruptiv verändern und ein typisch mittelständisch geprägtes Marktumfeld signifikant beeinflussen.

Am 10. und 11. April finden parallel zur internationalen VDI Konferenz „Autonomous Trucks“ ebenfalls die Konferenzen „Connected Off-Highway Machines“ und „Smart Farming“ statt. Hier werden ebenfalls die Themen autonomes Fahren sowie Konnektivität bei mobilen Arbeitsmaschinen bzw. Landwirtschaftsmaschinen im Mittelpunkt stehen. Neben der technischen Seite selbstfahrender Erntemaschinen und Minenfahrzeuge z.B. geht es dabei auch um die Themen Big Data sowie um neue Geschäftsmodelle rund um das Thema Digitalisierung 4.0.

tomas-frohnAutor: Thomas Frohn
Position im VDI Wissensforum: Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Kommentare & Pingbacks

6 Gedanken zu “Selbstfahrende LKW verändern die Logistikbranche

  1. Es ist super spannend, wie nah die Logistikbranche im Vergleich zu anderen Bereichen bereits an der Automation ist. So kann Herr Nowak bereits ganz konkret benennen, dass es bspw. autonom ausgewiesene Strecken geben wird, auf denen Routinefahrten erledigt werden. Und bei der Startup-Rate in unseren Metropolen wird es nicht lange dauern, bis jemand einen innovativen Einfall hat.

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  3. Als BWLer mit einer Konzentration in Supply Chain Management bin ich immer an Veränderungen in der Transportindustrie interessiert. Im Rahmen von Internet of Things und der Industrie 4.0 sind natürlich viele Branchen gerade dabei sich grundlegend zu wandeln, aber ich stimme Ihnen zu, dass der klassische Transportmarkt sich verabschieden wird. Genau wie Sie schreiben wird das eine disruptive Änderung, die auch wir Endverbraucher in unserem täglichen Leben stark spüren werden.

  4. Vor Kurzem erst habe ich einen Nachrichtenbeitrag gesehen, der die Aussichten der Automation in der Arbeitswelt beleuchtet hat. Genau wie Sie auch schreiben, denke ich, dass Routinefahrten von autonomen Fahrzeugen übernommen werden. Die aktuellen Fahrer werden jedoch nicht einfach ersetzt werden, sondern Aufträge annehmen, für die menschliche Intelligenz benötigt wird. Momentan sind das noch alle Aufgaben, die nicht routinemäßig stattfinden und soziale Intelligenz benötigen.

  5. Es ist eine echt tolle Erfindung für die Logistik! So ein selbst fahrender Wagen wäre ja unersetzlich beim Transport für lange Strecken, indem der mit dem Überwachungssystem ausgerüstet und an jedem Terminal dann geprüft werden kann. Hut ab vor Kreativität! Eine echt tolle Investition könnte es sein!

  6. Als Transportunternehmen, das hauptsächlich mit Sondertransporten arbeitet, bin ich schon gespannt, wann das autonome Fahren auch für uns relevant wird. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass hier das Vertrauen groß genug ist, um ohne Sondertransportbegleitung auf diesen sog. Korridoren zu transportieren. In jedem Fall bin ich aber schon gespannt, was hier auf uns zukommt – meist kommt ja alles anders, und zweitens als man denkt.

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