Internationaler Motorenkongress

Synthetischer Kraftstoff – Der Antrieb der Zukunft?

Am 27. und 28. Februar findet in Baden Baden der internationale Motorenkongress statt. Im Vorfeld haben wir Dr. Martin Härtl zum Thema Synthetische Kraftstoffe gesprochen. Diese könnten in Zukunft wesentlich dazu beitragen, Verbrennungsmotoren nahezu CO2 frei betreiben zu können. Dr. Härtl ist Oberingenieur am Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen an der  TU München. Ende Februar ist er Referent auf dem Internationalen Motorenkongress in Baden-Baden. Dort spricht er u.a. zum Thema Synthetische Kraftstoffe und deren Potential für die partikelfreie Verbrennung in Otto- und Dieselmotoren.

Bild: T. FrohnIMG_5761_BEARBEITET_vdi_international_engine_congress_bearbeitet

Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht dafür, in die Weiterentwicklung synthetischer Kraftstoffe zu investieren?

Zwei ökologische Ziele stehen bei der Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors besonders im Fokus: Schadstoffemissionen wie Feinstaub und Stickoxide zu reduzieren und zugleich CO2-Emissionen zu senken – eine entscheidende Frage des Klimaschutzes. Unser Ansatz besteht nun darin, die Reduzierung von Schadstoffen und CO2 miteinander zu verknüpfen, indem wir den fossilen Diesel durch synthetische Kraftstoffe ersetzen. Diese nehmen CO2 auf und geben dieselbe Menge bei der Verbrennung wieder frei. Also handelt es sich um einen geschlossenen, klimaneutralen Kreislauf. Hinzu kommen wesentliche Vorteile, was Logistik und Infrastruktur angeht: Synthetischer Flüssigkraftstoff weist eine hohe Energiedichte auf, ist gut und unkompliziert zu transportieren, ist einfach und sicher zu handhaben. Zudem können die vorhandenen Infrastrukturen für eine flächendeckende Versorgung mit dem Synthetik-Kraftstoff weitergenutzt werden.

Bild: privat
Welche synthetischen Kraftstoffe sind aus Ihrer Sicht vielversprechend und tauglich für eine Produktion in größeren Dimensionen?

Die Forschung und Entwicklung ist heute so weit, dass wir wissen, welche Kraftstoffe sich mit den motorischen Rahmenbedingungen gut vertragen, indem sie wichtige Eigenschaften von Diesel und Benzin kopieren. Bei der Molekülstruktur des Kraftstoffes hat sich gezeigt, dass sauerstoffhaltige Kraftstoff ohne C-C-Bindung besonders rußarm sind. Daraus resultieren geeignete synthetische Kraftstoffe für Diesel- sowie für c: beispielsweise OME, also Oxymethylenether, DMC (Dimethylcarbonat) und MeFo (Methylformiat). Zu diesen synthetischen Kraftstoffen liegen bereits, teils wie bei OME seit mehreren Jahren, entsprechend publizierte Erfahrungswerte vor, die eine Produktion in größeren Maßstäben sinnvoll erscheinen lassen. Letzthin wird auch hier die Anlagengröße für die Kostenseite entscheidend sein. Ein Herstellungspreis von rund einem Euro für einen Liter OME ist damit realistisch.

Wie sieht aus Ihrer Sicht die Mobilität der Zukunft aus?

Ich erwarte ein Nebeneinander von verschiedenen, sinnvollen Lösungen. Entscheidend wird es sein, systemisch zu denken und für jeden Zweck die jeweils passende Antriebs- und Kraftstofflösung zu finden. Somit hat der Verbrennungsmotor aus meiner Sicht noch eine lange Zukunft vor sich. Elektromobilität, Verbrennungsmotor und nachhaltige Kraftstoffe widersprechen sich nicht. Stattdessen hat beides seine Berechtigung. Die verschiedenen Zukunftssysteme können sich gegenseitig ergänzen, wenn wir sie intelligent nutzen. So gibt es ganz klar Bereiche, in denen der Verbrennungsmotor auch in Zukunft vordringlich gebraucht wird: Fahrzeuge mit hoher Reichweite gehören ebenso dazu wie der Gütertransport, die Schifffahrt und der Flugverkehr oder auch der Kraftwerksbereich.

tomas-frohnAutor: Thomas Frohn
Position im VDI Wissensforum: Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 

 

 

 

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