Die Digitale Transformation in den Curricula

Das Ingenieurstudium braucht ein Update

Die Digitale Transformation hat die Hochschulen fest im Griff, das wurde auf dem 6. VDI-Qualitätsdialog an der TU Berlin deutlich. Das zeigt beispielsweise die gastgebende Universität. Dort sind alleine 200 intern und 100 externe Personen mit der Einführung aktueller Software beschäftigt sind. Weiter werden Lehre und auch Prüfungen digitalisiert. Der Lehrinhalt kommt aber an deutschen Hochschulen noch deutlich zu kurz.

Bild: TU Berlin/PR/Christian Kielmann

Der VDI Qualitätsdialog hat sich zum Ziel gemacht, die Versäumnisse aufzuarbeiten. Dass der Inhalt des Studiums davon bisher nur wenig mitbekommen hat, liegt nicht nur an der komplexen Struktur eines Studiums. Viele Themen spielen sich auf der Schnittstelle zwischen den Fakultäten und Fachbereichen ab. Hier kommt die Organisation Hochschule oft an Ihre Grenzen. Auch werden schnell neue Inhalte gefordert. Was dafür wegfallen kann, ist nicht immer einfach zu ermitteln und noch schwieriger den Dozierenden zu vermitteln. Raphael Kiesel beklagte die langwierigen Prozesse an deutschen Hochschulen: „Seit 2008 wurde meine Curriculum nur minimal verändert“, so Jungeningenieur. Auch Klaus Kreulich, Professor an der Hochschule München, weiß von überholten Studieninhalten zu berichten. „Wir bringen den jungen Menschen Präsentieren für PowerPoint-Einsteiger bei, das können sie aber schon längst aus der Schule.“

VDI-Diskussionspapier sorgt für neue Impulse in der Ingenieurausbildung

In dem VDI-Diskussionspapier Ingenieurausbildung für die Digitale Transformation werden viele Impulse für neue und anders vermittelte Inhalte gegeben, genauso aber auch der Wegfall anderer Inhalte angeregt.
Wichtig ist den Autoren insbesondere, dass die Digitale Transformation ein Querschnittsthema ist und integral in allen Modulen in unterschiedlicher Intensität Einzug finden muss. Dazu gehören insbesondere technologische Aspekte, neue Geschäftsmodelle, eine andere Fehlerkultur, Datensicherheit und Datenschutz sowie gesellschaftliche Wechselwirkungen der jeweiligen Entwicklungen. Dies darf nicht allein auf ein Modul Digitalisierung abgewälzt werden. Auch transdisziplinäre Ansätze sowie Problem-Based-Learning-Konzepte werden diskutiert. Letzteres ist keine neue Erfindung, bekommt aber an den Schnittstellen eine immer größere Relevanz. Diesem Konzept hat sich beispielsweise die CODE University of Applied Sciences in Berlin zur 100% verschrieben. Die neu gegründete Hochschule stellt damit das bisherige aufbauende Modulsystem auf den Kopf. Sie beginnt bei zu lösenden Problemen und folgert daraus die notwendigen Kompetenzen, die sich die Studierenden zu großen Teilen in kleinen Teams selber beibringen. Der Dozierende wird damit zum Mentor.

Bild: TU Berlin/PR/Christian Kielmann

Auf dem Podium des VDI-Qualitätsdialogs wurde konstruktiv diskutiert. Mit dabei VDI-Direktor Ralph Appel (links)

Digitale Transformation läuft bereits“

Auf dem Podium wurde dann noch einmal die Dringlichkeit der Überarbeitung der Studiengänge deutlich. Es geht darum, den Wandel zu Gestalten und nicht, diesem hinterher zu laufen. „Die Digitale Transformation läuft bereits seit einiger Zeit und wird sich zunehmend etablieren; ob wir nun wollen oder nicht. Die bestehenden Technologien und die Anforderungen aus dem Markt werden hier die Umsetzung vorantreiben“, so Gernot Spiegelberg von der SIEMENS AG. Dazu gehört insbesondere neben mehr Freiräumen für kreative und interdisziplinäre Arbeiten auch, sich mit den Folgen neuer Technologien und der Wechselwirkung mit der Gesellschaft intensiv auseinanderzusetzen. VDI-Direktor Ralph Appel rief die 120 Teilnehmenden dazu auf, die Chancen für Hochschulen und die Wirtschaft zu nutzen: „Reden Sie miteinander!“

Bild: TU Berlin/PR/Christian Kielmann

Auch aus dem Plenum kamen spannende Impulse

Internationale Gäste aus China und Finnland berichteten von ihren Erfahrungen mit der Digitalen Transformation an ihren Hochschulen. Dabei zeigte sich, dass die deutschen Hochschulen mit ihren Herausforderungen nicht alleine dastehen. Ausruhen kann dies aber nicht bedeuten: An den Herausforderungen wurde konkret in den Workshops und Diskussionsforen gearbeitet, die Ergebnisse sind in Kürze auf der Veranstaltungshomepage zu finden.


Autor:
Dr. Jonas Gallenkämper
Aufgabe im VDI: Geschäftsführer des Fachbeirats Ingenieurausbildung

 

 

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*