Ingenieurarbeitsmarkt

Engpässe in Ingenieurberufen hemmen Wachstum und Innovationen

Die Wirtschaft brummt: Angesichts voller Auftragsbücher blicken Unternehmen optimistisch in die Zukunft. Einziger Wermutstropfen: Passende Ingenieurinnen und Ingenieure sind immer seltener zu finden. Der VDI veröffentlicht gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) quartalsmäßig den Ingenieurmonitor, der die Engpässe in einzelnen Ingenieurberufen offenlegt. Wir haben hierüber mit dem Arbeitsmarkt- und Innovationsforscher Dr. Oliver Koppel vom IW gesprochen.

Bild: VDI / Thomas Ernsting
Der Ingenieurmonitor stellt offene Stellen und arbeitslos gemeldete Personen in den jeweiligen Ingenieurberufen gegenüber und leitet daraus Aussagen über mögliche Engpässe ab. Was sind aktuelle Befunde?

Wir erheben aus den aktuellen Arbeitsmarktstatistiken der Bundesagentur für Arbeit offene Stellen und erwerbslos gemeldete Personen in Ingenieurberufen, die wir in insgesamt acht Kategorien unterteilen und auf die Ebene der Bundesländer herunterbrechen. Für jedes Quartal können wir dann die gesamtwirtschaftliche Anzahl offener Stellen berechnen, ins Verhältnis zur Anzahl erwerbslos gemeldeter Personen setzen und Engpasskennziffern berechnen.

Aktuell zeigt sich in nahezu jedem Ingenieurberuf ein Engpass. Im vierten Quartal 2017 entfielen in den Ingenieurberufen auf 100 Arbeitslose bundesweit 337 offene Stellen – damit nähert es sich dem Höchststand an. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch die anhaltend hohe Nachfrage in den Bereichen Bau, Vermessung und Gebäudetechnik wie auch in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie in der Energie- und Elektrotechnik. Hier können wir auch regionale Schwerpunkte ausmachen, in denen sich der Engpass auf dem Ingenieurarbeitsmarkt überdeutlich zeigt: In Bayern haben wir in den Ingenieurberufen der Maschinen- und Fahrzeugtechnik eine Engpasskennziffer von 824; in Baden-Württemberg haben wir im Bereich der Energie- und Elektrotechnik eine Engpasskennziffer von 811. In beiden Regionen werden auch Ingenieure aus den Bereichen Bau, Vermessung, Gebäudetechnik, Architekten gesucht, wie auch in Rheinland-Pfalz/Saarland (652) oder Niedersachsen (628).

Bild: IW KölnDr. Oliver Koppel, Arbeitsmarkt- und Innovationsforscher beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Dr. Oliver Koppel, Arbeitsmarkt- und Innovationsforscher beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Kommen wir zu den angesprochenen Ingenieurberufen im Baubereich. Noch vor wenigen Jahren waren Bauingenieure nicht sehr gefragt, jetzt zählen sie bundesweit zu den am meisten gesuchten. Wird dieser Trend aus Ihrer Sicht anhalten?

Die hohe Nachfrage nach Bauingenieuren wird ausgelöst durch die steigenden Infrastrukturinvestitionen, den Bauboom aufgrund der niedrigen Zinsen im Immobiliensektor aber auch durch Impulse der energetischen Gebäudesanierung. In diesen drei Bereichen erwarte ich kurz- und mittelfristig kein signifikantes Abflauen der Ausgaben durch die öffentliche Hand oder von privater Seite. Wir können also aus meiner Sicht davon ausgehen, dass Ingenieurberufe im Baubereich auch in absehbarer Zeit weiterhin auf hohem Niveau nachgefragt werden.

Wie sieht es in den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie Energie- und Elektrotechnik aus Ihrer Sicht aus?

Auch hier können wir hohe Engpasskennziffern feststellen, insbesondere in den industriellen Kernregionen Bayerns und Baden-Württembergs. In beiden Ingenieurberufen spielt das Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 eine wichtige Rolle. Auf der einen Seite ist durch das Entstehen neuer digitaler Geschäftsmodelle ein enormer Bedarf an entsprechend qualifizierten Fachkräften absehbar. Auf der anderen Seite verändern sich durch Digitalisierung auch die Tätigkeitsfelder der Ingenieurinnen und Ingenieure und die Bedeutung von IT-Wissen wächst. Dies kann zu einem weiteren Zusammenwachsen der beiden Tätigkeitsfelder führen. Das bedeutet, dass in Zukunft digitale Kompetenzen noch stärker an Bedeutung gewinnen werden und die Zukunftsaussichten insbesondere für Ingenieurinnen und Ingenieure, die über ein entsprechendes Kompetenzprofil verfügen, in diesen Berufen weiterhin hoch sein werden.

Bild: VDIrauhut-ingo-2017
Autor:
Ingo Rauhut
Position: Geschäftsführer Fachbeirat Beruf und Arbeitsmarkt im VDI

 

 

 

Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Engpässe in Ingenieurberufen hemmen Wachstum und Innovationen

  1. Sehr interessanter Beitrag – interessant wäre auch wie viele der Stellen über Ingenieursdienstleister oder Zeitarbeitsfirmen angestellt werden sollen und wie viele die Firmen direkt einstellen wollen. Ich denke sehr viele Arbeitnehmer schauen genau hin wie das Beschäftigungsverhältnis aussehen soll.

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