Tagung LAND.TECHNIK für Profis

Vier Thesen zur Digitalisierung der Landtechnik

Wie sieht die Erntetechnik von morgen aus? Einen Ausblick dazu wagte Peter Pickel, Vorsitzender des Fachbereichs Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik, auf der der Tagung „LAND.TECHNIK“. 280 Teilnehmer, darunter Vertreter von Landtechnikunternehmen und Profilandwirte tauschten sich anschließend über die neusten Entwicklungen aus.

Bild: GRIMMELandtechnik_blog_beitragsbild

Innovative Technik trifft innovative Anwender

Das Tagungsprogramm mit seinen Hauptüberschriften Anforderungen, Verfahrenstechnik, Pflege, Ernte und Logistik hatte den Anwender im Fokus. „Schaut man auf die Vortragsüberschriften, so kann man ergänzen, dass der Adressat der „innovative“ Praktiker ist. Wir versuchen hier ein bisschen in die Zukunft zu blicken“, so Pickel. „Und natürlich sollen auch die Experten und Entwickler vom Wissensaustausch mit der Praxis profitieren.“

Das Leitthema des Vortrags von Peter Pickel war auf das gastgebende Unternehmen „GRIMME“ zugeschnitten und beschäftigte sich mit der „Technik für den Hackfruchtanbau“. Darunter versteht man konkret Verfahren für die Kartoffel- und Zuckerrübenproduktion. Eine Unkrautbekämpfung durch manuelles Hacken innerhalb der Pflanzenreihen ist in den letzten 50 Jahren fast vollständig durch chemische Maßnahmen ersetzt worden. Exakt gesteuerte Hackwerkzeuge ermöglichen eine Datenauswertung in Echtzeit neue Wege und manchmal auch das Aufgreifen alter Wege. Precision Farming, Robotik und Smart Farming sind Technologien, die im Rahmen des technologisch-sozialen Wandels unserer Gesellschaft, der gern auch als Digitale Transformation bezeichnet wird, das Wesen unseres „Business“ verändern. Ob der Wandel dabei so fundamental ist, wie vielfach vorhergesagt wird, wissen wir noch nicht.

Bild: GRIMMEViele interessierte Zuhörer bei der LAND.TECHNIK für Profis

Viele interessierte Zuhörer bei der LAND.TECHNIK für Profis

Trends der Digitalisierung in der Landtechnik
Vier wesentliche Trends, sieht Pickel auf die Branche zukommen:

  • Die Farm Management Informations-Systeme (FMIS) werden sich zu Farm-Management-Systemen weiterentwickeln. Anders ausgedrückt aus „Decision Support Systemen“ werden Systeme, die Entscheidungen zu Produktionsabläufen weitestgehend selbstständig treffen. Die landwirtschaftlichen Prozesse werden mit Ihnen nicht mehr einzeln (sequentiell), sondern als integriertes Produktionssystem ähnlich einer Industrie 4.0-Produktionsstätte gesteuert werden.
  • Alle Produktionsabläufe und -deatils werden umfassend dokumentiert und die gesammelten Informationen werden Teil einer vernetzten Nahrungsmittelproduktion. Man könnte dies als „meshed production“ bezeichnen. Die vor- und nachgelagerten Bereiche werden in den Informationsketten natürlich genauso involviert sein wie landwirtschaftliche Primärproduktion.
  • Die landwirtschaftlichen Zulieferer werden Ihre Produkte bzw. Leistungen verändern. Beispiel Pflanzenschutz: Der Chemie-Riese verkauft nicht mehr Pflanzenschutzmittel sondern vielleicht Erfolgsversicherungen. Die Gesunderhaltung der Pflanzen durch die vom Dienstleister eingekauften Maßnahmen sind Kriterium und Gegenstand des Geschäftsmodells.
  • Die demnächst aufkommenden 5G-Kommunikationsstandards werden all das vorantreiben und es wird Informations- und Kommunikationstechnologien geben, die es erlauben, mit hoher Bandbreite oder mit geringsten Latenzzeiten in zellulären Sub-Netzen zu kommunizieren. So können Maschinen aus der Cloud hochdynamisch gesteuert und geregelt werden. Jedoch darf auf lange Sicht die ersehnte 100% Netzabdeckung im ländlichen Raum nicht erwartet werden.

„All dies mag so oder so ähnlich kommen. Bewerten können wir es vielleicht noch nicht voll umfänglich, aber wir sollten es dennoch jetzt schon versuchen, um Risiken und Aufgaben frühzeitig zu identifizieren, um die Lösungsfindung erfolgreich vorantreiben zu können, so Pickel.

Bild: Katharina GeigerPeter PickelAutor: Prof. Dr.-Ing. Peter Pickel
Vorsitzender des Fachbereichs Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik
Mitglied im Interdisziplinären Gremium „Digitale Transformation“

 

 

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