Urbane Produktion und Logistik

Aktives Beziehungsmanagement als Schlüssel zum Erfolg

Ob Hamburg, Düsseldorf oder München – an vielen Orten in Deutschland gibt es strategische Rahmenpläne für Industrieentwicklung im urbanen Umfeld. Häufig jedoch fehlt die konsequente Verknüpfung von Wirtschafts-, Stadt- und Kulturentwicklung. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen von Stadt zu Stadt höchst unterschiedlich. Es braucht einen Interessensausgleich, der an Politik, Verwaltung und Unternehmen hohe Ansprüche stellt. In unserem Gastbeitrag geht Dr. Jens Reichel von Thyssen-Krupp-Steel und Vorsitzender der VDI-Fachgesellschaft Produktion und Logistik (GPL) darauf ein, warum Partnerschaften zwischen Unternehmen und Kommunen verstärkt eingegangen werden sollten.

Bild: VDI

Unternehmen und Kommunen müssen sich zunehmend als Entwicklungspartner verstehen und gegenseitig Wachstumspotenziale mobilisieren. Die möglichst frühzeitige Einbeziehung von Unternehmen als wichtige Partner, bedingt durch die wachsende Komplexität bei der Umsetzung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen in Städten sowie knapper öffentlicher Haushalte, wird für Städte immer entscheidender.

Das belegt auch eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedern der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik: Zwei Drittel fordern einen früheren Informationsfluss hinsichtlich Flächennutzung, Infrastruktur oder Ähnlichem an Unternehmen zu Änderungen, die den jeweiligen Standort betreffen. Über 40 Prozent wünschen sich einen regelmäßigen Austausch mit physischen Treffen zu Planungen und Entwicklungen am Standort.

Neben der Erhöhung der Legitimation, der Ausrichtung der Maßnahmen an Bedarfe der regionalen Wirtschaft sowie der Nachwuchsbindung kann die wechselseitige Einbindung von Politik, Verwaltung und Industrie bei der Erschließung von privatem Kapital („Public Private Partnership“, PPP) helfen.

Auch die Firmen profitieren von der Beteiligung und Einflussnahme an Gestaltungsprozessen, gewinnen an positivem Einfluss auf betrieblichen Standortbedingungen, leisten einen Beitrag im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung und erscheinen bereits über die gesteigerte Wahrnehmung als attraktiver Arbeitgeber.

Um ein gegenseitiges Verständnis zwischen Unternehmen und Kommunen zu fördern, ist ein regelmäßiger Austausch notwendig. Eine Möglichkeit für Unternehmen, um mit relevanten Akteuren am Standort in Kontakt zu treten, ist die aktive Mitarbeit in Politik- und Wirtschaftsnetzwerken. Die Ergebnisse der VDI-Umfrage zeigen, dass hier von den Unternehmen überwiegend der Weg über die Industrie- und Handelskammern (IHK) gewählt wird: So geben zwei Drittel der Befragten an, über die lokalen IHK in lokalen Netzwerken aktiv zu sein – wobei der Begriff „aktiv“ noch viel Definitionsspielraum lässt. Erst mit großem Abstand folgen Verbände.

Nur rund ein Viertel der Befragten nutzt das Know-how von Mitarbeitern aus dem eigenen Unternehmen in Planungsverfahren zu Infrastrukturvorhaben. Dies erstaunt angesichts der hohen Bedeutung, die die befragten Unternehmen diesem Thema gleichzeitig beimessen. Raumplanungsverfahren oder Planungen zum Thema ÖPNV werden noch seltener aktiv begleitet.

Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass viele Unternehmen das Potenzial von lokalen Politik- und Wirtschaftsnetzwerken kaum ausschöpfen. Der Kontakt erfolgt – wenn überhaupt – über die lokalen IHK, wobei nicht klar ist, wie intensiv die Mitarbeit hier tatsächlich ist. Die Erfahrung zeigt, dass das Engagement oft nicht über die passive Mitgliedschaft und die gelegentliche Teilnahme an Veranstaltungen hinausgeht.

Klar ist, dass veränderte Formen und neue Qualitäten in Beteiligungsprozessen und Planungsverfahren notwendig sind. Sofern dies ernst genommen wird, ergeben sich daraus auch für die Kommunen erhebliche Konsequenzen. Nicht nur in ihrem Handeln nach außen, das heißt bei der Ansprache und der Integration von Unternehmen und Bürgerschaft im Rahmen der Konzeption und Organisation von Beteiligungsprozessen. Sondern auch nach innen, unter anderem bei der Kooperation unterschiedlicher Ressorts und Ämter, die Qualifizierung und Weiterbildung der Mitarbeiter sowie die Bereitstellung der notwendigen Ressourcen.

Bild: VDIAutor: Dr. Jens Reichel
Position: Leiter Technische Dienstleistungen & Energie, Thyssen-Krupp-Steel Europe und Vorsitzender der VDI-Fachgesellschaft Produktion und Logistik (GPL)

 

Besuchen Sie dazu unsere Website www.vdi.de/urbane-produktion für Informationen zu geplanten VDI-Veranstaltungen und Publikationen zum Thema „Urbane Produktion und Logistik“.

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