Karrieretipp des Monats

Brüche im Lebenslauf – lange Arbeitslosikeit und andere „Katastrophen“

Was Katastrophen im Laufe einer Karriere sind, wird von Bewerbern und Arbeitgebern manches Mal sehr unterschiedlich beurteilt.

Arbeitssuchend, arbeitslos, berufliche Neuorientierung: Dies kann in jedem Berufsleben einmal vorkommen. Sie sind damit nicht alleine. Sie müssen es aber nicht auch noch prominent im Lebenslauf aufführen. Wozu jemanden mit der Nase darauf stoßen? Oft entdeckt der Leser die Lücke im Lebenslauf gar nicht. Und wenn doch, sieht er zumindest meist bis zum ersten Vorstellungsgespräch darüber hinweg, wenn die übrigen Qualifikationen gut zur Ausschreibung passen. Dann allerdings müssen Sie eine plausible Erklärung oder gute Gründe parat oder zumindest etwas daraus gelernt haben!

Bild: shutterstock_408120067Das Gleiche gilt sinngemäß auch für schwere Krankheiten oder Unfälle sowie zurückbleibende Schäden oder bestehende körperliche und/oder geistige Behinderungen. Nur wenn dadurch eine Beeinträchtigung bezüglich der angestrebten Tätigkeit möglich ist, müssen Sie mindestens im ersten Vorstellungsgespräch den potentiellen Arbeitsgeber darüber informieren.

Falls man die Katastrophe keinesfalls übersehen kann, hilft statt der „diplomatischen Kunst des Schweigens“ eine freiwillige Erklärung. Wenn man sonst sowieso auf dem Absage-Stapel landet, kann man es auch mit Offenheit im Anschreiben, mindestens aber im Lebenslauf probieren.

„Ich habe zu spät angefangen, nach dem Studium einen Job zu suchen. Mir war als Berufsanfänger nicht bewusst, wie lange das dauern kann. Das passiert mir nie wieder.“ sagte der frischgebackene Bachelor of Engineering nach sechs Monaten Arbeitssuche nach der Exmatrikulation im Vorstellungsgespräch. Als Richtwert gilt: Pro 10.000 € Gehalt dauert die Jobsuche im Durchschnitt 1,5 Monate. Übrigens, wenn Sie sich für einen Master-Studiengang immatrikulieren, verkürzen Sie im Lebenslauf Ihre Zeit der Arbeitssuche. Sie müssen das zweite Studium ja nicht abschließen, wenn der erste Job dann kommt.

Anders sieht es bei der Verwirklichung eines Lebenstraums aus, wie in einem Sabbatical ein Jahr lang in Australien surfen oder mit seinem Hobby Yoga ein paar Jahre selbstständig sein. Diese Zeit bekommen sie im Laufe Ihrer Karriere nie wieder zurück. Ihre ehemaligen Kollegen verdienen inzwischen mehr und sind zum Teamleiter befördert worden. Und was haben Sie für Ihr „klassisches“ Berufsleben nach dem Bruch beim Surfen und Yoga gelernt?

Am Beispiel „Insolvenz des Arbeitgebers“ wird deutlich, dass man auf manche Umstände, die zu einem Bruch im Lebenslauf führen, keinen Einfluss hat. Oder das Unternehmen wird verkauft und der neue Eigentümer schließt den Standort oder Geschäftsbereich. Oder die strategische Ausrichtung des Unternehmens ändert sich z.B. im Zuge der Energiewende. Aber – als Mitarbeiter/in kann man solche Entwicklungen kommen sehen und damit vorausschauend umgehen, d.h. rechtzeitig einen neuen Job suchen. Und man ist auch nicht gezwungen, einen Abfindungsvertrag zu unterschreiben, wenn man sich für das Geld evtl. eine längere Arbeitslosigkeit einhandelt.

Alles ist im Laufe eines langen Berufslebens möglich. Aber man zahlt für alles immer auch einen Preis. Und um den Schaden durch Handicaps bei Bewerbungen zu begrenzen, können Sie ja speziell den Wiedereinstieg nach der Katastrophe auch bei einer „Perle der Provinz“ mit etwas niedrigerem Gehalt probieren …

 

Autorin: VDI-Karriereberaterin Undine Stricker-Berghoff

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