Urbane Mobilität – Parken, Grüne-Welle und Carsharing in der Stadt von Morgen

Der Verkehrsinfarkt ist abwendbar

Großstädten wird in naher Zukunft oft pauschal der endgültige Verkehrsinfarkt prognostiziert. Doch es gibt dank digitaler Technik immer mehr smarte Lösungen, die ein anderes Bild der Zukunft zulassen. Darin muss man keinen Parkplatz mehr suchen und könnte permanent ein Auto in der Nähe nutzen. Urbane Mobilität ist zudem eines der zentralen Themen auf der diesjährigen CONCAR-EXPO, Europas größter Fachmesse rund um automatisiertes Fahren, Connected Car und Smart Mobility.

Bild: T. Frohn

Volle Städte, keine Parkplätze – der Verkehrsinfarkt kann mitteln smarter Konzepte und Technologien noch abgewendet werden.

Car Sharing ist beliebt wie nie und erst der Anfang

DriveNow, Car2go, Flinkster und Co.: Mehr als zwei Millionen (2.110.000) Menschen nutzen aktuell das Angebot. Das hat vor wenigen Wochen der Bundesverband Carsharing in seinem Jahresbericht veröffentlicht. Zum Vergleich: 2015 waren es gerade einmal halb so viele Nutzer.

Aktuell setzen viele Städte auf Carsharing Angebote, um den Individualverkehr effektiver zu gestalten. Die Stadt Hamburg hat angekündigt, bis 2019 insgesamt mehr als 1000 öffentliche Ladepunkte und Parkplätze für Elektroautos bereitzustellen. Hintergrund ist ein Kooperationsvertrag mit DriveNow. Das Carsharing-Joint Venture der BMW Group und Sixt SE will hier seine Stromer-Flotte von aktuell rund 200 Fahrzeugen auf insgesamt 550 ausbauen.

Glaubt man dem Branchenverband, vermag das Prinzip der gemeinschaftlichen Autonutzung einen deutlichen Beitrag zur Verkehrswende hin zur Elektromobilität zu leisten: Von rund 18.000 aktuell angebotenen Fahrzeugen, verfüge jedes zehnte bereits über einen Elektro oder Hybridantrieb. Bundesweit habe das Anfang 2017 jedoch lediglich für jedes tausendste Fahrzeug gegolten, so der Verband. Der Elektro- und Hybridanteil wäre somit 100-mal höher als im nationalen Pkw-Bestand.

Generell könnte Carsharing die Verkehrsbelastung in Städten reduzieren. DriveNow etwa beruft sich in einer Pressemitteilung auf mehrere Studien, nach denen ein einziges Carsharing Fahrzeug mindestens drei private Pkw substituiert.

DriveNow präsentiert neben anderen Anbietern seine Lösungen in diesem Juni auch wieder auf der CONCAR-EXPO in Berlin. Sie ist Europas größte Fachmesse rund um die Themen Autonomous Driving, Connected Car und Mobility Solutions.

Immer ein Auto, wo man es braucht

Die Firma xdi360 aus München hat in Kooperation mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die Grundlagen für eine smarte Lösung entwickelt, die Carsharing effektiver machen könnte.

Hierbei werden die Positionsdaten der Autos und Nutzer per Heatmap übereinandergelegt und visualisiert. Diese Karte zeigt genau, wann und wo Autos nachgefragt werden und wo stets welche verfügbar sein sollten. Als Lösung bietet die Firma Optimierungen an, die letztendlich in einen Umparkplan münden.

Aktuell gehen die Flottenbetreiber und xdi360 davon aus, dass private PKW zu gerade einmal vier Prozent ausgelastet sind. Da weist Carsharing mit rund 15 Prozent eine deutlich bessere Bilanz auf. Mit der neuen Lösung von xdi360 könnte, so die Prognosen der Macher, die Auslastung  deutlich steigen.

Gemeinschaftlich genutzte Fahrzeuge können helfen, Geld zu sparen. Die Stiftung Warentest kam bereits vor einigen Jahren in einer Modellrechnung mit 5.000 Jahreskilometern auf Kosten von 138 Euro pro Monat, mit einem eigenen Wagen dagegen auf 206 Euro pro Monat.

xdi360 befindet sich gerade in der Pilotphase – bislang verläuft diese, so teilt Geschäftsführer Dr. Heiko Karl mit, sehr erfolgreich. Ende dieses Jahres wollen die Münchener mit der Lösung bei ersten Kunden in die Projektumsetzung gehen.

Xdi360 präsentiert seine Lösungen ebenfalls auf der CONCAR-EXPO.

Bild: T.Frohn

Rarität – Ein freier Parkplatz ist in Großstädten oft eine Seltenheit. CarSharing könnte helfen, die Lage zu entspannen. Smarte Technik hilft künftig bei der Parkplatzsuche.

Immer einen Parkplatz finden, ohne suchen zu müssen

Autofahrer weltweit kennen die oft nervende Parkplatzsuche. Wie immens der Verlust an Zeit, Kraftstoff und Geld nur wegen der Parkplatzsuche ist, hat im vergangenen Jahr eine Analyse von Inrix, einem Anbieter von Verkehrsanalysen, aufzeigt. Hiernach belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten auf rechnerisch rund 900 Euro pro Autofahrer. Hochgerechnet auf die BRD summiert sich der Schaden auf rund 40 Milliarden Euro. Pro Tag verbringt im Schnitt jeder Autofahrer bis zu zehn Minuten damit, seinen Wagen abzustellen – im Jahr summiert sich das auf 41 Stunden auf. In Städten wie Köln und Düsseldorf sind es sogar 61 Stunden. Auch für die Umwelt ist das belastend. Laut Inrix verschwenden die Deutschen jedes Jahr 3,2 Milliarden Liter Kraftstoff bei der Parkplatzsuche.

Für diese Probleme hat die Firma AIpark smarte Lösungen entwickelt. Das Braunschweiger Unternehmen betreibt einen Cloud-Service, der in Echtzeit Informationen über freie Parkplätze sammelt und diese Informationen an die Nutzer sendet. Im Optimalfall bekommt ein Autofahrer bereits auf dem Heimweg Informationen darüber, wo er einen freien Parkplatz in seiner Nachbarschaft findet. AIpark hofft so, bis zu 30% des gesamten urbanen Verkehrs reduzieren zu können.

Wie funktioniert das?

Mithilfe künstlicher Intelligenz (AI) analysiert ein künstliches neurales Netzwerk täglich  Milliarden von Informationen. Die Daten stammen insbesondere aus vernetzten Fahrzeugen sowie aus smarten Städten und deren Verkehrssystemen (Car2X/Car2Car), die alle Infos über die aktuelle Parkplatzsituation in Echtzeit erfassen und an die ParkingCloud von AIpark weiterkommunizieren. Das neurale Netzwerk erkennt so Nutzer, die ihr Fahrzeug abstellen, einen Parkplatz verlassen oder gerade Schwierigkeiten haben, einen zu finden. Die ParkingCloud bezieht insgesamt mehr als 80 unterschiedliche Parameter in ihre Berechnungen ein, um die aktuelle Parkplatzsituation vorherzusagen.

Wer mehr über AIpark und seine ParkingCloud erfahren möchte, kann dies ebenfalls auf der CONCAR-EXPO in Berlin.

Noch besser könnte die Situation beim vollautomatisierten Fahren werden, wenn alle Fahrzeuge untereinander und mit Verkehrsinfrastrukturen vernetzt miteinander kommunizieren. Je schneller sich Autobauer, Kommunen und Verkehrsleitzentralen auf einheitliche, vernetzte Technologien einigen, desto eher könnten Zeit, Geld und Kraftstoff gespart und der oft prognostizierte Verkehrsinfarkt abgewendet werden.

VDI-Mitgliedervorteile
Der VDI – Verein Deutscher Ingenieure e.V. lädt seine Mitglieder herzlich zu einem Besuch der CONCAR-EXPO 2018 ein. Sie haben freien Zutritt. Im Mitgliederbereich können Sie ihr kostenloses Tagesticket zur Messe sichern. Im Preis nicht inbegriffen ist der Besuch des begleitenden Kongresses.

tomas-frohnAutor: Thomas Frohn
Position im VDI Wissensforum: Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 

 

 

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