VDI-Windenergieevent am 12. und 13. Juni in Bremen

Neueste Entwicklungen in der Windenergie

Das VDI Wissensforum begleitet seit über 10 Jahren die Entwicklungen in der Windenergie mit gezielten Veranstaltungen und Weiterbildungen, um den Know-how-Transfer voranzutreiben und die Akteure untereinander zu vernetzen. Am 12. und 13. Juni 2018 findet in Bremen wieder das große VDI-Windenergieevent statt. Wir nehmen dieses zum Anlass zu einem Experteninterview mit dem Tagungsleiter Thomas Gellermann. Im Interview berichtet er über die neuesten Entwicklungen in der Windenergie und wagt einen Blick in die Zukunft.

Bild: shutterstock_529618147Herr Gellermann, im Juni ist ein großes VDI-Windenergieevent mit drei parallelen Veranstaltungen in Bremen geplant. Was können die Veranstaltungsteilnehmer erwarten?
Thomas Gellermann: Die drei Veranstaltungen „Turm und Fundament“, „Rotorblätter“ und „Schwingungen“ liefern Fachbeiträge zu aktuellen technischen Fragen und Trends, die die wesentlichen Baugruppen von Windenergieanlagen betreffen. Durch die räumliche und zeitliche Zusammenlegung der bereits seit Jahren erfolgreichen Fachforen, haben die Teilnehmer den großen Vorteil, zwischen den Veranstaltungen wechseln und die für sie interessantesten Vorträge auswählen zu können. Somit bietet dieses Großevent hervorragende Möglichkeiten zum Networking.

Wo sehen Sie zwischen den drei Veranstaltungen den größten thematischen Zusammenhang?
Der gemeinsame Fokus liegt in der Erhöhung der Zuverlässigkeit der Anlagen durch innovative Lösungen. Sie sollen zur Verbesserung der Technik, zur Optimierung der Betriebsweise und zur Anwendung neuer Überwachungsmethoden beitragen. Letztere beschäftigen uns bei allen drei Veranstaltungen im Hinblick auf eine frühzeitige Schadenerkennung oder einer geeigneten Schadenprophylaxe. Das übergeordnete Thema ist hier „Predictive Maintenance“, das durch die fortschreitende Digitalisierung großes Potential zur Kosteneinsparung verspricht.

Welche Innovationen erwarten Sie in den nächsten 10 Jahren in der Windbranche? Zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit erwarte ich weitere Entwicklungen, die auf eine Steigerung des Jahresenergieertrags pro Anlage abzielen, z.B. durch noch weiter zunehmende Rotordurchmesser und höhere Türme. Dies wird innovative Lösungen zur Gewichtsreduktion und eine adaptive Lastreduzierung erfordern. Damit stellen sich automatisch auch Herausforderungen zur Beherrschung der Schwingungen der Anlagen und ihrer Komponenten.

Bild: privat

Thomas Gellermann, Schadenexperte und Gutachter für Windenergieanlagen

Weiterhin sehe ich Fortschritte bei der Entwicklung und Einführung innovativer Sensorkonzepte und Auswertealgorithmen, die die bedarfsgerechte Instandhaltung von Windkraftwerken verbessern wird – Stichwort „Predictive Maintenance“. Abhängig von der zukünftigen Entwicklung des Strompreises wird der Weiterbetrieb der Anlagen über den EEG-Förderzeitraum von 20 Jahren hinaus eine zunehmende Rolle spielen. Dies wird wahrscheinlich auch zu einem Ausbau der Dienstleistungen und der Systeme für das Lebensdauer-Monitoring von Strukturkomponenten führen.

Was erwarten Sie vom Markt für Windenergieanlagen in den nächsten 10 Jahren?
Im Onshore-Bereich dürfte der Ersatz alter Anlagen in Deutschland an Bedeutung gewinnen. In 2017 betrug der Repowering-Anteil gut 17 % der in Deutschland neu installierten Erzeugungsleistung von ca. 5300 MW. Allein in 2020 werden etwa 4000 MW der installierten Windenergieleistung aus der 20-jährigen EEG-Förderung fallen. Der Erfolg eines Repowerings wird aber stark von den politischen Rahmenbedingungen abhängen; nicht zuletzt, weil größere Anlagen gemäß aktuell gültiger Abstandsregelungen weiter von Wohngebieten entfernt liegen müssen.

Wie beurteilen Sie die Chancen der deutschen Marktteilnehmer im europäischen Markt?
Die deutschen Turbinen- und Komponentenhersteller sowie Entwicklungsbüros und Servicedienstleister haben sich durch den starken Heimatmarkt über viele Jahre exzellent entwickelt. Durch das aufgebaute Know-how sowie der verfügbaren Fertigungs- und Servicestätten in verschiedenen Zielmärkten sind die meisten Unternehmen für den europäischen und globalen Markt meines Erachtens gut positioniert.

Bei welchen technischen Aspekten erwarten Sie stärkere Zuverlässigkeit der Anlagen?
Die kontinuierlich gesteigerten Anlagengrößen stellen an die meisten Anlagenkomponenten erhöhte Anforderungen, die sich in manchen Fällen zu Lasten der Zuverlässigkeit ausgewirkt haben. Zum Beispiel steigen bei Blattlagern in der Regel die Belastungen mit zunehmendem Rotordurchmesser oder infolge neuer Regelungskonzepte, wie der Einzelblatt-Pitchverstellung. Der Blitzschutz von langen Rotorblättern sowie Blättern mit Kohlefaseranteil ist anspruchsvoller. Wenn in solchen Fällen eine Einschränkung bzgl. der Komponentenzuverlässigkeit erkannt wird und eine konstruktive Verbesserung nicht verfügbar ist, kann zumindest durch die Einführung gezielter Überwachungsmethoden eine Zustandsänderung rechtzeitig erkannt und die notwendige Instandsetzung vor einem Ausfall geplant werden. Dies erhöht die Systemzuverlässigkeit.

Bild: VDI Wissensforum

Das Interview führte: Kai Olof Duda
Position: Produktmanager Energie im VDI Wissensforum

 

 

 

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