Weniger Schäden – aber höhere Schadenssummen

Was bringt automatisiertes Fahren für die Versicherer?

Unsere zukünftige Mobilität wirft noch viele wichtige Fragen auf. Wie wirkt sich automatisiertes Fahren auf die Versicherer aus? Ist trotz einem Rückgang  der Schadensfälle, mit einer Erhöhung der durchschnittlichen Schadenssumme zu rechnen? Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer AZT Automotive GmbH ist Referent der internationalen VDI-Konferenz Automated Driving, vom 16. – 17. Mai in Düsseldorf. Er spricht dort über die Auswirkungen von automatisiertem Fahren auf die Versicherer.

Bild: VDI WissensforumWie entwickeln sich die Schadenaufwände mit der zunehmenden Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen sowie gar mit dem teil-/ vollautomatisierten Fahren? „Das ist eine Riesenfrage, die auf Versicherer und den After-Sales-Bereich zukommt“, unterstreicht Dr. Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer AZT Automotive GmbH, einer der Referenten der VDI Konferenz Automated Driving. Bis sich die Schadensregulierung – rund 22 Mrd. Euro im Jahr 2015 – spürbar reduziert, werde in jedem Fall noch viel Zeit vergehen, so Dr. Lauterwasser. „Ein vollständig automatisiertes Fahren werden wir frühestens ab Mitte der 2020-er Jahre erleben. Bis dann eine nennenswerte Marktdurchdringung erreicht ist, die auch an den Unfallzahlen abzulesen ist, wird es nochmals deutlich länger dauern.“ Zwar ist unstrittig, dass Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren in zahlreichen Situationen drohende Unfälle verhindern können – „dennoch sollte man die Wirkung auf das gesamte Unfallgeschehen nicht überschätzen.“

Moderater Rückgang der Schadenszahlen erwartet

Nach einer vom GDV mit Unterstützung des Allianz Zentrum für Technik durchgeführten Studie werden die Schadenszahlen bis 2035 nur moderat zurückgehen. „Die Spanne zwischen der Projektion einer schnellen und einer eher langsamen Marktdurchdringung liegt dabei zwischen 7 und 15 Prozent, was die Schadensrückgänge betrifft.“ Marktdurchdringung sei ein träger Prozess, der viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch nehme. Das beste Beispiel sei die lange Zeitspanne von zwei Jahrzehnten, die es bis zur heutigen ESP-Verbreitung von 70 Prozent der Fahrzeuge gebraucht habe.

Bild: privat

Christoph Lauterwasser

Was Versicherer zusätzlich beschäftigt: Zwar sinkt die Zahl der Schadensfälle – doch die durchschnittliche Schadenssumme könnte wachsen. Ein Grund dafür ist die komplexere Technik, die mit Assistenzsystemen Einzug hält. „Das führt zu einer Erhöhung der Schadenssummen. So sind zum Beispiel bei Schäden im Frontbereich oft auch Radarsensoren betroffen, entweder durch eine notwendige Kalibrierung im Rahmen der Fahrzeugreparatur oder auch durch eine direkte Beschädigung des Sensors. Kameras wiederum müssen bei einem Scheibentausch in der Regel neu kalibriert werden. Die verbauten Komponenten führen also auch häufig zu höheren Kosten im Schadensfall“, so Dr. Lauterwasser.

Wirkung von Fahrerassistenzsystemen ist unbestritten

Unterm Strich erwartet der Fachmann einen stärkeren Rückgang der Schadenssummen bei der Haftpflicht als bei der Kasko-Versicherung, da im Haftpflichtbereich das Potenzial wirklich vermeidbarer Schäden durch Assistenzsysteme größer ist. Letzthin sei die Wirkung und der Nutzen von Fahrerassistenzsystemen indes unbestritten. Im Gegenteil: So sei etwa klar, dass Front-Notbremssysteme sehr sinnvoll seien, um etwa Auffahrunfälle zu verhindern. „Das sind so sinnvolle Sicherheitsfunktionen, dass sie automatisch im Fahrzeug stets aktiviert sein sollten, ohne Zutun des Fahrers.“

Wie lassen sich Unfalldaten in Zukunft auswerten?

Im Zuge der Entwicklung des automatisierten Fahrens kommen zudem rechtliche Fragestellungen im Bereich Haftung auf, die geklärt werden müssen – alleine schon um einen verlässlichen Opferschutz zu gewährleisten.  Auch die Auswertbarkeit von Fahrzeugdaten wird dabei zum wichtigen Thema. „Um Unfälle aufklären zu können und die Ursachen zu verstehen, ist man nun einmal auf die konkreten Daten aus dem Fahrzeug angewiesen.“ In jedem Fall sieht der Fachmann damit hohen Kommunikationsbedarf auf Fahrzeughersteller, Reparaturbranche und die Versicherungswirtschaft zukommen.

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Autor: Thomas Frohn
Position im VDI Wissensforum: Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 

 

 

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