Karrieretipp des Monats

Kündigung in der Probezeit – was jetzt?

Ihnen wurde in der Probezeit gekündigt? Was tun, wie gehen Sie mit der Situation um, was ist zu beachten? In der Regel sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei der Gestaltung des Anstellungsvertrags frei, ob eine Probezeit vereinbart wird, wie lange diese ist und wie lange die Kündigungsfrist innerhalb der Probezeit ab. Unternehmen die tariflichen Rahmenverträgen unterliegen oder eine Betriebsvereinbarung haben, haben sich in der Regel für alle tariflichen Mitarbeiter auf eine einheitliche Vorgehensweise bei Probezeit und Kündigungsfrist festgelegt.

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Nach meinen Erfahrungen beträgt die Probezeit in der Regel sechs Monate, und es gibt eine Kündigungsfrist von 14 Tagen. Die Kündigung kann ohne Begründung erfolgen.
Grundsätzlich ist es aus der Karrieresicht zu vermeiden, dass Ihnen gekündigt wird. Eine Kündigung in der Probezeit wirft immer ein schlechtes Bild auf Sie zurück. Selbst, wenn Sie kündigen. Von daher ist vor Antritt der neuen Stelle auch von Ihnen zu prüfen, ob das der richtige Job und der richtige Arbeitgeber für Sie sind. Lediglich bei einer extremen wirtschaftlichen Schieflage oder einem Geschäftsführungswechsel vor Dienstantritt ist diese Situation etwas abgemildert.

Erklärungsbedarf Ihrerseits in den folgenden Bewerbungsgesprächen besteht auf jeden Fall. Am besten gehen Sie aktiv mit dieser Situation bereits im Anschreiben um.

Warum wurde Ihnen gekündigt?

  • Da wie oben erwähnt, in der Probezeit meist ohne eine Angabe von Gründen gekündigt wird, ist es für Sie und Ihre späteren Bewerbungen wichtig, zu erfahren, warum Sie gehen müssen.
  • Verhaltensbedingt (Es gab Vorfälle, Abmahnungen sind erste Anzeichen)
  • Aus betrieblichen Gründen (Umstrukturierung, Auftragseinbruch, Führungswechsel)
  • Insolvenz, Firmenauflösung
  • Leistungsbezogene Kündigung (z.B.: schlechte Verkaufszahlen)

In jedem Fall sind die Gründe bei weiteren Bewerbungsgesprächen wichtig, da oft nach Ihrer Wechselmotivation gefragt wird.

Die wahren Gründe werden selten im späteren Arbeitszeugnis beschrieben. Zum einen dürfen dort nur positive Dinge über Sie berichtet werden. Zum anderen möchte sich das Unternehmen gerne schnell und geräuschlos vom unliebsam gewordenen Mitarbeiter trennen und willigt daher in ein ‚sanfteres‘ Zeugnis ein. Einige Kündigungsgründe aus Sicht des Unternehmens sind gelegentlich juristisch nicht haltbar, und es kommt zu nachgezogenen Aufhebungsverträgen. Bei einer Kündigung in der Probezeit erhält der gekündigte Arbeitnehmer meist nur ein einfaches Arbeitszeugnis.

Bitte keine Fragezeichen

Generell gilt, je mehr Fragezeichen der spätere Bewerbungs- und Zeugnisleser hat, desto mehr sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie zum Gespräch eingeladen werden. Gegebenenfalls müssen Sie sich auf unangenehme Fragen in diese Richtung vorbereiten wie z.B. „Berichten Sie mal, was bei XY AG zur Kündigung geführt hat.“ oder „Gab es bei XX GmbH Probleme mit Ihrem Vorgesetzten?“

Wie geht es weiter?

Auf jeden Fall sollten Sie bei einer Kündigung schnellstens mit der aktiven Bewerbung beginnen. Ein Hoffen, dass die Kündigung nach einem Rechtsstreit zurück genommen wird bringt Sie nicht weiter. Im Gegenteil, Sie vergeuden wertvolle Zeit. Gerade freigestellte Mitarbeiter sollten aktiv die Zeit nutzen, um etwas Neues zu finden.
Ich kann verstehen und nachvollziehen, dass der Gekündigte frustriert ist und dies auch in irgendeiner Form den alten Arbeitgeber spüren lassen möchte. Nur hilft das Ihnen in keiner Weise bei der Suche nach neuen Aufgaben. Es belastet Sie und Ihren Bewerbungsprozess und stiehlt Ihnen wertvolle Zeit. Sehen Sie das Ganze positiv und blicken Sie in eine bessere Zukunft, statt in Frust und Ärger auf die Vergangenheit zurück zu blicken.

Wenn Sie in der Probezeit kündigen wollen

Wie steht es mit Ihrer Kündigung für den Fall, dass Sie eine neue Beschäftigung gefunden haben? Sobald der neue Anstellungsvertrag von beiden Seiten unterzeichnet wurde, können Sie kündigen. Auch wenn formaljuristisch ein Arbeitsvertrag mündlich durch Zusage im Gespräch zustande kommen kann, nützt Ihnen das nichts, wenn Sie es nicht beweisen können. Bitte beachten Sie das! Ihre Kündigung ist schriftlich beim Arbeitgeber einzureichen. Der Brief enthält Datum, Unterschrift und den Zeitpunkt, zu dem Sie kündigen wollen. Er ist entweder im Unternehmen (bei Vorgesetzten, HR, etc.) abzugeben oder per Post (am besten Einschreiben mit Rückschein) unter Wahrung der Fristen zu versenden. Idealerweise lassen Sie sich die Abgabe bestätigen. Wenn Sie das Gesicht wahren wollen, übergeben Sie die Kündigung in einem persönlichen Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten.

Wie reagiert mein Chef?

Es gibt durchaus sehr unterschiedliche Reaktionen auf Mitarbeiterkündigungen. Einige werden versuchen, Sie zur Umkehr zu bewegen. Andere sind erbost und zeigen deutliche Zeichen ihrer Abneigung, fühlen sich gar persönlich verletzt. Wieder andere freuen sich im Stillen. Rechnen Sie mit allem. Es kann sein, dass man Sie sofort freistellt oder Sie bis zum letzten Tag arbeiten müssen. Meistens ist das Ende verhandelbar. Auf jeden Fall sollten Sie jetzt nicht die Füße auf den Tisch legen und Ihre restliche Arbeit vernachlässigen oder gar schlecht über Chef und Unternehmen sprechen. Ihr Arbeitszeugnis kommt erst am Ende, und Sie wollen sich ja nicht auf den letzten Metern hier noch negative Punkte einfangen. Seien Sie professionell und arbeiten in alter Frische, so lange es vertraglich vereinbart worden ist. Nutzen Sie Freistellungszeiträume z.B. zur Vorbereitung auf die neuen Aufgaben und nicht nur für Haus, Garten, Reisen und Freizeit.

Der Autor:

Dipl.-Ing. (FH) Christof Wirtz ist Karriereberater beim VDI seit Oktober 2014. Beruflich ist er seit 2007 Personalberater mit Spezialisierung auf Ingenieure und Informatiker. Seit 2016 schreibt er in seinem Blog www.karriere-abc.com über Bewerbung, Karriere und das Berufsleben.

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