67. Lindauer Nobelpreisträgertagung

Wo Nobelpreisträger auf Nachwuchswissenschaftler treffen

Vom 25. bis zum 30. Juni 2017 hatte ich die Gelegenheit an der 67. Tagung der Nobelpreisträger für Chemie in Lindau teilzunehmen. Insgesamt trafen 28 Nobelpreisträger auf 420 Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt. Die Möglichkeit an dieser weltweit wohl einmaligen Konferenz teilzunehmen ergab sich durch eine Nominierung seitens der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und der finanziellen Unterstützung durch VDI und VCI.

Bild: Walter

Durch mein Promotionsthema – der mehrdimensionalen Charakterisierung von Nanopartikeln mit Hilfe der Analytischen Ultrazentrifuge (AUZ) – hatte ich bereits einen besonderen Bezug zum Nobelpreisträgertreffen. So erhielt Theodor Svedberg, Begründer der AUZ, im Jahre 1926 für seine Arbeiten zur Untersuchung disperser Systeme mittels eben jener Messmethode den Nobelpreis für Chemie. Annähernd 100 Jahre später nutze ich die AUZ, wenn auch in stark modifizierter Form, um die Sedimentations- und Diffusionseigenschaften von Nanopartikeln zu untersuchen. Dies ermöglicht es mir, detaillierte und hoch-präzise Aussagen über die Größe, Form, Dichte und – dank des speziellen Multiwellenlängendetektors auch – optischen Eigenschaften sowie deren Verteilungen zu treffen. Dadurch ergeben sich vollkommen neue Möglichkeiten, da Nanopartikeln mehrdimensional mit vergleichsweise geringem Aufwand charakterisiert werden können. Diese Möglichkeit der Charakterisierung bildet die Grundlage, um multifunktionale Partikelsysteme gezielt herzustellen und öffnet so die Tür zum zielgerichteten Produktdesign.

Vor Augen welche tiefgreifenden Veränderungen in der Forschung durch die zukunftsweisenden Arbeiten weniger Personen einhergehen können, war ich voller Erwartung, welche Begegnungen ich in Lindau machen durfte. Rückblickend kann ich sagen, dass meine Erwartungen sogar noch übertroffen wurden. Das variationsreiche Programm bot die Möglichkeit in die preisgekrönte Arbeit der Nobelpreisträger einzutauchen. Das umfangreiche Vortragsprogramm wurde ergänzt durch Podiumsdiskussionen, die aktuelle Themen wie die Verantwortung der Forschung in der Gesellschaft im Blickfeld hatten. Zudem boten sogenannte „Science Breakfasts“ in kleinen Runden die Möglichkeit, verschiedene Themen wie Nachhaltigkeit oder Interdisziplinarität in der Forschung zu erörtern. Nachhaltig geprägt haben mich zudem die Diskussionsrunden mit den Nobelpreisträgern im kleineren Kreis. Hier war Raum auch persönliche Themen wie die Vereinbarkeit von Forschung und Familie zu diskutieren.

Bild: Julia Nimke/Lindau Nobel Laureate Meetings

Doch auch abseits des offiziellen Programms war stets Gelegenheit für Begegnungen. Ob ein ungezwungener Plausch mit Bernard L. Feringa während des Mittagessens über molekulare Maschinen oder ein Gespräch mit Peter Agre über dessen Arbeit in der Malariaforschung, das Treffen in Lindau hielt viele unvergessliche Überraschungen bereit. Keinesfalls vergessen möchte ich an dieser Stelle die vielen Begegnungen mit den Nachwuchswissenschaftlern aus aller Welt. Es war stets eine große Bereicherung, sich gegenseitig die eigene Forschung vorzustellen und Erfahrungen des Forschungsalltags zu teilen. Die vielen Aktivitäten, wie der Bayerische Abend oder der Bootsausflug auf die Insel Mainau boten viel Gelegenheit hierzu. So ließen wir nicht nur einmal nach Ende des Programms in gemütlicher Runde den Abend gemeinsam ausklingen.

Mir wird diese Woche in Lindau stets als unvergessliches Erlebnis in Erinnerung bleiben. Meinem Doktorvater Wolfgang Peukert und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften möchte ich an dieser Stelle noch einmal für die Nominierung danken. Dem VDI und dem VCI möchte ich zudem meinen Dank für die finanzielle Unterstützung aussprechen, die es mir erst ermöglicht hat an dem Treffen teilzunehmen.

Die 68. Lindauer Nobelpreisträgertagung findet vom 24. bis 29. Juni 2018 statt und widmet sich unter dem Hashtag #LINO18 der Physiologie und Medizin. In diesem Jahr treffen 39 Laureaten auf 600 Nachwuchswissenschaftler.

Bild: WalterAutor:
Dipl.-Ing. Johannes Walter
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Lehrstuhl für Feststoff- und Grenzflächenverfahrenstechnik
Cauerstrasse 4
D-91058 Erlangen
Phone: +49-9131-85 20361
johannes.walter@fau.de

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