Das müssen Fußballtrikots aushalten können

Reißen, Schwitzen und manchmal beißen

Der Ball rollt wieder. In Russland spielen vom 14. Juni bis zum 15. Juli 2018 32 Nationen den neuen Fußball-Weltmeister untereinander aus. Grund genug einmal aus technischer Sicht auf das Ereignis zu schauen. Heute kümmern wir uns um die Fußballtrikots. Sie bekommen eine Menge Schweiß und manchmal auch Tränen ab, an ihnen wird gerissen und gezogen. Wir haben uns von TÜV Rheinland-Textilexperte Andreas Metzger erklären lassen, wie Fußballtrikots getestet werden, damit Sie auch allen Belastungen Stand halten.

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Herr Metzger, wenn Fußballspieler um den Ball kämpfen, zerren sie dabei nicht selten am gegnerischen Trikot. Warum können die Spieler sicher sein, dass nicht plötzlich der Stoff reißt oder eine Naht platzt?
Damit so etwas nicht passiert, testen wir im TÜV Rheinland-Labor in Leipzig die Qualität von Fußballtrikots. Wir machen allerdings nicht nur einen Reißtest. Wir prüfen zum Beispiel auch, ob der Stoff abfärbt, wenn ein mechanischer Finger immer wieder über ihn reibt. Oder ob sich die Maße des Trikots nach mehreren Waschgängen verändern.

Die Trikots landen doch meistens gar nicht in der Waschmaschine. Oft streifen die Profis bei jedem Einsatz ein neues über.

Das mag sein. Aber die Hersteller und Vereine verkaufen die Trikots auch als Merchandise-Artikel an Fans. Dieses Geschäft ist eine riesige Einnahmequelle für Vereine und Hersteller. Minderwertige Qualität kann sich daher niemand erlauben, Schadstoffe genauso wenig. Deshalb prüfen wir, ob die Trikots schädliche Substanzen enthalten.

Bild: TÜV RheinlandAndreas Metzger bei der Arbeit

Andreas Metzger bei der Arbeit. (Foto: TÜV Rheinland)

Welche könnten das sein?
Wir testen die Trikots in unserem Labor in Köln auf etwa 30 bis 40 Substanzen. Darunter sind zinnorganische Verbindungen. Sie sind giftig für den menschlichen Körper und schwächen seine Abwehrkräfte. Weichmacher bringen die Hormone des Menschen durcheinander und schaden dem Nervensystem. Optische Aufheller verleihen dem Trikot zwar strahlende Farben, sorgen unter Umständen aber für eine allergische Reaktion. Wir prüfen die Trikots auch auf minderwertige Azofarbstoffe, die krebserregend sein können.

Wie läuft ein Test auf Schadstoffe genau ab?
Zuerst zerschneiden wir die Prüfmuster der Trikots in kleine Stücke. So komisch es klingt: Trotz aller Technik funktioniert es am besten, die Trikots per Hand mit der Schere klein zu schneiden. Das hat sich gezeigt, nachdem wir mehrere Methoden ausprobiert haben. Zuerst suchen wir nach gefährlichen Farbstoffen. Dafür extrahieren wir die Stoffprobe mit Lösungsmitteln.

Und wie finden Sie heraus, ob andere Schadstoffe im Trikot stecken?
Dafür untersuchen wir Extrakte aus dem Stoff in einem Chromatografen. Er verrät uns, ob schädliche Inhaltsstoffe in der Probe enthalten sind. Je nach Substanz, die wir suchen, setzen wir entweder einen Flüssigkeits- oder einen Gaschromatografen ein.

Wer gehört zu den Kunden von TÜV Rheinland?
Wir haben zum Beispiel bereits die Trikots der Bundesligavereine Fortuna Düsseldorf, 1. FC Köln und VFB Stuttgart untersucht.

Die Trikotproduktion wird immer aufwendiger und technischer. Inwiefern macht das die Prüfung schwieriger?

Diese Trikots werden heutzutage aus Polyester (in der Regel Endlosfäden) hergestellt. Wenn man hochwertige Trikots haben will, dann handelt es sich in der Regel um Mikrofasern. Als Mikrofasern werden gemäß Konvention Fasern bezeichnet, die feiner sind als 1 dtex. Das bedeutet, dass 10 000 m einer solchen Mikrofaser maximal 1 Gramm wiegen. Das ist deutlich weniger als ein Menschenhaar. Im Falle von Endlosfäden sind davon sehr viele solcher sogenannten Filamente in einem Faden vereinigt, der dann zum Trikot verarbeitet wird. Dadurch ist die Kapillarwirkung sehr groß, wodurch Schweiß sehr schnell von der Haut an die Oberfläche des Trikots transportiert wird und verdunsten kann. Unter tropischen Bedingungen erfolgt die Verdunstung wegen der hohen Umgebungstemperaturen und der meist hohen Luftfeuchtigkeit deutlich langsamer. Man kann deshalb das Aufnahmevermögen von Schweiß dadurch steigern, indem man den Filamenten statt eines normalerweise nahezu runden Querschnittes spezielle Profile gibt (z.B. sternförmig) oder auch chemische Modifikationen vornimmt. Die von uns vorgenommenen Prüfungen werden dadurch allerdings nicht erschwert.

TÜV Rheinland LogoAutorin:
Stefanie Drückler
TÜV Rheinland

 

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3 Gedanken zu “Reißen, Schwitzen und manchmal beißen

    • Hallo Herr Voigtländer,
      wir haben beim TÜV Rheinland für Sie mal nachgefragt. Andreas Metzger ist dort der Leiter Textil und er steht Ihnen telefonisch (0221-8063371) bei Fragen zu allen Arten von Prüfungen rund um Trikots gerne zur Verfügung. Und ja, der TÜV Rheinland kann natürlich auch die Trikots Ihres Vereins testen. Rufen Sie doch einfach mal an. Viel Erfolg und viele Grüße aus Düsseldorf nach Leipzig!

  1. Die EM hat gut gezeigt, dass nicht alle Trikots dem standhalten. Ich hoffe, dass die grossen Anbieter da nachbessern. Mein Bayern München Trikot kostet schon genug. Da soll es nicht nur 20 Minuten Fussbal aushalten ;-)

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