Die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs "Integrale Planung" im Interview

Vom Hörsaal zum energieeffizienten Fußballstadion

In diesem Jahr, in dem der Fußball weltweit besondere Aufmerksamkeit genießt, haben sich Studierende etwas Besonderes einfallen lassen: Innerhalb des alljährlichen VDI-Wettbewerbs „Integrale Planung“, entwickelten sie Modelle für die Fußballstadien der Zukunft – grün und modern. Nun hat eine Fachjury die besten Ideen ausgezeichnet.

Ein neues Fußballstadion für Karlsruhe zu planen, das den Anforderungen an ein modernes Stadion entspricht und darüber hinaus energieeffizient betrieben wird, das war der Kern der Wettbewerbsaufgabe in diesem Jahr. Insgesamt hatten 25 Teams von sieben Hochschulen ihre Entwürfe zum Wettbewerb Integrale Planung „Vision Wildparkstadion“ eingereicht. Am Ende gewann das reine Frauen-Team der BTU Cottbus mit seinem Entwurf „360° Karlsruhe“, der ein klares Leitthema erkennen ließ. Der VDI-Wettbewerb Integrale Planung wird durch die VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik organisiert.

Bild: shutterstock_549706516

Im Interview mit dem VDI verraten die stolzen Gewinnerinnen des Wettbewerbs, wie sie die Jury von sich überzeugten.

Das Team
Anthea Schneider, Studentin der Architektur, Simona Kruß, ebenfalls Studentin der Architektur und Pauline Richter, im zweiten Semester des Faches „Klimagerechtes Bauen und Betreiben“ studieren an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus.

Bild: Michael Kromisz / bildschön

Warum habt ihr beim VDI-Wettbewerb mitgemacht?
Der Entwurf Vision Wildparkstadion wurde als fächerübergreifendes Projekt an der BTU angeboten. Natürlich wollten wir uns dann auch dem Preisgericht stellen und haben unseren Entwurf zum Wettbewerb eingereicht. Für uns alle war es eine spannende Herausforderung, interdisziplinär zu entwerfen und das noch dazu für ein „echtes“, ein greifbares Projekt wie das neue Stadion in Karlsruhe. Eine tolle Möglichkeit, unser theoretisches Wissen einmal in die Tat umzusetzen.

Was ist euer Erfolgsgeheimnis?
Unser Team ergab sich ein wenig zufällig und doch haben wir uns super verstanden – im Projekt wie auch nach der Arbeit. Wir hatten ein tolles Arbeitsklima und haben uns sehr gut ergänzt. Wir haben uns gegenseitig Denkanstöße gegeben und neue Blickwinkel eingenommen. Wir haben uns immer wieder aufs Neue hinterfragt, haben Kompromisse und Lösungen gefunden. Es war die Kombination aus Offenheit, Zuhören, Durchsetzen und Verstehen, die zum Erfolg geführt hat.

Wodurch zeichnet sich euer Entwurf besonders aus?
Wir haben ein energieeffizientes Stadion für Karlsruhe, für den Wildpark, entworfen. Dabei hatten wir immer den Standort und das Energiekonzept im Blick und haben beides bestmöglich versucht, in unseren Plan zu integrieren. Schlussendlich haben wir ein architektonisches Gesamtkonzept entwickelt, bei dem das primäre Tragwerk aus Druck- und Zugringen, sowie einem Stützenwald eine direkte Beziehung zum umliegenden Wildpark herstellt und einen zusätzlichen Mehrwert als Aussichtsplattform darstellt. Genauso sind die energetischen Anforderungen in das Gesamtkonzept eingebunden: Durch die Integration der Solarpaneele auf dem oberen Druckring und die bepflanzten Entwässerungs-Rigolen als Landschaftsbereicherung.

Bild: Anthea Schneider, Simona Kruß, Pauline Richter

Gewinnerentwurf des Wettbewerbs Integrale Planung

Wo lag beim Wettbewerb für euch die besondere Herausforderung?
Die erste große Herausforderung war es, ein Raumprogramm zu erstellen und die Komplexität eines Stadions zu begreifen. Alleine die Quadratmeter der Sanitärräume waren flächenmäßig größer, als jedes unserer bisherigen Projekte. Zudem mussten wir uns auch erst einmal ein umfassendes Bild von den Gegebenheiten vor Ort machen. Uns war klar, dass unser Projekt in die Umwelt des Stadion passen muss. Dafür mussten verschiedene Ideen (aus)sortiert, durch- und umgesetzt werden.
Besonders die Entwicklung der Rampe innerhalb des Stadions und deren konsequente Umsetzung haben uns immer wieder herausgefordert. Außerdem wollten wir unser Energiekonzept nicht additiv „oben drauf setzen“ – im Gegenteil: Es hat von Anfang an unseren Entwurf mitbestimmt. Die Herausforderung war hier ganz klar die Kreativität der Architektinnen und die sachlichen Auffassung unserer Klimaexpertin unter einen Hut zu bekommen.

Was nehmt Ihr aus der Arbeit für den Wettbewerb für euch aus beruflicher und auch persönlicher Sicht mit?
Wir haben gelernt, was Teamarbeit bedeutet und, dass sie der Schlüssel zum Erfolg ist. Dazu gehören die konzentrierte Arbeit ebenso wie die kreativen Pausen. Wenn man sich als Team so gut versteht, macht ein erfolgreiches Projekt erst richtig Spaß. Aus persönlicher Sicht nehmen wir tolle neue Freundschaften mit, aus beruflicher Sicht eine wichtige und interessante Erfahrung, die uns vielleicht auch unseren beruflichen Zielen näherbringt.

Was bedeutet es für euch, Ingenieur/in oder Architekt/in zu werden?
Architektin bzw. Ingenieurin zu werden, bedeutet für uns, ständig neue Herausforderungen kreativ und zeitgemäß zu bewältigen. Wir sehen uns in der Verantwortung, Lösungen für bauliche und energieversorgungstechnische Probleme zu finden, die wir gegenüber den uns folgenden Generationen vertreten können. Neben Ideenreichtum, Kreativität und Mut zur Realisierung, gehört dazu auch immer eine möglichst verzahnte, integrale Planung.

Vielen Dank für das Interview!

 

Bild: VDIDas Interview führte: Tanja Kerkhoff,
VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, Fachbereiche Bautechnik und Facility-Management

 

 

 

 

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