Zwei FSG-Teams zeigen, wie sie sich vorbereiten und worauf es bei dem Wettbewerb ankommt

Formula Student Germany 2018 – Zwei Teams mit Benzin im Blut

Die Formula Student Germany, der internationale Konstruktionswettbewerb auf dem Hockenheimring, jährlich ausgerichtet von der Formula Student Germany e. V. und unter der Schirmherrschaft des VDI, rückt mit großen Schritten näher. Vom 6. bis zum 12. August zeigen die Studenten-Teams wieder ihr Können in Sachen Konstruktion und Rennperformance, Finanzplanung und Vertrieb. In diesem Jahr gewähren zwei Teams Einblicke hinter die Kulissen ihrer Vorbereitung. Sie verraten, mit welchen Innovationen sie gewinnen wollen und was sie und ihre Boliden antreibt.

Baltic Racing aus Stralsund ist als eines der ersten deutschen Teams ein echtes Urgestein der FSG. Sie treten mit einem Rennwagen an und wollen auch in diesem Jahr wieder hoch hinaus. Die Teammitglieder Anne Walther, 22, Studentin der Fächer Leisure and Tourism Management, bei Baltic Racing zuständig für Marketing & Organisation, sowie der Teamleiter von Baltic Racing, Johannes Wessling, 21, der Int. Wirtschaftsingenieurwesen studiert, geben im VDI-Interview exklusive Einblicke.

Bild: Henry Stadthagen

Das Team Baltic Racing mit Maskottchen „Walfred“

Wie kam es zu der Gründung eures Teams?
Walther: Peter Roßmanek, einer der Professoren an unserer Hochschule, hat verschiedene Formula Student Wettbewerbe in Silverstone und Australien besucht und fand den Gedanken dahinter großartig. Daraufhin hat er einige motivierte Studierende der Fakultät Maschinenbau gefragt, ob sie Teil des Projektes werden wollen.

Was ist eure Motivation, an der FSG teilzunehmen?
Wessling: Die FSG ist einer der größten, wenn nicht sogar der größte europäische Formula Student Wettbewerb. Wer da mitmacht, hat die Chance auf einen Weltranglistenplatz. Und trotz der Größe fühlt sich das am Hockenheimring an wie ein „Heimspiel“. Außerdem ist die Stimmung bei FSG immer einzigartig, weshalb wir dieses Event immer als Belohnung für die gesamte Saison ansehen.
Natürlich spielen auch die Firmen vor Ort für das Team eine wichtige Rolle – als potentielle Sponsoren und auch als potentielle Arbeitgeber.

Wie finanziert ihr euch?
Walther: Hauptsächlich natürlich durch jede Art von Sponsoring, aber auch Teambeiträge, Grillabende und durch Spenden für unseren Kalender. Das ist alles immer gar nicht so einfach, denn ein Rennwagen kostet wirklich eine Menge – gerade wenn man neue Dinge ausprobieren möchte.

Welche aktuellen technischen Entwicklungen findet ihr besonders spannend?Wessling: Bei der FSG und in der Automobilindustrie generell ist „driverless“, also autonomes Fahren, auf dem Vormarsch und für uns auch sehr interessant. Derzeit sind wir leider noch nicht auf dem Stand, um einen unserer vorherigen Rennwagen zu einem autonomen Boliden umzurüsten. Was nicht nur im Rennsport, sondern auch in der Automobilindustrie ebenso von großem Reiz ist, ist der Leichtbau. Dieser ist für uns auch sehr wichtig und deshalb haben wir es uns in dieser Saison zum Ziel gemacht, den Wagen möglichst leicht und dennoch sicher zu konstruieren.
Dies ist uns mit circa 180 kg (im Vergleich zu 208 kg im Vorjahr) auch gut gelungen.

Bild: Anne Walther

Der Bolide und das Meer

Wie viel Zeit beansprucht die Vorbereitung auf die FSG?
Walther: Der Zeitaufwand ist natürlich erheblich, unterscheidet sich aber von Mitglied zu Mitglied. So sind einige täglich bis zu 12 Stunden mit den Vorbereitungen beschäftigt, während für andere das eher das wöchentliche Pensum darstellt. Insbesondere in den letzten zwei Wochen vor der Enthüllung unseres diesjährigen Rennwagens und vor den Events sind einige Mitglieder nahezu durchgehend in der Werkstatt.

Seit 2007 nimmt das Team von KA-RaceIng aus Karlsruhe an der Formula Student Germany (FSG) teil. Auch sie haben im Interview verraten, wie sie sich auf diesen bedeutenden Konstruktionswettbewerb vorbereiten:

Wie sieht die Planung/Vorbereitung aus?
Lars Griem, 25, Maschinenbau, zuständig im Team für den Bereich Autonomous System:
Zuallererst bauen wir ein Team auf. Wir veranstalten am Anfang der Saison Kennenlerntreffen, bei denen sich die neuen Teammitglieder näher kennenlernen können. Danach geht es an die Konzeptphase, hier werden neue Ideen geboren und diskutiert. Nachdem wir uns auf ein Konzept geeinigt haben, geht es an das Design der Idee. Egal ob Konstruktion, Simulation oder Optimierung – jeder aus dem Team hat seine Aufgabe. In diesen Phasen werden wir vor allem durch das Wissen und die Erfahrung unserer Alumni unterstützt. Nachdem die Fahrzeuge auskonstruiert und am PC fertig sind, geht es an die Fertigung. Man kann täglich beobachten, wie die Fahrzeuge “wachsen”. Natürlich kann nicht alles auf Anhieb klappen, weshalb wir sehr viel Wert auf Testfahrten legen. Da werden dann einzelne Fehler und die letzten Prozent Performance aus dem Auto herausgeholt, um in Bestform auf den Events anzutreten.

Bild: KA-RaceIng e.V.

Team KA-RaceIng e. V.

Wie sind die Karriereaussichten? Hat die FSG schon zum Karrierestart beigetragen?
Ralf Knupfer, 21, Maschinenbau, zuständig im Team für den Bereich Marketing:
Neben den Erfahrungen bei der Entwicklung des Rennwagens, sind auch die Soft Skills, die man während der Vorbereitungen auf die Formula Student im Team lernt, sehr wichtig. Sie machen bei Bewerbungsgesprächen und auch bei Sponsoren einen guten Eindruck. Und wenn man begeistert von seiner Arbeit im Team berichten kann, kommt das immer gut an.

Wie kommt man darauf, Mitglied bei KA-RaceIng zu werden und an der FSG teilzunehmen?
Hanna Burggraf, 19, Mechatronik und Informationstechnik, zuständig im Team für die Elektrotechnik:
Mein Bruder war Teil des TuFast Raceing Teams in München und hat mir immer viel erzählt. Außerdem wollte ich während der Uni auch etwas Praktisches machen und nicht nur in Vorlesungen sitzen.
Bild: KA-RaceIng e.V.

Ingenieurwissenschaften und Autos – Männerdomänen sagt man. Was hältst du davon?
Sarah Bormann, 22, KulturMediaTechnologie, zuständig im Team für den Bereich Marketing:
Wir sind diese Saison 11 Frauen im Team. Als Vorteil würde ich sehen, dass jedem bewusst wird, dass weder Geschlecht noch Nationalität zählen, sondern die Leistung im Team. Die Toleranz von Frauen in Ingenieurberufen steigt so. Als Frau in einem Formula-Student-Team zu arbeiten, bedeutet, auf einen Schlag 80 Brüder zu bekommen.

Wir drücken den sympathischen Teams die Daumen und wünschen viel Erfolg!

Bilder in den Steckbriefen: links: Baltic Racing, rechts: KA-RaceIng.

 

Die Interviews führte: Julia Köhler
Aufgabe beim VDI: Referentin Kommunikation

 

 

 

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