VDI-Expertenempfehlung

Neue Regelsetzungsformate im VDI

Einer der Vereinszwecke des VDI ist „die Schaffung von anerkannten Regeln der Technik“, dem der VDI bereits seit dem Jahr 1884 nachgeht. Wesentliches Produkt sind die VDI-Richtlinien. Seit Mai gibt es nun – nach Beschluss des Wissenschaftlichen Beirats und des VDI-Präsidiums – zwei weitere Formate, die das Portfolio des VDI im Hinblick auf die technische Regelsetzung ergänzen.

Bild: VDI/Ulrich Overländer

Die Formate heißen

  • VDI-Richtlinie Mensch und Technik sowie
  • VDI-Expertenempfehlung.

Warum brauchen wir neben den VDI-Richtlinien noch weitere Formate der Regelsetzung im VDI?

Wir benötigen in der Tat zwei neue Formate – aus zwei ganz verschiedenen Gründen. Fangen wir mit der VDI-Richtlinie „Mensch und Technik“, kurz VDI-MT, an: Dieses Format kommt dann zu Einsatz, wenn wenig technikbezogene Inhalte standardisiert werden sollen, z.B. die Anforderungen an die Qualifikation von Personen beim Umgang mit Technik oder ein Vorgehen in managementspezifischen Fragen.

Es stellt sich natürlich die Frage, warum wir dieses Format zusätzlich tatsächlich benötigen. Der Grund ist durch den Vereinszweck des VDI begründet. Dort heißt es, dass ein Zweck des VDI ist, anerkannte Regeln der Technik (!) zu schaffen. Hier ist also explizit von Regeln der Technik gesprochen, was für einen Ingenieurverein auch absolut verständlich ist. Nun ist es aber so, dass wir uns im VDI vermehrt mit Fragestellungen beschäftigen, die nicht rein technikbezogen, sondern die erhebliche gesellschaftliche Relevanz haben. Wenn wir hierzu anerkannte Regeln mit wenig technikbezogenen Inhalten schaffen wollen, können wir das tun, müssen dann aber entsprechend darauf hinweisen. Dies tun wir zukünftig mit dem Format der VDI-Richtlinie Mensch und Technik.

Was ist die Grundlage für eine VDI-Richtlinie Mensch und Technik?

Grundlage für die Erarbeitung einer VDI-Richtlinie „Mensch und Technik“ ist die bewährte Richtlinie VDI 1000 „VDI-Richtlinienarbeit; Grundsätze und Anleitungen“. Hier ändert sich also nichts.

Und wie ist es mit der VDI-Expertenempfehlung?

Hier ist die Begründung eine ganz andere: Eine VDI-Expertenempfehlung, kurz VDI-EE, kommt dann zum Einsatz, wenn Geschwindigkeit bei der Standardisierung erforderlich ist und ggf. nicht alle interessierten Kreise eingebunden werden können. Somit ist die VDI-Expertenempfehlung auch als solche, d.h. eine Empfehlung, zu verstehen und hat im Gegensatz zu einer VDI-Richtlinie nicht den Anspruch, eine allgemein anerkannte Regel zu werden bzw. zu sein.

Im VDI kommt es häufig zu der Situation, dass in einem Fachausschuss zu einem aktuellen Thema viel interessantes Material vorgestellt und zusammengetragen wird. Je nach Inhalt ergibt sich dann die Idee einer Veröffentlichung als technische Regel, allerdings ohne, dass man vor die Absicht geäußert hatte, eine VDI-Richtlinie schreiben zu wollen. Somit war man zu Beginn nicht darauf aus, alle Kriterien nach VDI 1000 zu erfüllen. Damit sind ggf. nicht alle Voraussetzungen für die Erstellung einer VDI-Richtlinie erfüllt. Um das zusammengestellte Material nun aber doch veröffentlichen zu können, und zwar zeitnah, kann das Format der VDI-Expertenempfehlung zu Einsatz kommen.

Dann kann die VDI 1000 also nicht die Grundlage für die Erarbeitung von VDI-Expertenempfehlungen sein, richtig?

Ja, das stimmt. Basis für die Erarbeitung von Expertenempfehlungen ist die VDI-EE 1100 „Grundsätze und Anleitungen für die Erarbeitung von VDI-Expertenempfehlungen“, die zum 01.05.2018 veröffentlicht wurde.

Wenn sich eine Expertenempfehlung in der Praxis bewährt hat, kann sie später durch Überarbeitung nach den Vorgaben der Richtlinie VDI 1000 zu einer VDI-Richtlinie werden.

Wie wird festgelegt, welches Format wann zum Einsatz kommt?

Nach wie vor obliegt diese Entscheidung dem jeweils zuständigen Fachbeirat einer VDI-Fachgesellschaft. Scharfe Grenzen zwischen den Formaten lassen sich natürlich nicht ziehen. Wir werden das anhand der ersten Beispiele gemeinsam „üben“ müssen.

Eines ist klar: Die VDI-Richtlinie bleiben unser Format Nr. 1. Es zeichnen sich allerdings bereits heute Projekte ab, die später in Form als VDI-Richtlinie Mensch und Technik (VDI-MT) veröffentlicht werden. Die VDI-Expertenempfehlung (VDI-EE) bieten sich zudem dann an, wenn zu standardisierende Inhalte schnell mit der Fachöffentlichkeit diskutiert werden sollen. Hier werden erste Ideen sicher nicht lang auf sich warten lassen.

Das folgende Bild zeigt noch einmal kurz, wie sich die verschiedenen Regelsetzungsformate voneinander unterscheiden.

Bild: VDI

 

Autor: Dieter Westerkamp, Bereichsleiter Technik und Wissenschaft, Mitglied der Geschäftsleitung des VDI e.V.

 

 

 

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