Der VDI Brasilien stellt sich vor

Samba, Karneval…und VDI!

Weltweit leben rund 6.000 VDI-Mitglieder im Ausland. Für die Ausbildung eines Ingenieurnetzwerks, wurden die „VDI-Freundeskreise” in vielen Ländern der Welt gegründet. Eine der größten Vertretungen außerhalb Deutschlands ist mit rund 900 Mitgliedern der VDI Brasilien. Der Diplom-Chemieingenieur Klaus Friedrich Hepp, Geschäftsführer von Vulkan do Brasil Ltda, ist seit 1979 Mitglied beim VDI und lebt seit neun Jahren in Brasilien. Im Interview erzählt er, wie die Arbeit eines Ingenieurs in Brasilien aussieht und was die Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Brasilianern besonders macht.

Bild: shutterstock_628549640_Zarya Maxim Alexandrovich

Wann sind Sie ausgewandert?
Ich lebe seit 2009 in Brasilien. Ich war hier bereits als Geschäftführer für die deutschen Unternehmen Oystar (Verpackungsmaschinen), GEA Heat Exchangers (Apparatebau) tätig. Seit Ende 2014 bin ich nun Geschäftsführer von Vulkan do Brasil (Hauptprodukte: Kupplungen, Bremsen etc. für die industrielle Antriebstechnik).

Wie kamen Sie nach Brasilien? Welche Geschichte steckt hinter Ihrer Auswanderung?
Als Projektleiter bei Henkel, bekam ich irgendwann die Aufgabe, ein technisches Audit bei unserer Tochterfirma in Jacarei, Sao Paulo, durchzuführen. Aus dem 2-wöchigen Audit wurden sehr rasch wiederkehrende Besuche gefolgt von der Einladung, ganz dorthin zu gehen und das Projekt sowie weitere Projekte und schließlich die gesamte Ingenieurabteilung zu leiten.

Bild: Klaus Hepp

Klaus Hepp vom VDI Brasilien

Was schätzen Sie an Brasilien? Was vermissen Sie, wenn Sie an Deutschland denken?
Ich schätze Brasilien als tolles, großes, abwechslungsreiches Land. Mich begeistern die freundlichen Menschen und das fast ganzjährig schöne Wetter. Die Brasilianer sind sehr aufgeschlossen, flexibel und begeisterungsfähig. Was ich aus Deutschland vermisse, ist das leckere Brot, die schönen Waldspaziergänge und die Nähe zu den kulturell und landschaftlich sehr abwechslungsreichen europäischen Nachbarländern.

Deutsche Ingenieurskunst – was bedeutet das in Brasilien?
Die deutsche Ingenieurskunst genießt ein sehr hohes Ansehen in Brasilien und viele deutsche Technologieführer haben sich hier niedergelassen. Die Brasilianer schätzen den hohen Sachverstand, die Qualität und Zuverlässigkeit der deutschen Ingenieursprodukte und sind geradezu begeistert vom technologischen Fortschritt. Die große Herausforderung für deutsche Ingenieure ist es, den brasilianischen Ingenieuren Kenntnisse und Technik näherzubringen.

Welche Projekte gibt es beim VDI in Brasilien?
Der VDI ist in Brasilien seit langen Jahren fest etabliert und hat sich in den letzten 3 Jahren komplett „runderneuert“. Heute stehen hier beim VDI-Brasilien genau dieselben Themen im Vordergrund unserer Aktivitäten, die auch in Deutschland die Technikdiskussion und -fortentwicklung beherrschen. Es geht um die Schlüsselthemen Innovation und Digitale Transformation. Dazu kommen wichtige lokale Themen wie die Duale Ausbildung und die Kooperation mit Aus- und Fortbildungs- sowie Forschungseinrichtungen.

Bild: VDI Brasilien

8. internationales Symposium zur Digitalisierung

Was unterscheidet die brasilianischen Ingenieure von den deutschen?
Die brasilianischen Ingenieure sind sehr talentiert, aufgeschlossen, anpassungsfähig, begeisterungsfähig und engagiert. Sie lieben das Multi-Tasking und verlieren dabei manchmal den „Roten Faden“. Die Zusammenarbeit brasilianischer und deutscher Ingenieure funktioniert hervorragend, weil jeder der Beteiligten komplementäre Talente und Ausprägungen mitbringt. Brasilianer sind außerordentlich gute Teamworker.

Welche Angebote bietet der VDI in Brasilien?
Der VDI-Brasilien bietet im Land aktiven Ingenieuren eine gemeinsame Plattform zur Anpassung und Weiterentwicklung deutscher Best-Practice-Modelle für spezifische Herausforderungen des Landes. Dazu zählt etwa auch die Diskussion über deutsche Industrie 4.0-Konzepte und Automatisierungstechnologien. Wir sprechen mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft. Seminare, Workshops und Kongresse für alle (auch Nicht-Mitglieder) integrieren die Themen dann in der Gesellschaft, stoßen Projekte an. Lokale Förderunternehmen des VDI-Brasilien, wie Vulkan do Brasil, ermöglichen brasilianischen Ingenieurstudenten zudem kostenlose Veranstaltungen für den Berufseinstieg.

Bild: VDI Brasilien

Podiumsdiskussion auf dem brasilianisch-deutschen Ingenieurtag

Was kann sich Brasilien von Deutschland „abschauen“ und umgekehrt?
Für die Brasilianer ist es sehr beeindruckend, wie gut und diszipliniert die Deutschen einfach alles organisieren. In Deutschland kann sich hundertprozentig auf Zusagen und Prognosen verlassen. Brasilianer sind oft wesentlich schneller bei der Umsetzung von Projekten, passen sich flexibel wandelnden Umgebungs- und Rahmenbedingungen an und trauen sich, mehrere Dinge gleichzeitig anzupacken.

Was sollte ein Ingenieur aus Deutschland beachten, wenn er in Brasilien arbeiten möchte?
In jedem Fall ein paar Grundkenntnisse des Portugiesischen. Diejenigen, die hier „on the job“ frisch aus anderen Weltregionen eintreffen, sollten zudem offen und aufgeschlossen gegenüber allem Neuen und Anderen sein. Wer nur die eigenen Erfahrungen und Überzeugungen zulässt oder gar versucht zu belehren, kann wenig Neues lernen und stößt schnell an Grenzen.

Wie unterscheidet sich die Arbeit eines Ingenieurs in Brasilien von der in Deutschland?
Auf allen Ebenen des Zusammenlebens und -arbeitens spielt die zwischenmenschliche Kommunikation und Beziehung eine sehr wesentliche Rolle. Die Brasilianer kennen keine eindeutige Trennung zwischen der „Arbeitswelt“ und dem „Privatleben“. Das eröffnet viele Möglichkeiten, führt aber sehr leicht auch zu verheerenden Konflikten. Als Europäer muss man das sehr genau kennenlernen, bevor man loslegt.

Die Interviews führte: Julia Köhler
Aufgabe beim VDI: Referentin Kommunikation

 

 

 

 

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